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Könnte ungemütlich werden für Julian Draxler auf Schalke.
Könnte ungemütlich werden für Julian Draxler auf Schalke.(Foto: imago/Eibner)

So läuft der 20. Spieltag: Draxler fürchtet den Schalker Volkszorn

Von Tobias Nordmann

Julian Draxler spürt zu großen Druck auf Schalke. Er flüchtet nach Wolfsburg und kehrt jetzt mit großer Angst zurück. Der FC Bayern setzt mitten in der Verletztenmisere auf Sammers Grätschqualitäten und der HSV? Ach, der HSV …

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Es gibt ja ein paar Menschen, die sich fragen, was Matthias Sammer eigentlich genau beim FC Bayern München macht. Die einfachste Antwort auf diese Frage lautet: Er ist der Sportvorstand des deutschen Rekordmeisters. Klingt doch erst einmal gut. Nach viel Arbeit und viel Verantwortung. Doch hakt ein Fragender mal nach und will wissen, wie genau denn so ein Arbeitstag des Europameisters aussieht, dann stoßen auch wir Sport-Journalisten an unsere Grenzen. Nun, ja, ähm, puh … Gut also, dass Sammer in schöner Regelmäßigkeit praktische Beispiele seines Einsatzgebietes abliefert. Das lässt sich dann kurz und prägnant auf folgenden kurzen Nenner bringen: Mahnen und motzen. Und diese Woche war der Frust-Kessel des 48-Jährigen mal wieder so vollgelaufen, dass er dringend Druck ablassen musste.

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Die Berichte über den trinkfreudigen Vidal? Alles Lüge. Die Meldungen über Unstimmigkeiten zwischen Spielern und Trainern? Nicht korrekt! Behauptungen, dass Guardiola seine Gedanken schon mehr bei Manchester hat als bei den Bayern? Tinnef! Und der anstehende Spieltag? Dafür war in der verbalen Wutgrätsche beim besten Willen kein Platz. Verstehen wir natürlich. Holen wir aber gerne nach. Die Bayern kicken am Samstag bei Bayer Leverkusen. Gerne würden sie im Topspiel der 20. Runde "Nicht-Panikkauf" Serdar Tasci präsentieren. Der aber macht dabei nicht mit, haut sich im Training die Rübe an und hat danach ordentlich Hirnwippen. Einsatz? Zumindest fraglich. Dabei wäre es für den Spitzenreiter durchaus nervenberuhigend, wenn an der Seite von Holger Badstuber ein zweiter gelernter Innenverteidiger auflaufen und sich Bayers torhungriger Erbse Chicharito annehmen würde.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Achja, man möchte sich nicht beklagen. Schließlich hat man ja derzeit den Papst in der Tasche. Drei klare Fehlentscheidungen des Schiedsrichters am vergangenen Spieltag lässig ausgenutzt, Ingolstadt mit 2:0 in die Knie gezwungen und sich weiter als einsamste Mannschaft der Liga etabliert. Läuft also. Jetzt geht's zum Gastspiel in die Hauptstadt. Darauf freut sich vermutlich ein Mann ganz besonders: Adrian Ramos. Denn anders als beim BVB hatte der Kolumbianer in Berlin eine famose Zeit.

Konnte gegen Ingolstadt kaum Eigenwerbung betreiben: BVB-Angreifer Adrian Ramos vor seiner Rückkehr nach Berlin.
Konnte gegen Ingolstadt kaum Eigenwerbung betreiben: BVB-Angreifer Adrian Ramos vor seiner Rückkehr nach Berlin.(Foto: AP)

In Dortmund dagegen dümpelt der 30-Jährige so vor sich hin - durfte erst 182 Minuten an dieser Spieltzeit teilnehmen, hat diese aber durchaus sinnvoll genutzt und schon vier Scorerpunkte gesammelt (zwei Tore, zwei Vorlagen). Gegen Ingolstadt durfte er dann erstmals auch von Beginn an spielen, tat das aber eher unfällig. Die erneute Rückkehr ins Olympiastadion droht angesichts dessen zu einem kühlen Besinnungsnachmittag auf der Bank zu werden. Und richtig blöd: Auch in Berlin werden sie kaum wehmütig sein. Denn auch ohne Ramos, der die Hertha im Sommer 2014 verließ, blüht der Klub weiter richtig auf, spielt so gut und so erfolgreich wie seit Jahren nicht. Und hat in der Offensive mit Salomon Kalou und Vedad Ibisevic zwei Spieler, die für reichlich Tore sorgen, bisher schon 16. Könnte also ein erneut trüber Tag für den kolumbianischen Kicker im schwarz-gelben Dress werden.

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Der "Riese in der Krise" - so schreibt es der "Kicker" - und ein Weltmeister mit voller Buchse. Könnte besser laufen für den VfL Wolfsburg vor dem Gastspiel beim FC Schalke 04. Der Autoklub hat sich vom Krisenvirus des mütterlichen Konzerns anstecken lassen. Seit sechs Spieltagen wartet die Elf von Dieter Hecking nun schon auf einen Dreier. Jetzt geht es ausgerechnet nach Schalke. Auch so ein Klub, der sich ständig an den eigenen Ansprüchen verhebt. Zwar hat der 2:0-Erfolg in Darmstadt die akute Krisenblutung gestoppt, aber von Tiefenentspannung ist man im Pott etwa so weit entfernt wie der FC Bayern von der Abstiegszone.

Banger Blick Richtung Schalke: Julian Draxler kehrt mit gemischten Gefühlen in die alte Heimat zurück.
Banger Blick Richtung Schalke: Julian Draxler kehrt mit gemischten Gefühlen in die alte Heimat zurück.(Foto: imago/foto2press)

Und schon droht neuer Stress für die fragilen Blutdruckwerte der königsblauen Fans. Der derzeit leicht kränkelnde Julian Draxler - ein Schelm, wer ... - kommt erstmals wieder nach Hause. Ausgerechnet Draxler, der doch eigentlich Held einer neuen S04-Generation werden sollte, damit aber nicht klar kam und bei den "Wölfen" anheuerte. Er bereitet sich "auf das Schlimmste vor". Nachvollziehbar. Denn der Umgang mit verlorenen Söhnen wird in der Bundesliga häufiger mal lautstark und aggressiv gepflegt. Fragen Sie mal den Münchner Ex-Dortmunder Mario Götze! Nun, der Schalker schreit an dieser Stelle auf. Mit dem BVB verglichen zu werden - was nimmt sich n-tv.de denn da raus? Gemach, gemach, ihr Knappen! Denn auch in Gelsenkirchen findet sich ein gutes Beispiel, sehen Sie selbst:

Brisanz oder Langeweile?

Lange, ganz schön lange hat Max Eberl gewartet. Interimstrainer André Schubert eilte mit den "Fohlen" von Sieg zu Sieg. Und während sich ganz Fußball-Deutschland darüber wunderte, warum der Manager von Mönchengladbach dem Übergangs-Übungsleiter keinen unterschriftsreifen Vertrag als Nicht-Mehr-Übergangs-Übungsleiter anbieten wollte, schwieg Eberl und verwies auf den Faktor Zeit. Der spielte immer mehr für Schubert und schließlich gab's die ersehnte Belohnung in Form eines Arbeitspapiers als Hauptverantwortlicher für die sportlichen Leistungen des Lizenzspielkaders. Das war am 13. November 2015, nach dem 12. Spieltag. Mit 19 von 21 Punkten katapultierte sich die Borussia um 13 Plätze nach oben.

Sieben Spieltage später steht der Klub bei 29 Punkten, hat den Rückrundenauftakt mit zwei Niederlagen verbockt. Wieder alles kacke also? Nee! Denn in der "Schubert-Tabelle", so haben die Kollegen der "Bild"-Zeitung ausgerechnet, liegt die Fohlen-Elf immer noch auf Rang zwei, hinter den Bayern. Nun geht's zum Auftakt des 20. Spieltags gegen Werder Bremen. Die sind zwar gerade im Aufwind, was vor allem am Schokoladen-Verzicht von Alt-Altmeister Claudio Pizarro und den defensiven Qualitäten von Neuzugang El Hadji Papy Mison Djilobodji - der heißt wirklich so - liegt. In der "Schubert-Rangliste" ist der Weser-Klub aber trotzdem noch Letzter, ein Sieg der Fohlen also durchaus möglich. Wie er gelingen soll? Mit dem "Ketchup-Effekt": Bitte was? Mittelfeldmann Havard Nordveit klärt auf: "Wenn es einmal flutscht, läuft es wie von selbst." Aha.

Wie dusselig ist eigentlich der HSV? Auch so eine Frage, die uns diese Woche bewegt hat, schon bevor sich Ivo Ilicevic und Michael Gregoritsch mit Kopfnüssen beglückten und bei überharten Zweikämpfen selbst verletzten. Hinzu kam beim selbst ernannten Sanierungsfall das Theater um den verbaselten Transfer des Berner Wunschspielers Sekou Sanogo. Das alles ist vor allem ärgerlich für Bruno Labbadia, der nun weitere Baustellen im defensiven Mittelfeld und der Offensive hat. Wie er diese gegen die närrischen beseelten Kölner sinnvoll bearbeitet? Die Antwort gibt's am Sonntag um 17.30 Uhr.

Ein Spiel fehlt noch in dieser Kategorie: Der FC Ingolstadt empfängt den FC Augsburg. Ob das bayrische Duell nun eher Brisanz oder Langeweile verspricht? Mit dieser Einschätzung lassen wir sie an dieser Stelle mal alleine ...

Für welchen Trainer wird's eng?

Je länger eine Saison dauert, desto größer wird das Gedränge in dieser Kategorie. Diese Woche nominiert:
Kandidat eins: Thomas Schaaf (Hannover 96, Gegner: FSV Mainz 05). Er sieht eine Entwicklung in seiner Mannschaft, steht aber vor dem Problem, dass seine Spieler nicht wissen, was man eigentlich mit so einem Ball anstellt.
Kandidat zwei: Huub Stevens (1899 Hoffenheim, Gegner: SV Darmstadt 98). Er ist trotz Niederlage in München ganz zufrieden. Zwar wissen seine Spieler, was sie mit dem Ball anfangen können. Das Problem: Sie wissen mit diesem Wissen nichts anzufangen.
Kandidat drei: Armin Veh (Eintracht Frankfurt, Gegner: VfB Stuttgart): Auch er ist mit der spielerischen Entwicklung zufrieden. Sein Problem: Seine Spieler wissen was sie mit dem Ball anfangen sollen (Vorteil gegenüber Hannover). Sie machen auch was aus dem Ballbesitz (Vorteil gegenüber Hoffenheim), aber sie treffen das Tor zu selten (Nachteil gegenüber dem Rest der Liga). Dennoch sind alle drei überzeugt: Wir schaffen das! Das allerdings haben auch schon ganz andere behauptet...

Wer spielt das beste Phrasenschach?

 "Das ist schöne Aggressivität. Ich wäre froh, wenn wir die am Sonntag auch hätten." HSV-Torhüter René Adler über die Kopfnuss, die Mittelfeldspieler Ivo Ilicevic seinem österreichischen Teamkollegen Michael Gregoritsch im Training verpasste.

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Quelle: n-tv.de

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