Sport

"Choreographie" des Betrugs: Die Tricks der Spieler

Es sind nicht zwangsläufig Eigentore oder ein verursachter Elfmeter, im Gegenteil: Bei "gekauften" Spielen gibt es weniger davon und weniger rote Karten, erklärt Enthüllungsautor Declan Hill.

Weniger rote Karten: Bei manipulierten Spielen ist die Leidenschaft geringer.
Weniger rote Karten: Bei manipulierten Spielen ist die Leidenschaft geringer.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der neue Fußball-Wettskandal löst bei einem Mann im fernen Eishockey-Land Kanada Freude aus. "Das sind ja tolle Nachrichten", schreibt der Enthüllungsautor Declan Hill in seinem Blog. Der Kanadier freut sich, dass es "endlich eine korrekte Ermittlung mit guten Quellen" über Korruption im europäischen Fußball gibt. Sein Buch "Sichere Siege", das die Welt der verschobenen Spiele und der asiatischen Wettmafia beleuchtet, habe die Untersuchungen des Europa-Verbandes UEFA mit in Gang gesetzt, ist Hill überzeugt. "Ich bin ja nach Genf gerufen worden, um mit Funktionären (der UEFA) über die Strukturen der (Mafia-) Organisation zu sprechen", sagt er.

Hill fordert "harte Strafen" für die Schuldigen, damit Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären das Signal gegeben werde, dass man Betrug nicht mehr tolerieren werde. Die neue Affäre dürfe nicht wie frühere Skandale zu Ende gehen. Man habe bisher immer einem einzigen Bösewicht die Schuld in die Schuhe geschoben, anstatt die "korrupten Strukturen im (Fußball-)Spiel zu entwurzeln".

Unterlassung als Schlüssel

Hill ruft Journalisten und auch Fans auf, die Untersuchungen wachsam zu verfolgen. "Es gab eine Reihe von anderen Ermittlungen zu verschobenen Spielen, die mit viel Publicity, starken Aufrufen zur größeren Säuberung und zahlreichen Festnahmen begonnen haben" und mit einem einzigen Sündenbock zu Ende gegangen seien. Hill nennt die Affären Pinto da Costa in Portugal, Hoyzer in Deutschland und Tapie in Frankreich.

Im Interview erzählt Hill, welche Tricks Spieler anwenden, wenn sie ein Ergebnis auf dem Rasen manipulieren wollen. Entgegen der weit verbreiteten Ansicht müsse man nicht Eigentore schießen oder das eigene Team durch einen verursachten Elfmeter benachteiligen. "Der Schlüssel ist die Unterlassung", sagt Hill, der in den vergangenen Jahren hunderte der Manipulation verdächtige Spiele unter die Lupe genommen hat. Er habe mindestens 137 gefunden, bei denen "klar ist, dass das Ergebnis manipuliert wurde".

Die lautesten Spieler sind die gefährlichsten

Fans müssten bei dem Verdacht von Manipulation vor allem auf die "lauten Spieler" achten, sagt Hill. "Diejenigen, die am meisten schreien, die immer 'Los, los!' rufen, das sind die gefährlichsten, weil sie Spiele subtil manipulieren." Ein "gekaufter" Torwart, sagt Hill, positioniere sich schlecht, Verteidiger agierten weniger solidarisch, "Mittelfeldspieler spielen riskante Pässe oder oft nach hinten", weiß der Kanadier, der so etwas die "Choreographie" der Manipulation getauft hat.

Bei "gekauften" Spielen gibt es laut Hill, weniger Elfmeter, weniger Eigentore und weniger rote Karten. "Wenn Spieler ein Ergebnis manipulieren, gibt es weniger Platzverweise. Die Leidenschaft ist geringer", sagt er. Es gebe andere Indizien und Eigenschaften verschobener Spiele: "In sauberen Spielen fallen in den letzten 15 Minuten mehr Tore. Bei den schmutzigen sinkt die Trefferquote in diesem Zeitbereich."

Viele Tore fallen nach den Erkenntnissen des Kanadiers in manipulierten Spielen zu Beginn der 1. Halbzeit oder in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit, "kurz nachdem die Spieler den Trainer gesehen haben". Mit einem Lächeln erwähnt Hill das 1:0 Deutschlands über Österreich bei der Weltmeisterschaft 1982, mit dem beiden Mannschaften zulasten Algeriens der Einzug in Runde zwei gelang. "Das Tor fiel damals in der 10. Minute", erinnert sich Hill an den "Nichtangriffspakt von Gijon".

Quelle: n-tv.de

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