Sport

"Wir haben gerade eine Hysterie": Fans fordern Gewalt-Dialog

Zurück zum Dialog - auf Augenhöhe. Diese Botschaft haben rund 250 Fußballanhänger beim Fangipfel in Berlin an die DFL und den DFB gesendet. Das von den Verbänden im Alleingang ausgearbeitete Strategiepapier "Sicheres Stadionerlebnis" stößt weiter auf Ablehnung: "Dieses Papier sollte in die Tonne gekloppt werden."

In Berlin herrschte Einigkeit - unter den versammelten Fußballfans.
In Berlin herrschte Einigkeit - unter den versammelten Fußballfans.(Foto: dpa)

Der Wunsch ließ keine Interpretationsspielräume zu: "Wir wollen einen Dialog. Wir wollen eine sachliche Diskussion führen", sagte Joachim Ranau. Der leitende Fanbeauftragte des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV sprach auf dem Fangipfel beim 1. FC Union Berlin mit ruhiger Stimme. 250 Anhänger und Vertreter aus 49 Fußballvereinen aus ganz Deutschland debattierten über die Zukunft des Fußballs. Kernpunkt dabei war das vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) ausgearbeitete Strategiepapier "Sicheres Stadionerlebnis".

Mit dem Konzept will der Ligaverband die Gewalt im und um das Stadion eindämmen. Dabei setzen DFL und DFB auf einen Maßnahmenkatalog - aus präventiven Konzepten und Sanktionen. Doch genau das stört die Fans. "Dieses Papier sollte in die Tonne gekloppt werden. Es darf keine Abstimmung geben, da dieses Konzept keine Akzeptanz hat. Man sollte bei Null anfangen", erklärte Sven Brux. Der Sicherheitsbeauftragte des FC St. Pauli schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die paritätisch besetzt ist. Dafür gab es sehr viel Applaus.

"Zeit von Befehl und Gehorsam ist vorbei"

Vor allem stört die Fans, dass sie bei der Erarbeitung des neuen Papiers nicht involviert wurden. Das sieht auch der designierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig als Fehler: "Die Zeit von Befehl und Gehorsam ist vorbei. Wir brauchen moderne Management-Methoden. Die Fans müssen mit einbezogen werden", sagte Rettig. Seine klare Botschaft: "Nur wenn wir gemeinsam sprechen, kommen wir weiter."

Für diese Aussage gab es Applaus. Doch Rettig und seine Kollegen von der DFL mussten sich auch Kritik gefallen lassen. Dass es einen Anstieg der Gewalt beim Fußball gebe, wie es propagiert wird, wollte der HSV-Fanbeauftragte Ranau nicht unterschreiben. "Auch in den 1990er Jahren gab es Gewalt - sie war sogar noch schlimmer", sagte er. "Wir haben gerade eine Hysterie, die keinem etwas bringt. Wir sollten aufeinander zugehen und zusammen Spielregeln erarbeiten, die von beiden Seiten akzeptiert werden. Dazu brauchen wir jedoch den Dialog. Und zwar auf Augenhöhe."

"Deutliches Lebenszeichen der Fans"

Der DFL-Fanbeauftragte Thomas Schneider begrüßte diese Forderung. "Dieser Fangipfel ist ein deutliches Lebenszeichen der Fans. Wir sollten die Fans mehr zurate ziehen", sagte Schneider. Er verwies darauf, dass das Strategiepapier "Sicheres Stadionerlebnis" ein Diskussionspapier sei. Am 12. Dezember will die DFL über ihr Konzept abstimmen lassen. Dass es in der ursprünglichen Form abgesegnet wird, scheint ausgeschlossen.

Beim Fangipfel in Berlin waren Vertreter von 16 Clubs aus der ersten, 14 aus der zweiten, 13 aus der dritten und sechs aus unterklassigen Ligen dabei. Welche Profi-Vereine in Berlin nicht vertreten waren, wurde nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de

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