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Gianni Infantino will künftig 40 statt 32 Mannschaften um den WM-Pokal spielen lassen.
Gianni Infantino will künftig 40 statt 32 Mannschaften um den WM-Pokal spielen lassen.(Foto: dpa)

Mammut-WM wird zur Machtprobe: Deutschland revoltiert gegen Fifa-Pläne

Von 32 auf 40 Teams soll die Fußball-Weltmeisterschaft wachsen, das ist das Versprechen des neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino. Nicht mit uns, heißt es dazu aus Deutschland. DFB und DFL lehnen das Mammut-Turnier strikt ab.

Große Pläne, noch größere Ablehnung: Nicht einmal eine Woche nach seiner Wahl zum Fifa-Präsidenten muss sich Gianni Infantino mit immer stärker werdendem Widerstand auseinandersetzen. Sein Plan, das Teilnehmerfeld der Fußball-Weltmeisterschaften von 32 auf 40 Mannschaften aufzustocken, mag dem Schweizer in Afrika und Asien Stimmen gebracht haben. Europa aber sagt "Nein!" zur Mammut-WM. Speziell in Deutschland fliegt dem neuen Fifa-Boss sein Wahlversprechen um die Ohren.

Scheitert Infantinos Plan einer Mammut-WM, wäre das für den Schweizer der erste Tiefschlag seiner Fifa-Präsidentschaft.
Scheitert Infantinos Plan einer Mammut-WM, wäre das für den Schweizer der erste Tiefschlag seiner Fifa-Präsidentschaft.(Foto: imago/Pius Koller)

"Da halte ich gar nichts von", sagte Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), während einer Podiumsdiskussion in Mainz: "Das sind immer Entscheidungen, die zu Lasten der Ligen gehen. Das ist nicht gut für die Fußballkultur in der ganzen Welt. Und man darf nicht vergessen, dass die WM mit den europäischen Ligen steht und fällt."

Reinhard Rauball, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), mahnte in der "Sport Bild": "Die Grenze ist erreicht, eine noch größere Belastung ist den Spielern nicht zumutbar." Der DFB werde "einer solchen Entscheidung nicht zustimmen". Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff meinte: "Das bläht alles noch weiter auf. Wie es jetzt ist, ist es gut." Ähnlich hatten sich in den vergangenen Tagen zahlreiche, teils einflussreiche Funktionäre geäußert. Die Europäische Klub-Vereinigung ECA mit Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze sogar nur Minuten nach Infantinos Wahlsieg am vergangenen Freitag.

Träumen und träumen lassen

Infantino, der als Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union (Uefa) zuvor schon die umstrittene Aufstockung der EURO von 16 auf 24 Mannschaften ab 2016 mit auf den Weg gebracht hatte, ist aber weiterhin felsenfest von seiner Idee überzeugt. Es würden nur 19 Prozent der Mitglieder des Weltverbandes teilnehmen, "das ist nicht zu viel", sagte der Schweizer: "Wir würden acht weiteren Ländern die Möglichkeit geben teilzunehmen, aber vielen weiteren die Chance, davon zu träumen."

Tatsächlich scheint die Rechnung auf den ersten Blick gar nicht so kompliziert: Acht Teams mehr könnten letztlich nur ein zusätzliches Gruppenspiel pro Team bedeuten, das Qualifikationsformat müsste sich nicht zwangsläufig ändern.

"Muss Luft zum Atmen bleiben"

Rauball ist nicht überzeugt, er warnt: "Die Organisation ist deutlich schwieriger - auch die Einbindung in den weltweiten Rahmenterminkalender. Aber vor allem: Sportlich wird die WM unattraktiver, die Turnierlänge wird von den Fans als ermüdend empfunden werden". Auch das "höhere Verletzungsrisiko für die Spieler" müsse man im Auge haben: "Und insgesamt bin ich der Meinung, die internationalen Verbände blockieren bereits genug Spieltermine. Den nationalen Ligen muss Luft zum Atmen bleiben."

Im Hinterkopf werden alle Beteiligten jedoch die letzte wegweisende Entscheidung des Weltverbandes haben: Im März 2015 segnete das Fifa-Exekutivkomitee die Verlegung der WM 2022 in Katar in die Wintermonate ab, das Turnier findet nun vom 21. November bis zum 18. Dezember 2022 statt. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen darüber gegeben - in Europa gab es zur "Winter-WM" vor allem einen Tenor: "Nein!"

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Quelle: n-tv.de

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