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Sind happy, wieder obenauf zu sein: die Bayern
Sind happy, wieder obenauf zu sein: die Bayern(Foto: picture alliance / Matthias Balk)

Sechs Lehren des 14. Spieltags: FC Bayern top, Hoeneß schwärmt von RB

Von Stefan Giannakoulis

Ein Spieltag wie gemalt für die Münchner Bayern: Sie führen wieder die Fußball-Bundesliga an - weil RB Leipzig patzt und der VfL Wolfsburg nur ein Opfer ist. Der BVB kommt nicht aus dem Knick, die Hertha hat wieder Angst.

1. Der FC Bayern freut sich aufs Weihnachtsfinale

Na, das ging dann doch schneller als gedacht. Drei Wochen mussten sie es beim FC Bayern ertragen, nur die zweitbeste Fußballmannschaft des Landes zu stellen. Das war eine schwer zu ertragende Schmach. Doch dann half an diesem 14. Spieltag der Bundesliga der Nachbar aus dem oberbayrischen Ingolstadt, schlug als Tabellenletzter den Spitzenreiter aus Leipzig - und schon stehen die Münchner wieder dort, wo sie qua Mia-san-Mia-Definition hingehören. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandschef, drückte das so aus: "Tabellenführer, das ist so ein bisschen das Selbstverständnis dieses Klubs. Das liegt in der DNA."

Traf nach 999 torlosen Minuten mal wieder: Thomas Müller
Traf nach 999 torlosen Minuten mal wieder: Thomas Müller(Foto: picture alliance / Sven Hoppe/dp)

Seinen Pflichtteil trug der FC Bayern bei, indem er wie in besten Zeiten unter Josep Guardiola mit 5:0 über den VfL Wolfsburg hinwegfegte, der allerdings nicht mehr war als ein Opfer. Was auch daran lag, dass der immer noch neue Trainer Carlo Ancelotti sein Team so spielen ließ, wie es auch sein Vorgänger meist getan hatte. Statt an seinem Lieblingssystem 4-3-3 festzuhalten, griff er wie schon beim souveränen Sieg in Mainz auf ein 4-2-3-1 zurück, was in der Offensive bedeutete: Ganz vorne stürmte Robert Lewandowski und erzielte zwei Tore, rechts Arjen Robben, der einmal traf, links Franck Ribéry und dahinter Thomas Müller, dem nun tatsächlich nach 999 erfolglosen Minuten sein erstes Ligator in dieser Saison gelang. Präsident Uli Hoeneß konstatierte zufrieden: "Unsere Jungs sind wieder richtig gut beieinander." Und Ancelotti deutete an, dass er auch in Zukunft seiner Mannschaft diese etwas offensivere Ausrichtung verpassen werde: "Wir können beide Systeme spielen, aber die Spieler fühlen sich mit dem 4-2-3-1 am wohlsten." Die nähere Zukunft sieht so aus, dass die Münchner sich informieren werden, was dabei herauskommt, wenn die Uefa heute ab 12 Uhr auslosen lässt, wer im Achtelfinale der Champions League gegen wen spielt. Für die Bayern könnte das heißen, dass es gegen den FC Barcelona geht. Muss aber nicht. Am Sonntag spielen sie dann beim SV Darmstadt 96, bevor es drei Tage vor Heiligabend im Stadion zu Fröttmaning gegen RB Leipzig geht - mutmaßlich als Tabellenführer. Klubchef Rummenigge nannte es "ein schönes Weihnachtsfinale. Da wollen wir zeigen, wer die bessere Mannschaft ist".

2. Die Rasenballsportler lecken ihre Wunden

Trainer Ralph Hasenhüttl hatte das nach der ersten Niederlage seiner Rasenballsportler in der Bundesliga clever formuliert: "Es gibt für mich keine Niederlagen. Es gibt Spiele, die wir gewinnen - oder welche, aus denen wir lernen." Geärgert haben wird er sich aber schon. Nicht nur darüber, dass die schöne Tabellenführung futsch ist, sondern vor allem, weil bei seiner Mannschaft im Grunde so gar nichts ging beim FC Ingolstadt, den er vor zwei Jahren in die Bundesliga geführt hatte und auch dort hielt. Für die Gastgeber war das ein echter Coup und der erste Heimsieg seit acht Monaten. Trainer Maik Walpurgis, Hasenhüttls Nachnachfolger, hatte seine Mannschaft clever eingestellt. Die Ingolstädter schlugen meist den Ball weit nach vorne, um so dem Leipziger Pressing zu entgehen. Dann rückten sie schnell nach, damit nicht so viel Platz zum Fußballspielen war. Und außerdem gingen sie in den Zweikämpfen ordentlich zur Sache und scheuten das giftige Foul nicht. "Der Gegner hat es geschafft, uns sein Spiel aufzuzwingen", sagte Hasenhüttl. "Niederlagen tun immer weh, egal gegen wen. Das ist ein Rückschlag, aber den können wir verkraften."

Findet den Red-Bull-Chef (nicht im Bild) ziemlich klasse: Uli Hoeneß
Findet den Red-Bull-Chef (nicht im Bild) ziemlich klasse: Uli Hoeneß(Foto: picture alliance / Andreas Geber)

Zumal sich die Leipziger der Sympathie eines Konkurrenten sicher sein können. Uli Hoeneß, nun wieder Präsident des FC Bayern, hat mit der "Bild am Sonntag" gesprochen und dabei Dietrich Mateschitz gelobt. Dem gehört der Getränkekonzern Red Bull und auch der Fußballverein, den er gegründet hat, um zu werben. Nicht weiter schlimm, sagte Hoeneß, er habe immer gesagt, dass es ohne diese Konstruktion im Osten der Republik keinen einzigen wettbewerbsfähigen Fußballverein geben würde. "Deswegen kann ich da nichts Negatives dran finden." Im Gegenteil, das sei doch prima: "Es dem zu zeigen, der einen Superjob macht mit seiner Company, der alles der Dose unterwirft, in der Formel 1 erfolgreich war, und jetzt eben im Fußball zeigen will, dass er es auch kann - das reizt mich geradezu. Wir werden es sehen. Das wird ein spannendes Rennen." Hier spricht der Tabellenführer.

3. Die Dortmunder kommen nicht aus dem Knick

Ja, schon schön, wenn man in letzter Minute den Ausgleich erzielt. Also haben sich die Dortmunder sehr darüber gefreut, dass Marco Reus beim Spiel in Köln genau das gelungen ist. Andererseits hat der BVB wieder einmal die Chance verpasst, den Abstand zu den beiden Teams ganz oben in der Tabelle etwas kleiner werden zu lassen. Bayerns Boss Rummenigge erwähnte explizit seine Freude darüber, dass die Konkurrenz zwei Punkte liegen ließ. Denn in München rechnen sie trotz eines Vorsprungs von acht Zählern nach wie vor mit der Borussia.

Traf zum Ausgleic: Marco Reus
Traf zum Ausgleic: Marco Reus(Foto: picture alliance / Guido Kirchne)

Und in Dortmund selbst? Gehen sie wohl auch davon aus, dass am Ende der Saison mehr drin ist als Platz sechs in der Tabelle - zumal der Rückstand auf Rang drei jetzt nur noch drei Punkte beträgt, da die Berliner Hertha gegen den SV Werder verlor. Trainer Thomas Tuchel jedenfalls, der sich jüngst nach der Niederlage in Frankfurt noch zu einer fundamentalen Kritik an seinen Spielern hatte hinreißen lassen, gab sich betont milde - immerhin war Reus ja noch der Ausgleich gelungen. Seine Mannschaft brauche Zeit, eigentlich müsse er mehr mit ihr trainieren. Das ginge aber nur bedingt, da ja stets Spiele in dieser Champions League anstehen. "Wir lernen im Wettkampf, nachdem die Saisonvorbereitung komplett zerstückelt war und wir seitdem nur zwei, drei volle Trainingswochen hatten." Daher könne ein Spiel wie in Köln immer mal wieder unterkommen. Das soll wohl heißen: Bis auf weiteres muss sich der geneigte Beobachter darauf einstellen, dass den Dortmundern etwas Unstetes anhaftet und die Mannschaft auf der Suche nach Konstanz eines der größten Versprechen im europäischen Fußball bleibt. Wann sie es einlöst, weiß Tuchel wohl selber nicht. Nur so viel: "Mit uns ist zu rechnen."

4. Die Gladbacher atmen jetzt einmal durch

Ließ den Ausgleich der Mainzer nicht gelten: Schiedsrichter Robert Hartmann
Ließ den Ausgleich der Mainzer nicht gelten: Schiedsrichter Robert Hartmann(Foto: picture alliance / Federico Gamb)

André Schubert wird nicht böse gewesen sein, dass seine Gladbacher Borussia nach acht Ligaspielen ohne Sieg nun endlich wieder einmal gewonnen hat. War er dann auch nicht. "Wir wollten unbedingt gewinnen, heute ging es nicht um schönen Fußball." Der war auch im Borussia-Park weit und breit nicht zusehen. Zudem war der Sieg glücklich und auch nicht unumstritten, da dem erstocherten Führungstreffer des Innenverteidigers Andreas Christensen eine gute Viertelstunde vor dem Ende der Partie der vermeintliche Ausgleich des FSV Mainz in der 88. Minute folgte, den Schiedsrichter Robert Hartmann aber nicht gelten ließ. Aber gewonnen ist gewonnen, und für Schubert ist das insofern günstig, als es vorher geheißen hatte, er müsse womöglich gehen, wenn's auch gegen Mainz nicht klappt. Überhaupt ist es sehr unruhig in Mönchengladbach. Platz zwölf mit 16 Punkten nach 14 Spieltagen ist nicht ganz das, was sie sich erhofft hatten. Hinzu kommt, dass der FC Bayern angeblich Sportdirektor Max Eberl umwirbt, was dann insgesamt doch recht viele Baustellen sind, zumal die Mannschaft trotz des glücklichen Sieges gegen Mainz einigermaßen verunsichert wirkte. Oder wie es, wir haben das in der "Süddeutschen Zeitung" gelesen, Abwehrspieler Tony Jantschke hinterher sagte: "Boah, was für ein Scheiß, ich habe selten ein fußballerisch derart schlechtes Spiel erlebt."

5. Die Schalker müssen sich gedulden

Schoss das Tor des Abends: Stefan Kießling
Schoss das Tor des Abends: Stefan Kießling(Foto: picture alliance / Bernd Thissen)

Die Gelsenkirchener sind nicht gerade vom Glück verfolgt. In Leipzig vor einer Woche geraten sie nach zwei Minuten in Rückstand, weil Timo Werner beim Schiedsrichter mit seiner ganovenhaften Schauspieleinlage durchkommt. Am Ende verloren sie mit 1:2. Und nun an diesem Sonntag mussten die Schalker gegen den TSV Bayer 04 Leverkusen fast 90 Minuten in Unterzahl spielen, weil Naldo nach vier Minuten und einer Notbremse vom Platz flog. Am Ende verloren sie mit 0:1, weil Stefan Kießling kurz vor dem Schlusspfiff doch noch das Tor des Abends gelang. Grundsätzlich hatte das allerdings weniger mit Pech als vielmehr damit zu, dass der Kollege Sead Kolasinac sich einen Katastrophenrückpass leistete, der Naldo erst in die Verlegenheit brachte, den Leverkusener Chicharito so zu bedrängen, dass Schiedsrichter Deniz Aytekin keine andere Wahl hatte, als ihn, also Naldo, des Platzes zu verweisen. Und mit einem Spieler weniger wird's halt nicht leichter, auch wenn die Schalker lange Zeit viel Gutes daraus machten und zu zahlreichen Torchancen kamen - bis Kießling dann auf der Gegenseite traf. "Wir werden uns definitiv nicht für den Sieg entschuldigen", beeilte sich Leverkusens Sportchef Rudi Völler klarzustellen. "Wir haben aber auch schon verdienter gewonnen." Seine Mannschaft steht nun auf Rang acht und damit wieder etwas mehr in Sichtweite der Plätze, die den Europapokal bedeuten. Die Schalker müssen sich nach dem Start mit fünf Niederlagen hintereinander, der darauf folgenden Aufholjagd und nun erneut zwei Pleiten ein wenig gedulden, bis sie davon sprechen können, oben angreifen zu wollen. Das Potential hat die Mannschaft. Zurzeit ist sie nur nicht gerade vom Glück verfolgt.

6. Die Herthaner haben wieder Angst

Vielleicht, spekulierte Herthas Manager Michael Preetz, ergehe es der Mannschaft wie in der Rückrunde der vergangenen Saison. Vielleicht sagte er, habe sie ein wenig Angst, etwas ganz Großes zu schaffen. Vielleicht haben sie aber auch einfach nur scheiße gespielt - einer Lesart, der Pal Dardai anhängt: "Was habe ich falschgemacht als Trainer, wenn sechs, sieben, acht Spieler ohne Tagesform sind?" Das wissen wir auch nicht. Jedenfalls haben die Berliner gegen den SV Werder Bremen verloren, es damit nach sechs Heimsiegen in dieser Saison erstmals verbockt und es damit verpasst, den Abstand auf Leipzig auf drei Punkte zu verkürzen. Andererseits stehen sie immer noch auf Platz drei der Tabelle, was ihnen vor der Saison kaum jemand zugetraut hätte. Und so versuchte Preetz am Tag nach dem Spiel dann doch, etwas positive Stimmung zu verbreiten: "Es wäre wohl vermessen, zu erwarten, dass wir als Hertha 17 Heimspiele gewinnen. Das schafft nicht einmal der FC Bayern." Da hat er Recht, auch wenn das keine Erklärung für die schwächste Saisonleistung seiner Berliner ist. Oder wie es Dardai sagte: "Das war nicht Hertha BSC, das war eine komplett andere Mannschaft. Wenn man verliert, dann nicht so. Nach dem Spiel kannst du eine Niederlage akzeptieren, aber nicht schon während des Spiels." Ob sie vielleicht doch Angst haben?

Quelle: n-tv.de

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