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Die Palastwachen von Englands Königin Elizabeth II. erleben ganz sicher einen anstrengenden Arbeitstag.
Die Palastwachen von Englands Königin Elizabeth II. erleben ganz sicher einen anstrengenden Arbeitstag.(Foto: REUTERS)
Samstag, 25. Mai 2013

Schwarz-Gelbes Meer und Lederhosen: Deutsche Fans feiern, England bleibt kühl

London ist vor dem Champions-League-Finale in deutscher Hand. Bayern-Fans und BVB-Anhänger, von denen weit über 40.000 angereist sein sollen, verwandeln die City in eine Partymeile. Nur auf die englischen Gastgeber springt die Begeisterung noch nicht über.

Am Trafalgar Square dominierten die BVB-Fans.
Am Trafalgar Square dominierten die BVB-Fans.(Foto: dpa)

Ein Meer von Schwarz-Gelb und immer wieder Lederhosen: Vor dem deutschen Champions-League-Endspiel im Londoner Wembleystadion haben die Fans von Borussia Dortmund und Bayern München die Gastgeberstadt London fest im Griff. Schon am Freitag waren die ersten Partys auf dem Trafalgar Square und am Piccadilly Circus im Herzen der Themse-Metropole gestiegen.

Am Finaltag erkletterten Scharen von Fans den Brunnen am Piccadilly Circus und stimmten lautstark ihre Vereinsgesänge an. "Borussiaaaa..." tönte es über den Trafalgar Square und ein paar Straßen weiter erschallte der "Stern des Südens" aus einer Traube aus Rot-Weiß. Vor dem Big Ben auf der Westminster Bridge feierten Dortmunder und Münchner gemeinsam dem großen Spiel entgegen.

"40 Stunden nicht geschlafen"

Die Dortmunder Polizei rechnet damit, dass weit über 40.000 Borussia-Fans in der Stadt sind. "Viele davon sind mit Bussen über Nacht angereist", sagte der Dortmunder Polizei-Einsatzleiter Lorenz Schnadt, der mit sieben Kollegen die Londoner Polizei Scotland Yard unterstützt. Etwa 150.000 deutsche Fußball-Fans halten sich Behörden-Schätzungen zufolge in London auf, 100.000 davon ohne Eintrittskarte für das Spiel am Abend.

Egal wer den Pokal gewinnt - nach dem Finale wollen beide Fanlager gemeinsam feiern.
Egal wer den Pokal gewinnt - nach dem Finale wollen beide Fanlager gemeinsam feiern.(Foto: REUTERS)

Auch viele Bayern-Fans nahmen endlose Autofahrten auf sich, um in London dabei zu sein. "Ich habe 40 Stunden nicht geschlafen", sagt etwa André (44) aus Nordbayern. Der eingefleischte FCB-Fan war mit acht Gesinnungsgenossen mit dem Kleinbus nach London gekommen. Sein Kumpel Markus musste von München über Mallorca nach London fliegen, weil er auf die Schnelle keinen Direktflug mehr bekam. Die Rest-Tickets für das Finale wurden in London zum Preis von rund 1000 Pfund gehandelt.

Fan-Feste in deutschen Pubs

Am Nachmittag wollten die Fans von beiden Seiten sich in einem Park vor dem Wembleystadion versammeln, um dann gemeinsam zum Stadion zu spazieren. Für den Abend sind Fan-Feste in deutschen Pubs geplant - mit Weißwürsten, deutschem Schlager und viel Bier, gebraut nach dem "German Reinheitsgebot".

"Octoberfest", Bavarian Beerhouse" oder "Zeitgeist" waren komplett ausgebucht. "Wir haben Ausnahmezustand", hieß es etwa aus dem "Zeitgeist". Da London keine Möglichkeit zum "Public Viewing" bietet, mussten die Fans ohne Ticket fürs Endspiel dezentral in Pubs um Plätze kämpfen. Bereits am Freitagabend wurde ein Lokal vorzeitig von der Polizei geschlossen, weil Borussia-Fans zu laut waren.

Ansonsten verlief die deutsche Fußball-Party in London aber zunächst bis auf eine Rauferei von BVB-Anhängern nahe des Stadions friedlich. Erst kurz vor dem Anpfiff kam es zu ersten Ausschreitungen. Größere Fangruppen von Bayern München und Borussia Dortmund gingen direkt am Stadion nach beiderseitigen Provokationen aufeinander los, daraufhin musste die berittene Polizei einschreiten. Mehrere Personen wurden abgeführt.

England schaut kühl zu

Während die aus Deutschland angereisten Fans in Londons Innenstadt feierten, war von britischer Seite keine größere emotionale Begeisterung zu spüren. Sportliches Interesse und Achtung vor der Leistung des deutschen Fußballs ja - doch von Hype keine Spur. Im Fernsehen und in den Zeitungen gab es sportliche Betrachtungen, zum Teil auch ausführlich. Doch das rein deutsche Finale löste unter den Engländern selbst kein heißes Champions-League-Fieber aus.

"Ich schätze, die meisten Engländer werden Dortmund unterstützen, weil sie nicht die Favoriten sind", sagte ein 33 Jahre alter englischer Fußball-Fan, der das Spiel im Pub gucken wollte. "Wir Engländer halten gerne zum Underdog." Auch Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sei in England einfach sehr beliebt. Weil das Spiel im Fernsehen frei zugänglich lief, würden auch viele zu Hause schauen, meinte er.

Quelle: n-tv.de

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