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Okay, so schlecht war die Hinrunde des FC Bayern dann doch nicht: Bastian Schweinsteiger und Arjen Robben freuen sich nach dem Spiel in Mainz auf den Urlaub.
Okay, so schlecht war die Hinrunde des FC Bayern dann doch nicht: Bastian Schweinsteiger und Arjen Robben freuen sich nach dem Spiel in Mainz auf den Urlaub.(Foto: imago/MIS)

Sechs Dinge, gelernt an Spieltag 17: FC Bayern schwächelt, Klopp sucht Konzept

Von Christoph Wolf und Stefan Giannakoulis

Der FC Bayern spielt die schlechteste Hinrunde in der Bundesliga seit zwei Jahren, Dortmunds Klopp hält es mit Kanzlerin Merkel. Und die Wolfsburger wollen nicht meckern, wenn ihnen die Sonne auf den Bauch scheint.

1. Der FC Bayern lässt nach

Es geht abwärts mit dem FC Bayern. Die Bilanz sollte der Mannschaft von Trainer Josep Guardiola zu denken geben. Gut, die vier Gegentore in einer Hinrunde sind ein Rekord. Elf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten gab es auch noch nie in der 51 Jahre währenden Geschichte der Fußball-Bundesliga. Und 17 Spieltage ohne Niederlage zu überstehen, das hatten zuvor auch erst vier Teams geschafft - zweimal die Bayern selbst, je einmal der HSV und Leverkusen. Auch die Heimbilanz der Münchner ist so schlecht nicht: neun Spiele, neun Siege. Aber die haben halt nur 45 Punkte geholt. Im vergangenen Jahr waren es 47, der Trend zeigt also eindeutig nach unten. Oder wie es Klubchef Karl-Heinz Rummenigge formulierte: "Wir hatten ein Unentschieden mehr als in der letzten Saison, daran müssen wir arbeiten."

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Ganz so unzufrieden war Rummenigge nach dem glücklichen 2:1 in Mainz dann aber doch nicht: "Wir können sehr zufrieden sein. Nach den Strapazen der WM so eine Bilanz hinzulegen. Trainer und Mannschaft haben das großartig gelöst." Guardiola konstatierte: "Wenn wir die ganze Hinrunde analysieren, dann bin ich sehr, sehr zufrieden." Und wenn selbst Chefmahner Matthias Sammer nichts zu meckern hat, war's insgesamt vielleicht doch ganz gut: "Die Spieler sollen jetzt machen, was sie wollen." Faulenzen, relaxen, abschalten zum Beispiel. "Es ist jetzt auch gut", sagte der Sportvorstand. Die erdrückende Dominanz ihrer Mannschaft ist nicht ihr Thema. Warum auch? Christian Seifert, Chef der DFL, hält die Bundesliga für "extrem spannend", wie er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte. "Die Titelfrage ist die wichtigste sportliche Entscheidung, aber nur eine von vielen in der Bundesliga. Auch wenn das Rennen um den Titel nicht so spannend ist, wie ich es mir wünsche, bin ich weit entfernt davon zu sagen, dass die Bundesliga nicht spannend ist. Das Gegenteil ist richtig." Das ist, vielen Dank dafür, eine schöne Überleitung zum BVB.

2. Dortmund braucht ein Krisenrezept

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Nach dem Dortmunder Versagen in Bremen hat Trainer Jürgen Klopp, mitten in der größten Krise seit Jahrzehnten, einen bemerkenswerten Pragmatismus vorgelebt. Der Grund, warum er nicht "völlig niedergeschlagen sei", sei ein ganz einfacher: Die drei Punkte aus Bremen hätte er zwar ganz gern gehabt. Aber auch ein Sieg hätte "aus einer bescheidenen Hinrunde keine Weltklasse-Halbserie gemacht". Von daher: Schwamm drüber. Weihnachten, Winterpause, Trainingslager und dann wieder angreifen. Klopp schien es in Bremen mit einer alten Maxime zu halten, die sich auch bei Kanzlerin Angela Merkel einer gewissen Beliebtheit erfreute: Dass es erst schlechter werden muss, ehe es besser werden kann. Den erwarteten Sturz auf Platz 18 als ideale Aufholjagd-Ausgangsposition allerdings hat Klopp der SC Freiburg verdorben. Die Dortmunder bekommen in dieser Saison nichts geschenkt und überwintern damit nur als Vorletzter. Es kann am 31. Januar beim Rückrundenstart in Leverkusen also noch tiefer gehen für die schlechteste Auswärtsmannschaft der Liga, ehe es besser wird. Dass es besser werden muss, ist auch Klub und Klopp klar. Der Coach glaubt trotzig daran, dass in der Rückrunde "das Licht am Ende des Tunnels angeht". Skepsis ist erlaubt, war dieses Licht zuletzt doch immer ein entgegenkommender Zug.

3. "Jugend forsch" bleibt ein gutes Krisenrezept

Die Kameras waren aus in Bremen, doch Werders Trainer Viktor Skripnik musste im Bauch des Weserstadions weiterreden. Natürlich darüber, wie er auch gegen Borussia Dortmund seinen Bremer Jugendstil konsequent fortgesetzt und damit Erfolg gehabt hatte. Skripnik freute sich, dass sein Baby-Sturm mit U-19-Europameister Davie Selke, 19 Jahre alt, oder dem 20 Jahre alten Melvyn Lorenzen groß aufgespielt hatte. "Sie wollen sich entwickeln", lobte der in der Hinrunde vom Jugend- zum Cheftrainer beförderte Ukrainer den Hunger seiner Talente, die etablierte Profis wie Eljero Elia oder Nils Petersen auf die Tribüne verbannt haben. Zwischen den Zeilen betonte Skripnik aber auch, dass er kein Anti-Rehhagel sei. Der Bremer Trainer-Ikone wurde einst nachgesagt, am liebsten mit erfahrenen Spielern zu arbeiten. Für Skripnik gilt eher das Gegenteil, doch er fühlt sich dabei falsch verstanden. Das Alter der Spieler sei nicht das Kriterium, sondern die Qualität und Trainingsleistungen, das hat Skripnik zuletzt mehrfach betont. Die jungen Spieler, so lässt sich das deuten, spielen in Bremen auch deshalb, weil das chronisch klamme Werder keine besseren hat, auch keine älteren. Das war einst auch in Dortmund so, ehe der Erfolg wieder Millionen in die Kasse spülte. Das Prinzip "Jugend forsch" kommt in der Bundesliga nie aus der Mode, Stuttgart erstand so einst aus Ruinen auf und stürmte 2007 zur Meisterschaft. Auch in Bremen darf davon ausgegangen werden, dass Skripnik den jugendlichen Aufschwung aus einer gewissen Grundüberzeugung angeht. Die Winterpause muss er mit Werder dennoch auf dem Relegationsplatz vollbringen. Damit das nicht so bleibt, haben die Bremer nachgebessert. Aus Leverkusen kommt leihweise Levin Öztunali an die Weser. Er ist 18 Jahre alt.

4. Der Kampf gegen den Abstieg ist wirklich spannend

Die gute Nachricht für die Dortmunder Borussen ist: Im Grunde ist man ja aus dem Bereich der Tabelle, der gemeinhin als Abstiegszone bezeichnet wird, ebenso schnell wieder raus, wie man hineingeraten ist. Zumindest, was die Zahl der Punkte betrifft. Den Tabellenletzten aus Freiburg, der ebenso wie der BVB 15 Zähler auf dem Konto hat, trennen gerade einmal vier Punkte vom SC Paderborn, der auf Platz zehn steht. Das klingt nicht spannend, das ist es auch. Die Freiburger müssten zum Beispiel nur einmal einen Vorsprung über die Zeit bringen und nicht, wie am Sonntag in der Partie gegen Hannover 96 zum fünften Mal in dieser Hinserie geschehen, einen Vorsprung noch aus der Hand geben. Da ist allerdings mutmaßlich nicht so einfach, wie es sich hinschreiben lässt, sollte den abstiegskampfgestählten Freiburgern aber Mut machen. Trainer Christian Streich jedenfalls sagt: "So etwas hat es in der Liga wohl noch nie gegeben. An so etwas gewöhnt man sich nie. Aber wir werden dagegen ankämpfen - mit Ruhe und Bedacht." Schließlich gelte: "Wir haben Anschluss an nicht wenige Mannschaften. Wir können mithalten. Wir müssen die Mannschaft und die Typen stabilisieren. Wir haben auch gute Fußballer." Das lässt doch hoffen, macht die Gemengelage in der unteren Tabellenhälfte aber auch nicht einfacher. Der Hamburger SV jedenfalls sollte sich darauf einstellen, dass in dieser Saison die 27 Punkte wohl kaum reichen werden, um sie wie in der vergangenen Spielzeit auf den Relegationsplatz zu retten. Ein Schneckenrennen wie seinerzeit wird sich nicht wiederholen. Ob das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, müssen sie in Freiburg, Dortmund, Bremen, Stuttgart, Hamburg, Berlin, Mainz, Köln und Paderborn selbst beurteilen.

5. Die Wolfsburger sind durchaus zufrieden

Jetzt, da der Titelkampf dank DFL-Chef Seifert auch offiziell langweilig ist, dürften die Wolfsburger als Tabellenzweiter erst recht mit sich und der Welt im Reinen sein. Manager Klaus Allofs drückte das nach dem uninspirierten Arbeitssieg gegen den 1. FC Köln so aus: "Wenn die Sonne scheint und es ist 30 Grad, dann ärgere ich mich nicht, dass es nicht 32 Grad sind." Sechs Punkte Vorsprung auf Leverkusen haben die Wolfsburger, es spricht also viel dafür, dass sie im kommenden Jahr in der Champions League spielen dürfen. Zumal die 34 Punkte auf dem Konto die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte bedeuten. Nur drei Partien hat der VfL verloren: zum Auftakt beim FC Bayern mit 1:2, in Gelsenkirchen mit 2:3 und mysteriöserweise in Berlin mit 0:1. Ansonsten aber gilt: Wenn nichts mehr geht, kommt Naldo, der 32 Jahre alte Brasilianer mit deutschem Pass. Gegen Köln am Samstag köpfte er nach 78 Minuten das 2:1, unter der Woche in Dortmund erzielte er ebenfalls per Kopf fünf Minuten vor dem Ende der Partie das 2:2, insgesamt kommt der Innenverteidiger in dieser Saison auf fünf Treffer. Damit ist er zusammen mit Angreifer Ivica Olic der erfolgreichste Torschütze seines Teams. "Naldo ist ein Phänomen", schwärmt Trainer Dieter Hecking. Wenn Ronaldo Aparecido Rodrigues mit Wucht hochsteigt, ist er kaum zu stoppen. Seine Schüsse aus der Distanz sind ebenfalls gefürchtet. Doch für Hecking ist noch wichtiger: "Er steht defensiv sehr stabil und gibt uns Sicherheit." Wie stabil, das sehen wir am 30. Januar. Dann spielt der VfL Wolfsburg zum Auftakt der Rückrunde - im eigenen Stadion gegen den FC Bayern München.

6. FCA auf dem Weg nach Europa

Vielleicht geht das bisweilen ein wenig unter, wenn alle über die Bayern und den BVB reden. Aber was die Augsburger und ihr Trainer Markus Weinzierl dem zweitkleinsten Etat der Liga in dieser Hinrunde geleistet haben, ist eine echte Sensation. Das gilt einerseits nicht erst seit dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag. Andererseits zeigt dieser Erfolg, wie gefestigt der FCA mittlerweile ist, der auf Rang sechs in der Tabelle steht - punktgleich mit den Schalkern und den Gladbachern, die auf dem Relegationsplatz zur Champions League rangieren. Weinzierl konstatierte nach dem anschließenden Coup beinahe euphorisiert: "Das war das Ausrufzeichen hinter ein sensationelles Jahr 2014, hinter eine überragende Vorrunde. Im neuen Jahr machen wir hoffentlich so weiter, wie wir heute aufgehört haben. Das war mit eines unsere besten Spiele." Aber die Augsburger wären nicht die bodenständigen Augsburger, würden sie nicht weiter tiefstapeln: "Über Europapokal reden wir nicht. Wenn wir die 40 Punkte, die man normalerweise für den Klassenerhalt braucht, haben, können wir weiter reden", sagte Paul Verhaegh. "Das Jahr ist verrückt, die Tabelle ist verrückt, aber wir wollen unsere Punkte gegen den Abstieg holen", pflichtete Torschütze Markus Feulner seinem Kapitän bei. Doch das Selbstbewusstsein wächst und wächst. Die Spottgesänge der Gladbacher Fans ("In Europa kennt euch keine Sau") jedenfalls konterten sie locker. "In Europa kennt uns keiner. Denn wir waren noch nie in Europa, außer im Urlaub", sagte Weinzierl. Gut möglich, dass sich das im Jahr 2015 ändert.

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Quelle: n-tv.de

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