Donnerstag, 04. März 2010
Zwanziger spricht von Rücktritt: Einer lügt in der Affäre Amerell
Stefan Giannakoulis
In der Schiedsrichteraffäre um Manfred Amerell spricht Theo Zwanziger, Präsident des Deutsche Fußball-Bundes, von Rücktritt – für den Fall, dass Amerell Opfer und nicht Täter ist. Die Ankündigung ist nicht überraschend, sondern logisch.Theo Zwanziger will als Präsident des Deutsche Fußball-Bundes zurücktreten, falls der DFB den Prozess gegen den früheren Schiedsrichterbeobachter Manfred Amerell an diesem Donnerstag vor dem Landgericht München verlieren sollte. Ob das eine Drohung ist, hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. Fest steht: Zwanzigers Ankündigung ist weit weniger brisant, als sie auf den ersten Blick scheinen mag.
Die Sache ist die: Er hat sich weit aus dem Fenster gelehnt. Das weiß auch Zwanziger. Daher ist sein angekündigter Rücktritt für den Fall der Fälle keine Überraschung. Sie ist die einzig logische Konsequenz aus dem, was er getan hat. Der DFB und sein Präsident haben öffentlich - und ohne sich Manfred Amerells Version anzuhören und ihm Einsicht in die Akten zu gewähren – behauptet, er habe Schiedsrichter sexuell belästigt. Damit hat sich Theo Zwanziger auf die Glaubwürdigkeit der Zeugen verlassen. Und er hat Recht, wenn er sagt, dass er zurücktreten müsse, falls "die Aussagen aller jungen Schiedsrichter, die wir zu schützen haben, und ihre eidesstattlichen Erklärungen falsch wären. Denn dann wäre Herr Amerell das Opfer".
Mindestens einer lügt – bloß wer?
Amerell jedenfalls will dem DFB gerichtlich verbieten lassen, weiter von "sexueller Belästigung und Übergriffen" zu sprechen. Damit ist klar: Mindestens einer lügt. Entweder der 27 Jahre alte Unparteiische Michael Kempter und vier weitere Kollegen, die eben dies behaupten. Oder Manfred Amerell, der bis Februar im Schiedsrichterausschuss des DFB saß, eine "intensive persönliche Beziehung" zugibt, aber von jeweils beiderseitigem Einvernehmen spricht. Noch weiß niemand, wer in dieser immer schmutziger werdenden Affäre wann und wo die Wahrheit gesagt hat – und wer gelogen hat.
Theo Zwanziger aber hat sich längst entschieden. Er glaubt Michael Kempter, er lobt seine Offenheit und seinen Mut, mit dem er auch die anderen Schiedsrichter zu einer Anzeige gegen Manfred Amerell bewegt habe. Das ist ein klarer Standpunkt. Sollte Theo Zwanziger aber falsch liegen, muss er zurücktreten. So einfach ist das.
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