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Im letzten Pokalduell zwischen Bochumer und Münchner sorgte Arjen Robben in der 91. Minute für die Entscheidung zugunsten des FC Bayern.
Im letzten Pokalduell zwischen Bochumer und Münchner sorgte Arjen Robben in der 91. Minute für die Entscheidung zugunsten des FC Bayern.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"Auf wahrscheinlich ist geschissen": FC Bayern hat Angst vor der Pokalsensation

Von Tobias Nordmann, Bochum

Eine Pflichtaufgabe, mehr ist das Pokal-Viertelfinale in Bochum für den FC Bayern auf dem Weg zum Triple nicht. Eigentlich. Doch in München sind sie gewarnt vorm Duell beim Zweitligisten - und das durchaus zu Recht.

Wenn Bayern Münchens niederländischer Superstar Arjen Robben eindringlich vor dem VfL Bochum warnt, dann klingt das wie aus einer fernen Welt. Ausgerechnet jene Bayern, die jede Saison nichts weniger als das Triple anvisieren, sollen sich ausgerechnet gegen jene Bochumer in Acht nehmen, die mit den Jahren genügsam – oder ausreichend frustriert – geworden sind? Die sich mit Mittelmaß in Liga zwei arrangiert haben? Ja, sagt der Niederländer vor dem Pokal-Viertelfinale zwischen dem Ruhrpott-Klub und dem deutschen Rekordmeister. Und er, der das späte Siegtor beim letzten Pokalduell beider Teams im Dezember 2011 erzielt hatte, meint das absolut ernst.

Denn der Abstand zwischen beiden Klubs ist aktuell so gering wie seit langer Zeit nicht. Nun ist es allerdings trotzdem nicht so, dass sich die Mannschaften auch nur ansatzweise auf Augenhöhe begegnen würden. Um den VfL auf dem Münchner Radar als ernsthafte Bedrohung wahrzunehmen, braucht es nach wie vor ganz, ganz viel bajuwarische Fantasie. Aber die ist derzeit offenbar gut ausgeprägt. So gut, dass eine Niederlage in Bochum als reale Gefahrenlage gilt.

Zündeleien und lahme Enten

Bayern-Sturmstar Robert Lewandowski dürfte von der VfL-Abwehr intensiv bearbeitet werden.
Bayern-Sturmstar Robert Lewandowski dürfte von der VfL-Abwehr intensiv bearbeitet werden.(Foto: picture alliance / dpa)

Was also ist passiert, dass ein Szenario als möglich gilt, dem in keiner Stammtischdiskussion – außer vielleicht in Bochum – besonders viel Zeit eingeräumt würde? Nun, die Bayern dümpeln bislang durch das Jahr 2016. Das macht nicht nur depressiv, das sorgt gar für ängstliches Gedankengut. Sportlich gibt's gegen die zunehmend aufmüpfiger werdende Konkurrenz bislang nur noch biedere Gegenwehr, zudem sieht sich FCB-Obermahner Matthias Sammer mit wilden und aus seiner Sicht natürlich haltlosen Medienzündelein konfrontiert. Dann sind da noch die vielen Verletzten und die Frage, warum bei den Bayern so oft der Muskel zickt, zwickt oder reißt. Und natürlich noch die "Lame Duck"-Theorie zu Josep Guardiola. Das Triple? Gefährdet! Schon wieder.

Tief im Westen müssen sie sich mit solchen Dingen derzeit nicht beschäftigen, obwohl sie auch in Bochum eine große Baustelle haben: den Trainer. Gertjan Verbeek, das ist unbestritten, hat eine neue Euphorie um den Klub entfacht. Seit er das Amt vom sich abgearbeiteten Kulttrainer Peter Neururer übernommen hat, läuft es wieder flüssig an der Castroper Straße. Zusammen mit Manager Christian Hochstätter hat er eine Mannschaft aufgebaut, die regelmäßig guten Fußball anbietet und nach Jahren des Zweitliga-Abstiegskampfs endlich wieder an jene Türen klopft, die dem VfL den Zugang zum so herbeigesehnten Fußball-Oberhaus ermöglichen könnten. Doch Verbeek zögert seit Wochen mit einem klaren Bekenntnis zum Verein. Im Sommer läuft sein Vertrag aus. Zukunft in Bochum? Noch ungewiss, wenn auch nicht unwahrscheinlich.

Konzentration aufs Wesentliche

Doch anders als an der Säbener Straße, wo Guardiola unter ständiger Beobachtung steht und sein Wechsel zu Manchester City fortwährendes Gesprächsthema bleibt, konzentrieren sie sich an der Castroper Straße voll aufs Sportliche. Die Pflicht: die 2. Liga. Das Ziel: der Aufstieg. Die Kür: der DFB-Pokal. Und an den K.o.-Schlachten unter Flutlicht haben die Bochumer großen Gefallen gefunden. Sieg gegen die Bayern? Warum nicht.

Die Mannschaft um Kapitän Patrick Fabian und Torjäger Simon Terrode ist äußerst selbstbewusst. In der Winterpause wurden gleich drei Bundesligisten besiegt: Gegen Hertha gab es ein 4:1, gegen Leverkusen ein 2:1 und der einzige nationale Bayern-Bezwinger der Saison, Borussia Mönchengladbach, bekam eine 5:2-Lehrstunde verpasst. Momentaufnahmen, natürlich. Aber sie lassen die Fans und den Verein träumen. Kopf einziehen, verstecken, lamentieren und das "Früher war alles besser"-Jammerlied singen? Das will in Bochum niemand mehr.

Und kaum einer kann diesen Sinneswandel in der VfL-Seele schöner erklären als Frank Goosen. Der Bochumer Kult-Kabarettist lebt und leidet die Ruhrpott-Metropole, das heimische Fiege-Bier, die "Echte" Currywurst und den VfL so intensiv, so leidenschaftlich, so öffentlichkeitswirksam wie sonst nur n-tv.de Kolumnist Ben Redelings. Deshalb umschmeichelt Goosen die Stadt und den Verein mit knallharter Verbalerotik. In einem Gespräch mit der DFB-Homepage vor der anstehenden Pokalmaloche erklärte er vor wenigen Tagen: "Realistisch betrachtet, ist es wahrscheinlich, dass am Ende der FC Bayern das Spiel gewinnt." Aber: "Auf wahrscheinlich ist geschissen!" Robben weiß das.

Quelle: n-tv.de

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