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Früher war auch nicht alles besser: Oliver Kahn im Jahr 2005, damals noch Torwart des FC Bayern.
Früher war auch nicht alles besser: Oliver Kahn im Jahr 2005, damals noch Torwart des FC Bayern.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

"Woanders is auch scheiße": FC Bayern nervt nicht alleine

Von Stefan Giannakoulis

Die Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga ist entschieden, das freut die Fans des FC Bayern. Für alle anderen aber bedeutet das vor allem eins: Langeweile. Der Trost ist schwach, doch vielleicht hilft der Hinweis, dass es andernorts nicht besser ist. Wir sagen nur: ManUnited, Barça, Juve.

Wem die Fußball-Bundesliga mit der erdrückenden Dominanz des FC Bayern zu langweilig ist, dem sei gesagt: Andere haben das gleiche Problem. Oder um mit Frank Goosen zu sprechen, dem Schriftsteller, Fan und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden des VfL Bochum: "Woanders is auch scheiße". Wenn auch vielleicht nicht ganz so wie hier.

Wir hüten uns jetzt, die 20 Punkte Vorsprung, die die Münchner nach 26 Spieltagen an der Tabellenspitze angesammelt haben, als weltweiten Rekord zu bezeichnen. Aber zumindest in Europa haben wir keine Mannschaft gefunden, die diesen Wert überbietet. Am nächsten dran ist der FC Kopenhagen, der in der Superligaen 16 Zähler vor dem FC Randers liegt. Da die Dänen das nach 23 Runden geschafft haben, sind sie sogar relativ besser als die Bayern. Und Olympiakos Piräus ist in der griechischen Super League definitiv etwas gelungen, was dem FC Bayern ebenso definitiv in dieser Saison noch bevorsteht. Der Verein hat bereits die Meisterschaft perfekt gemacht. Und wie die Kollegen aus Kopenhagen 16 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

Na gut, aber Dänemark und Griechenland? Keine Spielklassen, die dem großen Bayern gerecht werden. Was bleibt ist, die Bundesliga mit den anderen europäischen Topligen zu vergleichen. Und damit sind wir wieder bei Frank Goosen. "Boah! Schön ist das nicht!" Zumindest nicht, wenn man es gerne ein wenig spannend hat beim Fußball.

SPANIEN: In der Primera Divison ist der FC Barcelona, wie Rainer Holzschuh sagen würde, das Maß aller Dinge. Das ist um so höher zu bewerten, als dass mit Real Madrid noch eine andere ganz gute Mannschaft mitspielt. Nach 28 Spieltagen jedenfalls hat Barça sich einen Vorsprung von 13 Punkten erarbeitet. Sechs Siege aus den verbleibenden zehn Partien würden dem Team um den argentinischen Fußballpapst Lionel Messi reichen, um sich die 22. Meisterschaft zu sichern. Aus der Hauptstadt kommen derweil nur Durchhalteparolen: "Unser Ziel ist, Barça unter Druck zu setzen", sagte Reals Stürmer Gonzalo Higuaín zuletzt. "Die Meisterschaft dauert noch lange. Wir werden bis zum Ende kämpfen." Immerhin: Im Königspokal hatten die Madrilenen mit den deutschem Nationalspielern Mesut Özil und Sami Khedira zuletzt die Nase vorne und stehen gegen den Lokalrivalen Atletico im Endspiel.

ENGLAND: Früher war alles besser. Sagt nicht Frank Goosen, das behaupten wir. Zumindest in der vergangenen Saison war die englische Premier League richtig packend. United und City, die beiden Topteams aus Manchester, lieferten sich bis zum Schluss einen Zweikampf um den Titel. Mit dem besseren Ende für die Citizens, die erst einen Rückstand von acht Punkten aufholten und dann am letzten Spieltag mit zwei Toren in der Nachspielzeit die Meisterschaft einfurhren. United landete punktgleich auf Platz zwei. Aber heuer? Thront das Team von Sir Alex Ferguson 15 Punkte vor dem Stadtrivalen auf dem Platz an der Sonne - bei neun ausstehenden Spielen. Das Hinspiel ging mit 3:2 an United. Gut möglich, dass der Tabellenführer im Rückspiel am 8. April einen weiteren großen Schritt in Richtung 20. Titel macht.

ITALIEN: Vor sechs Jahren kickte Juventus Turin noch in der zweiten italienischen Liga. Mittlerweile ist Juve nach Manipulationsskandal, Zwangsabstieg und langer Krise wieder an der Spitze der Serie A angekommen. Der Klub steht in der Tabelle neun Punkte vor dem SSC Neapel - und damit vor seinem 29. Titel. Nicht nur der "Corriere dello Sport" ist sich sicher: "Mit dieser Demonstration der Kraft und technischen Überlegenheit hat das Team von Antonio Conte die letzten Zweifel an der Dominanz der Weiß-Schwarzen in der Meisterschaft ausgeräumt." Und ausgerechnet diese Mannschaft spielt nun im Viertelfinale der Champions League am 2. und 10. April gegen - genau, den FC Bayern. Wenn das nicht spannend wird.

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Quelle: n-tv.de

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