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Läuft bei ihnen: André Schürrle und Julian Draxler.
Läuft bei ihnen: André Schürrle und Julian Draxler.(Foto: imago/foto2press)

Wolfsburger Königsklassenglück: Draxler beißt, Schürrle will Chelsea

Der Edel-Techniker entdeckt den Kämpfer in sich: Julian Draxler beißt auf die Zähne und führt den VfL Wolfsburg gemeinsam mit seinem Nationalmannschaftskollegen André Schürrle erstmals in die Runde der besten acht Fußballmannschaften des Kontinents.

Erst schluckte Julian Draxler eine Schmerztablette, dann bereitete er das Tor vor. Und so kam es, dass der deutsche Nationalspieler am Dienstagabend in einem im Grunde langweiligen Spiel den VfL Wolfsburg zum 1:0 (0:0)-Sieg gegen KAA Gent und mithin zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Viertelfinale der Champions League geführt hat. Auch den Torschützen André Schürrle feierten die Fans im Stadion am Mittellandkanal. Will meinen: Die beiden Millionen-Transfers zünden so langsam.

"Das ist genau der Weg, den Julian gehen muss. Einfach kann jeder", sagte Trainer Dieter Hecking über seinen Edeltechniker, den er auf die nächste Stufe führen will. "Wenn du ein Top-Spieler werden willst, musst du diese Schwierigkeiten annehmen. Und das hat Julian heute gezeigt." Draxler war angeschlagen ins Spiel gegangen, bekam Mitte der ersten Halbzeit noch einen Pferdekuss auf die schmerzhafte Stelle. Nach 40 Minuten lief der Ex-Schalker zur Seitenlinie, schmiss eine Tablette ein. "Ich lief auf der letzten Rille, wollte aber unbedingt noch mit einer Aktion das Spiel entscheiden." Was dann auch klappte. In der 74. Minute setzte sich der 16-malige Nationalspieler auf der rechte Seite durch, bediente Schürrle - 1:0. Vier Minuten später durfte er unter Applaus raus. "Das macht Julian überragend, zum Großteil gehört ihm der Treffer. Mir fällt der Ball vor die Füße", sagte Schürrle.

"Es gibt keinen Grund zur Sorge"

Beifall brandete auch auf, als er eine Minute vor dem Abpfiff ausgewechselt wurde. "Wenn in so einem Spiel ein Tor herausspringt, zeigt das nur, dass ich wieder da bin." Für das Viertelfinale hat er einen Wunsch: "Chelsea wäre geil. Den Verein liebe ich immer noch", sagte Schürrle, der von 2013 bis 2015 für die Blues spielte. Auch Hecking lobte Schürrle, der bereits eine Woche zuvor beim 4:0 gegen Hannover dreimal traf und allmählich das Sorgenkind-Image ablegt. "Er stand berechtigt in der Kritik, aber wichtig ist, dass er an sich geglaubt hat. Viele wären an der Kritik zerbrochen."

Jeder in Wolfsburg wartet nun auf den Knaller-Gegner im Viertelfinale, und viele rechnen mit dem Aus - Hecking allerdings nicht. "Ich habe schon mehrfach gehört, jetzt kommen die Großen, und das wird es dann sein. Aber du hast im Fußball immer eine Chance, und die werden wir im Viertelfinale nutzen." Vielmehr sei es so: "Jetzt geht es richtig los. Und wir sind dabei." Einen Wunschgegner fürs Viertelfinale hat Hecking nicht. Allerdings habe mit Bayerns Trainer Josep Guardiola schon über ein mögliches deutsches Duell gesprochen habe. "Aber dann im Finale, hat Pep zu mir gesagt. Er traut uns viel zu." Manager Klaus Allofs sagte mit Blick auf die Runde der letzten Acht: "Die Bayern müssen es nicht sein."

Wenig anmerken ließ man sich beim VfL Wolfsburg von der anhaltenden Krise beim Eigner VW durch den Abgas-Skandal. Wie wenige Stunden vor dem Anpfiff auf einer turbulenten Hauptversammlung des Autobauers bekannt wurde, sollen Verträge von 1000 Leiharbeiter nicht verlängert werden. Als dann noch das Aus für die Sponsoring-Verträge mit Schalke 04 und 1860 München vermeldet wurde, sahen viele darin schon die Vorboten einer harten Sparwelle, die auch den VfL treffen könnte. "Es ist doch ganz normal, dass ein Konzern seine Engagements überprüft. Die Verträge mit Schalke und 1860 laufen aus", sagte Allofs zum Ende des Sponsorings und bemühte sich um eine Beruhigung der Lage. "Das wird aber keine tiefgreifenden Auswirkungen auf den VfL haben. Es gibt keinen Grund zur Sorge, zumal Volkswagen Fortschritte bei der Aufarbeitung macht."

Quelle: n-tv.de

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