Sport
Der BVB hat keine E-Sport-Abteilung, seine Kicker Aubameyang und Reus daddeln dennoch gerne.
Der BVB hat keine E-Sport-Abteilung, seine Kicker Aubameyang und Reus daddeln dennoch gerne.(Foto: imago/Manngold)
Montag, 25. September 2017

E-Sport-Experte über Profizocker: "Der fitte E-Gamer ist der bessere E-Sportler"

Ob "Fifa" oder "PES": Virtueller Fußball wird immer beliebter. Im Interview mit n-tv.de erklärt Christopher Grieben von der Deutschen Sporthochschule Köln, warum das Zocken ein Sport ist - und was der klassische Sport vom E-Sport lernen kann.

n-tv.de: Warum ist E-Football ein Sport?

Christopher Grieben: Der DOSB hat ganz klare Kriterien dafür aufgestellt, wann ein Sport als solcher bezeichnet werden darf und wann nicht. Und es ist unbestritten, dass zwischen E-Sport und dem klassischen Sport viele Parallelen bestehen. Das zeigt sich allein bei den Fähigkeiten, die ein E-Sportler mitbringen muss, um erfolgreich zu sein. Bei vergleichbaren Sportarten wie beispielsweise Bogenschießen oder Schach ist die körperlich-motorische Aktivität geringer als beim E-Sport. Das ist aber nicht die primäre Frage, an der wir arbeiten. Wir suchen keine Argumente dafür, dass es ein Sport ist.

Wann haben Sie zum letzten Mal "Fifa" oder "Pro Evo" gezockt?

Dr. Christopher Grieben ist Dozent an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Dr. Christopher Grieben ist Dozent an der Deutschen Sporthochschule Köln.(Foto: Christopher Grieben/Ralf Bauer)

Wir haben an der DSHS in Köln ein vierköpfiges E-Sports-Team gegründet und spielen tatsächlich regelmäßig. Das machen wir aber nicht wegen des Spaßfaktors, sondern aus wissenschaftlichen Gründen. Denn wir können Dinge nur analysieren und bewerten, wenn wir auch das Spiel kennen.

Wie oft trifft sich das Team zum Zocken?

Das Team, das aus Studenten und Dozenten besteht, trifft sich einmal in der Woche und trainiert zwei Stunden lang. Da wir Sportwissenschaftler sind, halten wir Dozenten die Studenten dazu an, zusätzlich zum Computertraining regelmäßig Sport zu treiben. Das machen sie aber weitestgehend von sich aus, sie sind ja schließlich Sportstudenten.

Muss ein E-Gamer wie andere Sportler fit sein, um Erfolg haben zu können?

Der fitte E-Gamer ist auch der bessere E-Sportler. Wenn ein E-Sportler seine Konzentrations-, Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit trainiert, steigt auch die Leistung am Rechner oder an der Konsole.

Die Stimmen mehren sich, E-Sport solle olympisch werden. Wie stehen Sie dazu?

Video

Es ist gar nicht die Frage nach dem ob, sondern vielmehr wann E-Sport olympisch wird. Wir können uns davor nicht wegducken, weil es allein in Deutschland etwa 34 Millionen Gamer gibt. Vier bis sechs Millionen davon betreiben das sogar auf professionellem Niveau. Diese professionellen Spieler nehmen sowohl online als auch offline an Turnieren teil. Bislang können jedoch die wenigsten davon leben. Hier werden insbesondere in den Sportspielen noch nicht solche Beträge gezahlt, um auf eine parallele Karriere zu verzichten. Der gesellschaftliche Druck ist insgesamt aber sehr groß, dass diese neue Sportart angemessen anerkannt wird.

Obwohl der Hype um E-Sport groß ist, gibt es mit dem VfL Wolfsburg, dem FC Schalke 04 und dem VfB Stuttgart nur drei Fußball-Bundesligaklubs mit E-Sport-Abteilung. Warum?

Grundsätzlich ist natürlich die Frage, welche Strategie ein Klub damit verfolgt. Aktuell wird das Thema E-Sports in Profivereinen oft noch auf der Marketingschiene gefahren. Das muss sich in Zukunft ändern, wenn das Thema nachhaltig angegangen werden soll. Noch befinden wir uns in der Startphase. Doch es wird nicht mehr lange dauern, bis den Pionieren weitere Vereine folgen werden. Alle Bundesligaklubs befinden sich hierzu bereits in Gesprächen. Sie müssen sich dabei nur fragen, ob das zur Identität des Vereins passt und mit welchem Spiel sie in den E-Sport einsteigen.

Was kann der reale Fußball vom E-Sport lernen?

Schon in der nahen Zukunft wird der klassische Sport vom E-Sport profitieren. Wenn sich Virtual Reality (VR) in den E-Sport einbinden lässt, sind die Spieler mittels VR-Brillen noch näher dran am Spielgeschehen. Sie können dann Fehler auf dem normalen Fußballfeld noch besser verstehen, wie zum Beispiel das falsche Stellungsspiel eines Abwehrspielers. In der Folge können dann Schwächen im klassischen Sport mithilfe des E-Sports ausgebessert werden.

Demnach wäre der virtuelle Fußball dem realen Vorbild immer ein Stück voraus. Wie realistisch ist es, dass E-Football einmal genauso erfolgreich ist wie der reale Fußball?

Das ist aus heutiger Sicht schwer einzuschätzen. Aber die aktuelle Beliebtheitsskala deutet an, dass E-Sport ein großes ökonomisches Potenzial hat. Bereits jetzt betreiben Millionen Menschen auf der ganzen Welt E-Sports und die Anerkennung dafür wird immer größer. Mittlerweile überlegen nicht nur Sportvereine, in den E-Sport einzusteigen - sondern auch Krankenkassen, Banken und unterschiedliche Unternehmen aus der Technologiebranche.

Wie betrugssicher ist E-Sport?

Die Wettbewerbe sind ganz klar reglementiert. Bei den professionellen Turnieren spielen alle Gamer mit der gleichen Version. Die bringen die Spieler nicht selbst mit, sondern sind fest installiert. Außerdem wird regelmäßig kontrolliert, ob sich irgendwelche Cheater über den USB-Port oder die Maus einhacken.

Und wie sieht es mit Doping aus?

Die Anti-Dopingagenturen widmen sich diesem Thema bereits. Ein E-Sportler ist sogar mal überführt worden, konzentrationsfördernde Mittel eingenommen zu haben. Aber das ist ein Einzelfall und ereignete sich nicht bei FIFA oder PES, sondern bei einem Strategiespiel.

Was raten Sie E-Sportlern, um auf ganz legalem Wege Höchstleistungen zu bringen?

Noch befinden wir uns aus wissenschaftlicher Sicht vor einem ungesäten Feld. Doch nach unseren ersten Erkenntnissen können wir sagen, dass klassischer Sport erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und insbesondere auf die Konzentrationsfähigkeit hat. E-Sportler sollten deshalb weniger als bisher acht bis zehn Stunden am Tag spielen und die dabei gewonnene Zeit für klassisches Sporttraining nutzen. Sie müssen dabei ein Konzept haben, das Ernährung, Bewegung und Regeneration kombiniert. Damit werden sie leistungsfähiger.

Mit Christopher Grieben sprach Christoph Rieke.

Hier gelangen Sie zum n-tv Extra zum Thema E-Sport.

(Foto: Christoph Wolf / n-tv.de)

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen