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Nur 20 Minuten durfte Lukas Podolski gegen die Niederländer mitkicken. Zu wenig.
Nur 20 Minuten durfte Lukas Podolski gegen die Niederländer mitkicken. Zu wenig.(Foto: dpa)

Löw lässt ihn einfach nicht ran: Egal wer, nur nicht Podolski

Von Stefan Giannakoulis, Amsterdam

Er wollte sich mit Toren für einen Stammplatz im DFB-Team empfehlen. Doch Lukas Podolski sitzt gegen Holland lange auf der Bank – weil Bundestrainer Joachim Löw nicht viel davon hält, ihn als Mittelstürmer einzusetzen. Nur wo soll er dann spielen?

Inmitten der Personalmisere einfach den früheren Stürmer Lukas Podolski in den Sturm zu stellen, war Bundestrainer Joachim Löw offenbar nicht innovativ genug.
Inmitten der Personalmisere einfach den früheren Stürmer Lukas Podolski in den Sturm zu stellen, war Bundestrainer Joachim Löw offenbar nicht innovativ genug.(Foto: dpa)

Er hatte sich so gefreut. "Ich bin immer stolz, für Deutschland zu spielen. Das Spiel wird schon speziell. Gegen Holland sind die Partien immer besondere Spiele, weil die Rivalität da ist. Und in der Amsterdam-Arena hab ich noch nie gespielt." Gespielt hat Lukas Podolski bei der zähen Nullnummer gegen die Niederlande dann schon, aber nur knapp 20 Minuten. Und das war weit weniger, als er sich erhofft hatte. Wann, wenn nicht heute?, mag er sich gedacht haben. Schließlich war mit Miroslav Klose der einzige nominelle Angreifer im Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft kurzfristig ausgefallen. Wer, wenn nicht er mit seiner Erfahrung von nun 106 Länderspielen sollte da seinen Platz einnehmen?

Schließlich hat er früher als zentraler Stürmer gespielt. Damals, bevor Bundestrainer Joachim Löw sein System bei der Europameisterschaft 2008 von 4-4-2 auf 4-2-3-1 umstellte, somit nur noch Platz für einen in der Mitte war und Podolski auf die linke Seite auswich. Zuletzt hatte er für seine Verhältnisse recht deutlich gesagt, was er will, in seinem Verein FC Arsenal und auch in der DFB-Elf. "Wer mich kennt, weiß, dass ich lieber vorne zentral spiele, weil dort meine Stärken besser zur Geltung kommen." Vielleicht hat er das auch gesagt, weil er weiß, dass seine Chancen auf der linken Außenbahn derzeit nicht besonders hoch einzuschätzen sind. Der Dortmunder Marco Reus sowieso, aber auch der Leverkusener André Schürrle sind ihm da einen Schritt voraus.

"In der Spitze ist nicht seine Idealposition"

Und es gibt noch jemanden, der Podolski das Leben schwer macht, weil er ihn eben nicht als Mittelstürmer sieht. Löw hat das schon mehrmals gesagt, und vor der Partie in den Niederlanden noch einmal explizit dargelegt: "Lukas kann diese Rolle spielen, aber ganz vorne in der Spitze ist nicht seine Idealposition." Noch schwerer als diese Worte wiegt die Tatsache, dass der Bundestrainer in Amsterdam den Dortmunder Mario Götze in die Sturmmitte stellte. Einen Arbeitsplatz, den der 20 Jahre alte Filigrantechniker in seiner Karriere noch nicht allzu oft eingenommen hat. Das wirkte in einem Spiel, bei dem acht wichtige Spieler fehlten, ein wenig so, als wolle Löw zeigen: Egal wer, Hauptsache nicht Podolski. Dann lieber nach spanischem Vorbild ganz ohne echten Stürmer.

Es ist einfach so, dass die Entwicklung der Mannschaft nicht gerade im Sinne Podolskis verläuft, der bisher noch bei jedem Turnier, bei dem er mitspielen durfte, überzeugt hat. Vor allem mit Toren. Für ihn spricht auch, dass er seine Bereitschaft, auch in der Defensive mitzuarbeiten, in letzter Zeit eindrucksvoll gesteigert und zuletzt bei der Europameisterschaft bewiesen hat.

Aber der Bundestrainer setzt halt auf das ebenso gepflegte wie schnelle Passspiel, und genau da erfährt der 27 Jahre alte Ex-Kölner seine Grenzen. Er lebt von seiner Wucht, seinem harten und an besseren Tagen auch präzisen Schuss. Nur: Wo soll er spielen? Joachim Löw sieht da kein Problem, er findet: "Ihn können wir allemal immer gut gebrauchen." Zumal ihm seine Entwicklung in England gut gefalle. Podolski sei "ein sehr guter Mannschaftsspieler", der im kommenden Jahr einen Angriff auf einen Stammplatz im Team starten werde. "Seine Zeit wird wieder kommen."

Quelle: n-tv.de

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