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Oha, Herr Effenberg!
Oha, Herr Effenberg!(Foto: imago/Eibner)

Fortbildungen verpennt: Effenberg besitzt keine gültige Trainerlizenz

Das kann Stefan Effenberg jetzt so richtig gut gebrauchen: Mitten im Abstiegskampf wird bekannt, dass der Trainer des Zweitligisten Paderborn keine gültige Trainerlizenz besitzt. Der Verein verspricht nachzuarbeiten, derweil "Effe" sich an anderer Front wehrt.

Stefan Effenberg hat eine vorgeschriebene Fortbildung zur Verlängerung seiner Trainerlizenz im vergangenen Herbst 2015 nicht besucht. Der Trainer des Fußball-Zweitligisten SC Paderborn nahm den Termin nicht wahr, weil er Mitte Oktober sein Amt als Chefcoach beim abstiegsbedrohten Klub aus Ostwestfalen angetreten hatte. Ob es nachträglich noch Konsequenzen für den ehemaligen Nationalspieler gibt, ist aktuell nicht bekannt.

Ralf Rangnick hat sich abfällig über Effenbergs Taktik geäußert - der Konter ließ nicht lange auf sich warten.
Ralf Rangnick hat sich abfällig über Effenbergs Taktik geäußert - der Konter ließ nicht lange auf sich warten.(Foto: dpa)

"Wir hatten eine vergleichsweise prekäre Situation. Es ist logisch, dass er sich da voll und ganz in die Aufgabe reingekniet hat und keine Zeit für die Fortbildung hatte", sagte Vereinssprecher Matthias Hack und bestätigte damit einen Bericht der "Sport Bild". Der 47-Jährige werde die Fortbildung aber nachholen. "Wir haben uns mit dem DFB und der DFL abgestimmt, dass er im März drei entsprechende Veranstaltungen besuchen wird", sagte Hack.

Kritik an Effenbergs Versäumnis

Effenberg hatte im März 2012 die Fußballlehrerlizenz erworben. Laut Ausbildungsordnung des DFB verlangt der Verband von seinen Trainern auf höchstem Niveau, dass sie innerhalb von drei Jahren 20 Lerneinheiten an Fortbildungen nachweisen müssen - demnach hätte Effenberg also eigentlich bereits vor seinem Engagement in Paderborn ausreichend Zeit für die Fortbildungen gehabt. Lutz Hangartner, der Präsident des Bundes Deutscher Fußballlehrer sagte der "Sport Bild": "Ich bin der Meinung, dass die Trainer nur arbeiten sollten, wenn sie auch eine gültige Lizenz haben. Es gibt genug Möglichkeiten, die 20 Stunden zu absolvieren."

Bereits am Wochenende war Effenberg in die Schlagzeilen geraten, allerdings eher unfreiwillig. Nach dem mühsam erarbeiteten 1:0 bei "Effes" Paderbornern hatte RB-Leipzig-Coach Ralf Rangnick kräftig über den ehemalige Nationalspieler gelästert. Er warf seinem Trainerkollegen eine Taktik "wie vor 30 Jahren" vor. "Es war wirklich Manndeckung angesagt, wie ich es in der Form noch nie erlebt habe", unkte Rangnick im MDR. "Wenn ich dann teilweise höre, welche Diskussionen da geführt werden, von sogenannten Experten über Laptop-Trainer oder Konzepttrainer, dann muss ich sagen: Okay, das ist legitim, alles in Ordnung, ich hab das zum letzten Mal vor 30 Jahren erlebt, dass eine Mannschaft so spielt wie Paderborn gegen uns."

Manndeckung bis aufs Klo?

Der Höhepunkt sei für ihn gewesen, wie sich der Paderborner Defensivspieler Mirnes Pepic nach der Auswechslung des RB-Profi Emil Forsberg verhalten habe. "Der wäre mit Emil auch noch aufs Klo gegangen. Und ein paar Sekunden nach der Auswechslung von Forsberg stand Pepic vor seinem Trainer und fragte: 'Coach, wen soll ich jetzt decken?'", sagte Rangnick der "Bild am Sonntag". Der 57-Jährige betonte zwar, dass dieses taktische Mittel "völlig legitim" sei, nachvollziehen könne er es trotzdem nicht: "Ich bin froh, dass dieser Anti-Fußball nicht noch mit einem Punkt belohnt worden ist."

Effenbergs Konter auf diese unnötig aggressive Kritik ließ natürlich nicht lange auf sich warten: "Die vier hochkarätigen Chancen, ein reguläres Tor, das aberkannt wurde, das Torschussverhältnis von 9:9, sowie die mehr gewonnenen Zweikämpfe sprechen deutlich eine andere Sprache. Ich wünsche Herrn Rangnick trotzdem alles Gute." Auch SCP-Präsident Wilfried Finke wies Rangnicks Kritik zurück: "Das strotzt vor Überheblichkeit. Rangnick soll sich um seine Mannschaft kümmern, nicht um die Spielweise des Gegners. Wir waren taktisch besser eingestellt und das bessere Team."

Quelle: n-tv.de

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