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Francois Carrard, der Vorsitzende des Reform-Komitees der Fifa, hatte eindringlich für seine Vorschläge geworben - mit Erfolg.
Francois Carrard, der Vorsitzende des Reform-Komitees der Fifa, hatte eindringlich für seine Vorschläge geworben - mit Erfolg.(Foto: REUTERS)

28 Verbände stimmen nicht zu: Fifa-Kongress segnet Reformpaket ab

Der Kongress des Fußball-Weltverbands Fifa verabschiedet das angekündigte Reformpaket. Es umfasst unter anderem eine Gewaltenteilung und die Entmachtung des zuvor allmächtigen Präsidenten. Die Reformen treten allerdings nicht sofort in Kraft.

Der Fifa ist mit der Verabschiedung des großen Reformpakets der erste Schritt Richtung Neuanfang gelungen. Im Kampf gegen Korruption und Betrug wird sich der krisengeplagte Fußball-Weltverband damit komplett neu erfinden - einen Langzeitherrscher wie Ex-Präsident Joseph S. Blatter wird es in Zukunft nicht mehr geben.

"Hohe politische und juristische Stellen schauen darauf, ob sich bei der Fifa etwas ändert und ob der Wandel herbeigeführt wird", hatte Reinhard Rauball, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes, unmittelbar vor dem Kongress im "Morgenmagazin" von ARD und ZDF gemahnt. Im Zürcher Hallenstadion folgte dem DFB-Delegationsleiter die große Mehrheit der Verbände. Mit 179 von 201 gültigen Stimmen (89 Prozent) wurde das Paket von der großen Mehrheit abgesegnet. Die erwartete Kritik aus Afrika oder Asien blieb aus. 22 Verbände stimmten gegen das Paket, sechs gaben kein Votum ab.

"Große Chance, ein neues Kapitel aufzuschlagen"

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Unter anderem eine Gewaltenteilung, mehr Transparenz und Integrität sowie eine Frauenquote werden nun in die Fifa-Statuten implementiert. Die Veränderungen treten 60 Tage nach dem Kongress in Kraft. "Sie haben die große Chance, ein neues Kapitel aufzuschlagen", hatte Thomas Bach, der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitee, zuvor eindringlich an die Vertreter der Fifa-Mitgliedsverbände appelliert. Ein Scheitern wäre "ein Albtraum" gewesen, sagte auch der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach im SID-Gespräch vor Kongress-Beginn.

Die einflussreichen Sponsoren der Fifa sowie die Justizbehörden aus der Schweiz und den USA hatten den Neuanfang vehement gefordert - alles andere hätte den Weltverband noch viel, viel tiefer in die Krise gestürzt. Durch die wegweisende Entscheidung wird nun die Macht vom zuvor allmächtigen Exekutivkomitee, das in eine Art Aufsichtsrat mit mehr Mitgliedern (36 statt 24, darunter mindestens sechs Frauen) umgewandelt wird, hin zum Generalsekretariat wandern. Dort wird künftig das operative Geschäft mit den Milliarden-Deals abgewickelt. Der neue Rat hingegen ist "nur" noch für die politische Richtung verantwortlich. Der neue und lediglich noch eher repräsentative Präsident ist dadurch nicht mehr der rechtliche Vertreter der Fifa und auch nicht mehr zeichnungsberechtigt.

Reformpaket mit Fallstricken

Allerdings steckt dahinter der erste Fallstrick: Der neue und nunmehr sehr einflussreiche Generalsekretär wird künftig zwar nicht mehr vom Präsidenten ernannt und entlassen. Der neue Boss schlägt aber weiterhin einen Kandidaten vor, der vom Council abgesegnet wird. Mit dem Nachfolger des Deutschen Markus Kattner, der die Verwaltung derzeit übergangsweise führt, steht und fällt deshalb fast der komplette Neuanfang.

In dem neuen Rat wird zudem noch weiter der Großteil der Funktionäre sitzen, die in den vergangenen Jahren die Krise zu verantworten hatten. Der neue Integritäts- und Eignungscheck, der bei jedem neuen Ratsmitglied - gewählt wird weiterhin direkt in den Konföderationen - durchgeführt wird, fällt bei den Alteingesessenen aus. Auch gilt für die derzeitigen Exko-Mitglieder die neue Amtszeitbeschränkung von maximal zwölf Jahren nicht rückwirkend, die Uhr wird auf null gestellt.

Über allem wird künftig die unabhängige Audit- und Compliance-Kommission stehen, die beispielsweise alle Geldflüsse überwacht. In den dann nur noch neun ständigen Fifa-Kommissionen werden deutlich mehr unabhängige "Externe" sitzen. Für die personelle Zusammenstellung ist allerdings auch der Rat zuständig. Das Gehalt der hohen Amtsträger wird in Zukunft veröffentlicht.

Nach 13 Uhr beginnt dann die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten. Einen Kandidatencheck lesen Sie hier.

Quelle: n-tv.de

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