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Sieht gut aus, ist aber verboten: Frankfurter Pyrotechniker beim Spiel in Leverkusen.
Sieht gut aus, ist aber verboten: Frankfurter Pyrotechniker beim Spiel in Leverkusen.(Foto: dpa)

Pyrotechnik-Exzesse der Frankfurter: Feuerwerker stehen im Abseits

Von Stefan Giannakoulis

Sie sind in der Minderheit, sorgen aber immer wieder für Ärger: Fußballfans, die in deutschen Stadion mit Pyrotechnik zündeln. Das ist verboten und unter Umständen auch gefährlich. Nun aber regt sich Widerstand unter den anderen Zuschauern.

Randale und Gewalt sind das eine, das Abbrennen von Pyrotechnik im Fußballstadion ist das andere. Oder noch deutlicher: Pyrotechnik ist kein Verbrechen. Doch selbst wenn im besten Fall niemand durch die Bengalos oder Feuerwerkskörper verletzt wird - es ist verboten. Auch wenn es gut aussieht. Und die Verursacher argumentieren, das Feuerwerk gehöre nun einmal zur guten Stimmung dazu. Dass die Verfechter der Pyrotechnik, eine verschwindend kleine Minderheit, immer mehr ins Abseits geraten, zeigt sich nun am Beispiel der Fans des Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Beim Spiel in Leverkusen, das die Eintracht mit 1:3 verlor, hatten die Pyrotechniker gleich zu Beginn der Begegnung wieder zugeschlagen, Schiedsrichter Wolfgang Stark unterbrach die Partie für sechs Minuten. Dem Verein droht nun eine harte Strafe, ein Spiel vor leeren Zuschauerrängen steht zur Debatte. Eine Sanktion, die von der Ohnmacht des Verbandes zeugt, eine Kollektivstrafe, die überwiegend die Falschen trifft. Die Frustration bei den anderen Zuschauern steigt, die Toleranz sinkt. Schließlich gibt es wichtigere Themen, die das Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball-Liga enthält. Zum Beispiel drohende Ganzkörperkontrollen oder die Absicht, Auswärtsfans bei so genannten Risikospielen unter Umständen auszuschließen.

Mehrere Fangruppen haben sich nun deutlich von den Feuerwerkern distanziert. Und betonen, dass verantwortungsvoller Umgang mit Feuerwerk anders aussieht: "Wir verurteilen insbesondere die abgeschossenen Raketen, gezündeten Böller und die noch brennend in den Innenraum geworfenen Bengalos", heißt es in einer Stellungnahme des "Nordwestkurven-Rats". Der Zusammenschluss von Fangruppen habe sich "seit jeher dafür eingesetzt und geworben, dass als Minimalkonsens zum Thema Pyrotechnik zumindest alles, was die Hand verlässt, unmissverständlich geächtet und verhindert wird. Wir müssen leider feststellen, dass dieser Konsens bisher nicht erreicht wurde".

Versachlichung sieht anders aus

Auch die "Ultras Frankfurt" haben sich kritisch geäußert. "Unsere allgemeine Einstellung zu Pyrotechnik dürfte hinlänglich bekannt sein", schrieb die Fangruppierung: "Wir möchten alle Eintrachtfans darüber informieren, dass das Zünden von Böllern, das Schmeißen von Bengalos und das Abschießen von Leuchtspur, insbesondere auch noch auf Spieler, nicht unsere Unterstützung findet." Nicht erst die Spaltung der Fans zeigt, dass diejenigen, die mit dem Feuer spielen, niemandem einen Gefallen tun. Sich nicht, den anderen Fans nicht, nicht dem Verein, nicht dem Spielern - und erst Recht nicht der verworrenen Debatte um die angeblich gefährdete Sicherheit in deutschen Stadien. Die von vielen Seiten geforderte Versachlichung sieht anders aus. Schnell war wieder von Chaoten und Unverbesserlichen die Rede. Wäre das Bild nicht so schief, wäre der Vergleich mit einem klassischen Eigentor statthaft.

Die Motive der Feuerwerker jedenfalls bleiben im Dunkeln. Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, sagte dem Berliner "Tagesspiegel", dass er keinen erkennbaren Grund für die Pyrotechnik-Exzesse in Leverkusen erkennen könne. "Ich vermute, dass es einen internen Anlass gegeben hat, der nichts mit der aktuellen Diskussion im deutschen Fußball oder dem laufenden Spiel zu tun hatte. Da stehen eigene Interessen im Vordergrund - und nicht die des Vereins oder der Fanszene als Ganzer." Allerdings warnte Gabriel davor, das verbotene Feuerwerk als einen Alleingang einer Schaar Unverbesserlicher abzutun. "Es greift zu kurz, wenn man das auf 15 bis 20 Leute reduziert, das Problem ist größer. Bei den Ultras Frankfurt finden viel zu viele solche Aktionen gut."

Vielleicht nicht mehr lange. Der "Nordwestkurven-Rat" konstatiert: "So wie bisher geht es nicht mehr weiter; jede weitere Pyro-Aktion würde uns unweigerlich noch tiefer in die Sackgasse führen, aus der heraus es kein Entkommen mehr gibt. Wenn wir das, was wir unter Fankultur verstehen, retten und bewahren wollen, darf es in dieser Saison keine Pyro-Aktionen mehr geben, die unserer Eintracht Schaden zufügen." Die spielt in dieser Saison übrigens sensationell auf, der Aufsteiger steht auf Platz vier der Tabelle. Auch das sieht gut aus.

Quelle: n-tv.de

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