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Abgeschmiert: Bei den Bayern hängt derzeit nicht nur Arjen Robben in der Luft.
Abgeschmiert: Bei den Bayern hängt derzeit nicht nur Arjen Robben in der Luft.(Foto: AP/dpa)

Von wegen eitel Sonnenschein: FC Bayern verliert die Kontrolle

Von Julian Vetten

Bayern-Präsident Uli Hoeneß sieht "seit drei Wochen schönen Dreck", Trainer Jup Heynckes will nicht aufs Abstellgleis: Der deutsche Rekordmeister kümmert sich trotz Titelchancen in drei Wettbewerben wieder einmal um hausgemachte Probleme.

Der Weg aus dem siebten bayerischen Himmel in die Krise findet in München bisweilen mit dem Expressaufzug statt: "Mit diesem Spiel haben wir die Vormachtstellung im deutschen Fußball zurück, die Verhältnisse sind geklärt", hatte Uli Hoeneß nach dem 1:0-Sieg über Borussia Dortmund vor ziemlich genau zwei Wochen noch getönt. Nach der 0:2-Pleite im Champions-League-Achtelfinalrückspiel gegen den FC Arsenal klang das dann schon ganz anders: "Wir spielen seit drei Wochen schönen Dreck", ereiferte sich der Präsident des FC Bayern.

Nicht erfreut: Bayern-Boss Uli Hoeneß
Nicht erfreut: Bayern-Boss Uli Hoeneß(Foto: picture alliance / dpa)

Moment mal, seit drei Wochen? Nüchtern betrachtet kann man an der Säbener Straße eigentlich wenig an der momentanen Situation aussetzen. In der Bundesliga haben die Bayern 20 Punkte Vorsprung auf den amtierenden Meister Dortmund und können bereits über Ostern die Meisterschaft perfekt machen. Im DFB-Pokal stehen die Münchner im Halbfinale und auch in der Champions League könnte der deutsche Rekordmeister die Pleite als Warnschuss verbuchen: Immerhin sorgte der 3:1-Auswärtssieg im Hinspiel für den Einzug ins Viertelfinale der Königsklasse. Bei den Spielern jedenfalls kam die deutliche Message an: "Das wirft einige Fragen auf. Vielleicht ist so ein Dämpfer in unserer Eitel-Sonnenschein-Welt ganz gut. Jetzt sprechen wir wieder kritischer über uns, extern und intern. Das hilft, uns wieder zu Höchstleistungen zu treiben", sagte zumindest Thomas Müller.

Für Hoeneß war das zwei Tage vor der Auslosung des nächsten Gegners an diesem Freitag jedoch kein großer Trost. "Wenn wir so wie heute spielen, gewinnen wir gegen keinen", sagte Hoeneß. Sicher, eine Glanzleistung präsentierten die Bayern vor heimischem Publikum nicht - am Ende fehlten die berühmten fünf Prozent. Was der Präsident nach dem Spiel aber in die Kameras des ZDF diktierte, klang dann doch ein bisschen überzogen: "Wir haben seit einigen Wochen, ob in Hoffenheim, gegen Düsseldorf oder heute, nicht mehr so gut gespielt." Zur Erinnerung: Sowohl gegen Hoffenheim (1:0) als auch gegen Düsseldorf (3:2) siegten die Münchner zuletzt in der Bundesliga, auch wenn sie dabei spielerisch nicht ganz auf der Höhe waren.

Luxusprobleme haben Tradition im Freistaat

Sollte Hoeneß mit seiner Brandrede am Ende vielleicht sogar versucht haben, von einem anderen schwärenden Problem in den Reihen der Bayern abzulenken? Noch-Trainer Jupp Heynckes, der im Sommer von Barcelonas Starcoach Josep Guardiola abgelöst wird, scheint seinen Abschied von den Münchnern nämlich doch nicht so leicht zu nehmen wie anfangs vermittelt. In einem Interview mit der "Abendzeitung" am Wochenende hatte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dem 67-Jährigen einen Platz im Beirat angeboten, für Heynckes ein rotes Tuch: "Das überrascht mich. Nach 50 Jahren im Fußball nehme ich kein Funktionärsamt an, das ist nicht meine Welt. Vor einiger Zeit hat mein Verein, das ist Borussia Mönchengladbach, mir das Vizepräsidentenamt angeboten. Da habe ich auch abgelehnt", brüskierte der Trainer daraufhin Rummenigge.

Von außen betrachtet muten die Sorgen der Bayern wie Luxusprobleme an, das allerdings hat Tradition im Freistaat: Hausgemachte Probleme gibt es immer dann, wenn es zu rund läuft an der Säbener Straße. Das war 2009 so, als Franz Beckenbauer dem erwiesenermaßen loyalen Stürmer Franck Ribéry attestierte, die Bayern seien ihm "wurscht". Und das war zwei Jahre später so, als ein Kompetenzgerangel zwischen Ex-Trainer Louis van Gaal und Sportdirektor Christian Nerlinger die Bayern in eine mittelschwere Krise stürzte.

Soweit ist der Unmut in den Münchner Reihen diesmal noch nicht gewachsen - Hoeneß und Co. müssen aber aufpassen, dass sie durch anhaltende Schwarzmalerei keine selbsterfüllende Prophezeiung auslösen. "Man setzt immer voraus, dass wir glanzvoll und mit zwei, drei Toren Abstand gewinnen. Aber das geht nicht. Man muss auch draußen merken, dass ein FC Bayern auch verlieren kann", sagte folgerichtig der Trainer. Und auch Hoeneß nahm zum Ende hin noch etwas Luft raus: "Wenn die Mannschaft jetzt die richtigen Konsequenzen zieht, dann ist es noch fünf vor Zwölf." Am Samstag können die Bayern in Leverkusen (18:30 Uhr) dann beweisen, dass sie auf ihren Chef hören.

Quelle: n-tv.de

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