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Eitel und erfolgreich, manchmal aber auch erfolglos: Louis van Gaal, der neue alte Trainer der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft und von sich überzeugter als von anderen Kollegen - auch von Joachim Löw.
Eitel und erfolgreich, manchmal aber auch erfolglos: Louis van Gaal, der neue alte Trainer der niederländischen Fußball-Nationalmannschaft und von sich überzeugter als von anderen Kollegen - auch von Joachim Löw.(Foto: dpa)

Wer hat's erfunden? Van Gaal!: Der Schöne gibt das Biest

Von Stefan Giannakoulis, Amsterdam

Louis van Gaal ist ein Coach, der von sich überzeugt ist, optisch und fachlich. Mit den Niederlanden trifft er auf das DFB-Team von Joachim Löw. Mit dem liefert er sich vorab ein Verbalscharmützel und kassiert einen schmerzhaften Konter. Doch den steckt van Gaal locker weg. Denn für Oranje ist er längst wieder ein Hoffnungsträger.

Der Bundestrainer nahm die Spitze des eitlen Kollegen locker.
Der Bundestrainer nahm die Spitze des eitlen Kollegen locker.(Foto: dpa)

Es schien so, als hätte er sich auf diesen Konter gefreut. Da saß der Bundestrainer, 52 Jahre alt, im Amsterdamer Marriot-Hotel in einer dunkelblauen Sepp-Herberger-Gedächtnis-Trainingsjacke mit den drei weißen Streifen auf den Ärmeln, bereit, mit den Journalisten zu sprechen. Dort, nahe am Rijksmuseum an der Singelgracht, logiert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Heute spielt sie (ab 20.30 Uhr im n-tv.de Liveticker) in aller Freundschaft gegen die Niederlande. Und als einer ihn fragte, was er denn von Louis van Gaal, dem Trainer des Gegners halte, lächelte Joachim Löw. Und fing ganz harmlos an. "Ich schätze ihn sehr. Er ist ein guter Trainer. Er hat viele Mannschaften trainiert, hat eine immense Erfahrung."

Das war nicht die erwartete Antwort. Hatte Louis van Gaal, 61 Jahre alt, doch jüngst über seinen deutschen Kollegen gesagt: "Er hat noch nicht viel gewonnen. Ich denke, dass ein Trainer viel gewinnen muss, um eine legendarische Trainer zu sein." Aber Joachim Löw war ja noch nicht fertig. "Ich glaube auch, nach dieser verpassten EM jetzt von Holland, mit null Punkten nach Hause gefahren, hat er diesem Team wieder eine neue Motivation eingehaucht und einige Veränderungen vorgenommen. Das ist gut." Sanft wie ein Lamm. Aber dann: "Für einen Nationaltrainer ist es auch mal wichtig, dass man sich für ein Turnier qualifiziert. Ich glaube, das hat er beim letzten Mal nicht geschafft."

Sprach's und lächelte wie einer, der sich das Beste für den Schluss aufgehoben hat. Und sich daran erinnert, dass der Niederländer es in seiner ersten Amtszeit von 2000 bis 2002 mit seiner Mannschaft nicht zur Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea schaffte. Danach musste Louis van Gaal seine Sachen packen. Der nahm übrigens die Löw’sche Replik bestens gelaunt und dementsprechend gelassen auf. "Jogi Löw hat recht. Das ist ein Faktum, das kann ich nicht bestreiten."

Gleich sechs Spieler aus der Bundesliga

Niederlande - Deutschland
Team: Krul - van Rhijn, Heitinga, Vlaar, Martins Indi - de Jong, Emanuelson - van der Vaart - Afellay, Huntelaar, Robben
Trainer: van Gaal
Team: Neuer - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Lahm - Lars Bender, Gündogan, Müller, Götze, Podolski - Reus
Trainer: Löw
Ab 20.30 Uhr im n-tv.de Liveticker!

Deswegen wäre es auch Humbug, aus diesem Geplänkel einen Zwist zwischen den Übungsleitern zu konstruieren. Die Stimmung vor der Partie, die gerne als Prestigeduell bezeichnet wird, ist ausnehmend entspannt. Es ist nur so, dass Louis van Gaal, aus Münchner Zeiten beim FC Bayern als Feierbiest bekannt, selten eine Gelegenheit auslässt, zu betonen, dass er sich für einen der besseren Trainer auf diesem Planeten hält. Ob es einen Besseren gebe? Das wurde er jüngst im gebührenfinanzierten Fernsehen gefragt. "Der ist schwierig zu finden." Louis van Gaal tat so, als denke er nach. Na gut, Alex Ferguson "ist ein sehr guter Trainer, in England ist es aber auch einfacher". Ach. Und sonst? Real Madrids José Mourinho, Spaniens Vicente del Bosque und Bilbaos Marcelo Bielsa seien auch gut. Und Joachim Löw? Nicht "legendarisch" halt.

In den Niederlanden sind sie froh, dass sie Louis van Gaal haben. Denn mit ihm, so hoffen sie nach verkorkster Europameisterschaft unter Bert van Marwijk, kehrt der Erfolg zurück. Seine Bilanz in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien kann sich jedenfalls sehen lassen. Sie ist makellos. Mit vier Siegen gegen die Türkei (2:1), in Ungarn (4:1), gegen Andorra (3:0) und zuletzt in Rumänien (4:1), somit 13:2 Toren und zwölf Punkten führt seine Mannschaft die Qualifikationsgruppe D an - drei Zähler vor den punktgleichen Verfolgern Ungarn und Rumänien.

Gegen Deutschland setzt der Bondscoach auf gleich sechs Spieler aus der Bundesliga: Arjen Robben vom FC Bayern, die Schalker Klaas-Jan Huntelaar und Ibrahim Afellay, Rafael van der Vaart vom Hamburger SV, den Wolfsburger Bas Dost und Eljero Elia vom SV Werder Bremen. Und vor der Partie gibt sich der Trainer durchaus respektvoll. "Es ist ein besonderes Spiel. Deutschland ist ein Supergegner. Danach wissen wir besser, wo wir stehen." Nur dass so viele Spieler aus München abgesagt haben, findet er schade. "Das hätte dieses Spiel speziell gemacht." Schließlich sei es etwas Besonderes, "wenn man Spieler zum Gegner hat, die man wie seine Westentasche kennt". Doch Bastian Schweinsteiger, Holger Badstuber, Toni Kroos und Jérome Boateng müssen passen, von seinen ehemaligen Schützlingen sind nur Philipp Lahm und Thomas Müller dabei.

Hoeneß als Krake im Comic - super

Jedenfalls scheint Louis van Gaal seine Entlassung beim deutschen Rekordmeister im April 2011 nicht verwunden zu haben. Wie auch? Schließlich ist er doch der Beste, einer, der im ersten Jahr mit den Bayern das nationale Double gewonnen hatte und ins Endspiel der Champions League eingezogen war. So einer scheitert allenfalls an der Ignoranz seines Arbeitgebers. Im Münchner Fall war das Uli Hoeneß, das war der Tenor seiner jüngsten Generalkritik. Das hat er auch vor diesem Länderspiel noch einmal betont. Über eine Karikatur, die den Präsidenten des FC Bayern als Krake zeigt, der alle anderem im Verein im Würgegriff hält, habe er sich sehr gefreut. "Das war, wie ich das auch sehe. Ein sehr guter Comic." Den derzeitigen Erfolg der Münchner reklamiert er zu großen Teilen für sich.

Schließlich spielten die unter Jupp Heynckes "immer noch dieses System, das ich introduziert habe". Wegen dieser Umstellung auf ein 4-2-3-1 habe er mit Hoeneß ständig Streit gehabt, der ein 4-4-2 mit zwei Stürmern favorisiere. Aber er, Louis van Gaal, habe sich durchgesetzt. Er habe aus David Alaba einen Linksverteidiger gemacht, Lahm auf die rechte Seite beordert, Müller und Badstuber zu Stammkräften geformt und Schweinsteiger ins defensive Mittelfeld gestellt. Aber Hoeneß habe nur gemault. Na ja, und Joachim Löw lasse die deutsche Mannschaft schließlich auch so spielen "wie wir unter meiner Leitung, wie ich es eingeführt habe, wie ich das denke". Klingt legendarisch. Stimmt aber nicht. Der Bundestrainer lässt seit der EM 2008 so spielen - das war ein Jahr, bevor Louis van Gaal in München übernahm.

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Quelle: n-tv.de

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