Sport
Der kleine Schweizer gehört zweifellos zu den positiven Überraschungen der Hinrunde: Xherdan Shaqiri.
Der kleine Schweizer gehört zweifellos zu den positiven Überraschungen der Hinrunde: Xherdan Shaqiri.(Foto: AP)

Schulze aus Guinea, Problem-Ösi, BVB-Fan: Die elf Durchstarter der Saison

Von Christian Rothenberg und Stefan Giannakoulis

Der eine schläft als Kind in BVB-Bettwäsche, spielt aber für Frankfurt. Der andere heißt so wie alle in seiner Heimat heißen. Ein Dritter wirbelt trotz Übergewicht. Und sie sorgen in der Fußball-Bundesliga für Furore.

Was macht Joachim Löw in der Winterpause? Wissen wir auch nicht, aber vielleicht denkt der Bundestrainer ja darüber nach, wer demnächst für den verletzten Holger Badstuber in der Innenverteidigung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft spielt. Wir hätten da einen, spielt in Leverkusen - und das exzellent. Wie uns überhaupt in der Hinrunde der Bundesliga so einige junge Spieler aufgefallen sind, die Großes versprechen. Aber Vorsicht, Herr Löw! Nicht wenige von ihnen kommen aus Österreich und der Schweiz. Aber wahrscheinlich weiß er das längst. Die elf größten Durchstarter der Saison:

Der aus Gerrys Kaderschmiede

Da lacht er: Trapps Kevin.
Da lacht er: Trapps Kevin.(Foto: dapd)

Auf Gerald Ehrmann ist Verlass. Der frühere Profi des 1. FC Kaiserslautern gehört zu den besten Torwart-Ausbildern der Bundesliga: Roman Weidenfeller und Tim Wiese stammen aus seiner Schmiede - und Kevin Trapp. Nach durchschnittlichem Liga-Einstand beim 1. FC Kaiserslautern meldete sich das jüngste Ehrmann-Gewächs in dieser Saison eindrucksvoll zurück. Die Kollegen des Fachmagazins "Kicker" beehrten Trapp mit dem zweitbesten Notenschnitt aller Bundesligaspieler, eine 2,2 steht dort zu Buche. Auch dank seiner Paraden steht Aufsteiger Eintracht Frankfurt zur Winterpause auf Rang vier.

Das Juwel aus dem Saarland

Augen zu und durch: Philipp Wollscheid.
Augen zu und durch: Philipp Wollscheid.(Foto: picture alliance / dpa)

Philipp Wollscheid galt schon als Juwel, als er seine erste Bundesliga-Saison beim 1. FC Nürnberg unter seinem Entdecker Dieter Hecking spielte. Zwei Jahre später wechselte der Innenverteidiger im Sommer für über fünf Millionen Euro nach Leverkusen - und übertrifft sofort alle Erwartungen. Auf Anhieb verdrängte Wollscheid, der beim SV Morscholz im Saarland das Fußballspielen lernte und ein ausgesprochener Spätstarter ist, sogar Ex-Nationalspieler Manuel Friedrich. In der ganzen Hinrunde verpasste er nur ein Spiel. Und weil Münchens Holger Badstuber vermutlich sehr lange ausfällt, könnte einer der modernsten Abwehrspieler der Liga auch schon bald bei Bundestrainer Joachim Löw eine Rolle spielen.

Der Jüngere mit dem starken Willen

Vier Tore, vier Vorlagen: Daniel Caligiuri.
Vier Tore, vier Vorlagen: Daniel Caligiuri.(Foto: picture alliance / dpa)

Es gibt zwei Caligiuris in der Bundesliga. Ohne Marco aus Mainz zu nahe treten zu wollen: Dieser Text ist seinem jüngeren Bruder gewidmet. Daniel Caligiuri ist eines der Gesichter der jüngsten Freiburger Erfolgsgeschichte, die eben auch auf einer äußerst soliden Defensive ruht. Schließlich hat der Sportclub nach dem FC Bayern München die wenigsten Gegentore der Liga kassiert, 18 nämlich. Am sechsten Platz zur Winterpause hat der defensiv wie offensiv einsetzbare Außenspieler großen Anteil: vier Tore, vier Vorlagen. Gefragt nach seinem Erfolgsrezept sagte er: "Man braucht den absoluten Willen." Auch Daniel Caligiuri hat übrigens einen deutschen Pass.

Der Zweikämpfer mit Sturmdrang

Hier jubelt der Aushilfsstürmer: Timm Klose.
Hier jubelt der Aushilfsstürmer: Timm Klose.(Foto: picture alliance / dpa)

Der 1. FC Nürnberg muss wohl bis zum Ende der Saison um den Klassenerhalt kämpfen. Der Grund ist schnell gefunden: Die Clubberer trafen bislang erst 17 Mal das Tor. Dafür haben die Franken immerhin die sechstbeste Abwehr der Liga. Irgendwo müssen die Punkte ja herkommen. Einer ragt hier heraus: Timm Klose. Der Schweizer, der bisher keine eizige Spielminute der Saison verpasst hat, ist einer der besten Zweikämpfer der Bundesliga. Von seinen 300 Duellen gewann er beeindruckende 69 Prozent. Und wenn Not am Mann ist, hilft er auch gerne als Stürmer aus. Ein Tor ist ihm in dieser Hinrunde dann auch gelungen.

Der Erfolgsgarant mit Ambitionen

Scheinbar unbeeindruckt: Sebastian Jung.
Scheinbar unbeeindruckt: Sebastian Jung.(Foto: dpa)

Die starke Hinrunde der Eintracht findet auch Eingang in die Überraschungs-Elf der Hinrunde. Sebastian Jung ist einer der Garanten des Frankfurter Erfolgs. Scheinbar unbeeindruckt gelang ihm der Sprung von der zweiten in die erste deutsche Spielklasse. Für viele gehört der Außenverteidiger längst in den Kader der Nationalmannschaft. Während Fußball-Deutschland nach Alternativen auf der defensiven Außenbahn fahndet, liefert Jung Woche für Woche starke Leistungen ab. Der Bundestrainer sollte allmählich Wind davon bekommen haben.

Der Wirbelwind mit Übergewicht

Wirbelwind aus der Schweiz: Xherdan Shaqiri.
Wirbelwind aus der Schweiz: Xherdan Shaqiri.(Foto: dpa)

Danijel Pranjic, Alexander Baumjohann, Jan Schlaudraff - eines lässt sich nach 17 Spieltagen schon sagen: Xherdan Shaqiri wird sich nicht in die Reihe der vielen Talente einreihen, die beim FC Bayern gescheitert sind. Der kleine Schweizer gehört zweifellos zu den positiven Überraschungen der Hinrunde. Trotz der Überbesetzung im Münchener Mittelfeld hat sich Shaqiri festgespielt, brachte es bereits auf 12 Einsätze. Der 21-Jährige Wirbelwind besticht durch eine für sein Alter erstaunlich disziplinierte und mannschaftsdienliche Spielweise. Dafür verzeihen wir auch das leichte Übergewicht!

Der Mann, der offensiv alles kann

Sinnbild für den Freiburger Erfolg: Max Kruse.
Sinnbild für den Freiburger Erfolg: Max Kruse.(Foto: picture alliance / dpa)

Freiburgs Mittelfeldspieler kam im Sommer vom FC St. Pauli und ist mit vier Toren und fünf Vorlagen der Topscorer seiner Mannschaft, die just das beste Jahr der Vereinsgeschichte beendet hat. Der Mann kann offensiv so ziemlich alles, deshalb setzt ihn sein Trainer Christian Streich auch gerne als Stürmer ein. Ein Thema, mit dem sich auch der Bundestrainer beschäftigt. Ansonsten steht Max Kruse sinnbildlich für den Freiburger Erfolg: Intelligent, lauffreudig, mannschaftsdienlich. Und was sagt der Spieler? "Ich würde sagen, dass der SC Freiburg und Max Kruse ganz gut zusammenpassen."

Der Frankfurter in BVB-Bettwäsche

Für Abräum- wie Aufbauarbeiten zuständig: Sebastian Rode.
Für Abräum- wie Aufbauarbeiten zuständig: Sebastian Rode.(Foto: picture alliance / dpa)

Ja, schon wieder ein junger Frankfurter. Aber irgendjemand muss ja für den guten Fußball verantwortlich sein, den der Aufsteiger in der Hinrunde gespielt hat. Zum Beispiel Sebastian Rode, seines Zeichens defensiver Mittelfeldspieler der Eintracht und auf der Sechserposition vor der Abwehr gleichermaßen für Abräum- wie Aufbauarbeiten zuständig. Angeblich ist der deutsche Meister aus Dortmund an dem 22-Jährigen interessiert. Das würde passen. "Ich habe als Kind natürlich in BVB-Bettwäsche geschlafen. Ich habe alle BVB-Spiele vor dem Fernseher verfolgt. Ich hatte die Trikots von Andy Möller, Matthias Sammer und Tomas Rosicky, meinem Vorbild." Zum Glück hat er noch betont, dass sein Herz nun natürlich für die Frankfurter schlägt. Und selbstbewusst ist er auch: "Wir können richtig gut mithalten in der Liga. Alles ist möglich. Außer den Bayern, die da vorne weg stolzieren, ist jeder schlagbar." Auch die deutsche Nationalmannschaft und Sebastian Rode würden gut zusammenpassen.

Der Müllermeierschulze aus Guinea

"Das ist Scheiße": Ibrahima Traoré.
"Das ist Scheiße": Ibrahima Traoré.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Stuttgarter ist sozusagen der Müller oder Meier Guineas. Der Name Traoré ist in seiner Heimat kein Alleinstellungsmerkmal. In seinem zweiten Jahr beim VfB Stuttgart hat sich der Flügelflitzer, der auch einen französischen Pass besitzt, aber auf der linken Außenbahn aus der Masse herausgespielt. Nicht nur Manager Fredi Bobic hält große Stücke auf ihn, weil er kreativ, dribbelfreudig und bisweilen eher unorthodox spielend auf bisher fünf Torvorlagen kommt. Allerdings: "Der Ibo muss sicherlich noch an seiner Effektivität arbeiten." Hier spricht der Ex-Stürmer. Sein einziges Saisontor hat Ibrahima Traoré gegen den FC Augsburg erzielt - seinen Ex-Klub. "Das ist das Problem, ich schieße nicht so viele Tore. Und wenn ich eins schieße, kann ich nicht jubeln. Das ist Scheiße."

Der demütige Liebling des Trainers

Trainers Liebling: Adam Szalai und Thomas Tuchel.
Trainers Liebling: Adam Szalai und Thomas Tuchel.(Foto: dapd)

Richtig eindeutig scheint die Lage in Ungarn nicht zu sein. Während die Verbandsfunktionäre Torhüter Ádám Bogdán von Bolton Wanderes für den Besten des Landes halten, kürten die Journalisten den Mainzer Adam Szalai zum Fußballer des Jahres. Wir vertrauen da ganz unseren Kollegen. Schließlich hat der 193 Zentimeter große Angreifer in der Hinrunde neun Mal den Ball ins Tor des Gegners gewuchtet. Und ist einer der effizientesten Stürmer der Liga. Grund genug für seinen Trainer Thomas Tuchel zu einer Lobeshymne anzusetzen. "Ich und jeder im Klub gönnen Adam die Tore ganz besonders, weil er bescheiden in vorderster Reihe spielt und mit Demut und Bescheidenheit seine Aufgaben für die Mannschaft erledigt."

Der gewandelte Problem-Ösi

Ruhiger und besonnener? Marko Arnautovic.
Ruhiger und besonnener? Marko Arnautovic.(Foto: picture alliance / dpa)

Apropos Joachim Löw. Im Länderspiel gegen die DFB-Elf im September in Wien verpasste Marko Arnautovic die große Chance zum Ausgleich - und entschuldigte sich hinterher zerknirscht gleich beim ganzen Land. Ansonsten ist Werder Bremens ehemaliger Problem-Ösi, der kaum eine Party und kaum ein Fettnäpfchen ausließ, auf guten Weg, sein Image grundlegend zu ändern. "Das, was war, war. Gott sei Dank habe ich das hinter mir." Seit viereinhalb Monaten Vater einer Tochter, gibt er sich ruhiger und besonnener, vielleicht ist er es auch. Die hanseatische Erziehungsanstalt unter Trainer Thomas Schaaf zeigt Wirkung. Nicht nur, weil dem Angreifer, der gerne mal auf den rechten Flügel ausweicht, in der Hinrunde der Bundesliga fünfmal das gelang, was im Praterstadion nicht hatte sein sollen.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen