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Raketenalarm beim Training: Robbie Earnshaw.
Raketenalarm beim Training: Robbie Earnshaw.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Uefa sagt Spiel im Israel ab: Fußball in Zeiten des Krieges

Der Nahost-Konflikt wirft seinen Schatten auch auf den Fußball. Nun suchen die beiden israelischen Klubs in der Europaliga ein Stück Normalität. Eigentlich. Denn das Spiel von Kirjat Schmona gegen Athletic Bilbao ist mittlerweile abgesagt. Und der walisische Nationalspieler Robbie Earnshaw berichtet von "ungemütlichen Tagen".

Das weiße Trikot von Real Madrid mit der Nummer 23 und dem Schriftzug "Özil" ist blutverschmiert. Das Shirt soll einem 13-jährigen Jungen gehört haben, der am 8. November zu den ersten Opfern des aktuellen Nahost-Konflikts gehörte. Berichten zufolge wurde er nahe der Stadt Chan Yunis im Gaza-Streifen getötet, als er das tat, was er am liebsten getan hat: Fußball spielen.

Ein junger Fußballer - tot. Trainingsplätze, über denen Raketen explodieren. Erstligaspiele, bei denen Zuschauer über die Gefahren eines Luftangriffs aufgeklärt werden. Ein Nationalstadion, von Bomben zerstört. Kriegsbedingte Spielabsagen. Alltag in Israel, im Gaza-Streifen. Unter diesen Umständen suchen die israelischen Teilnehmer an der Fußball-Europaliga am Donnerstag Normalität. Hapoel Tel Aviv tritt bei Titelverteidiger Atlético Madrid an, Meister Ironi Kirjat Schmona sollte in Haifa gegen Athletic Bilbao spielen.

Doch die Europäische Fußball-Union hat die Partie nach langem Zögern abgesagt. Zum Umdenken hat die Funktionäre wohl die Bombenexplosion in einem Bus im Zentrum von Tel Aviv bewogen, bei der ersten Angaben zufolge mindestens 20 Menschen verletzt worden sind. Die Delegation aus Spanien wollte sich ursprünglich über Tel Aviv auf den Weg nach Haifa machen und war schon am Flughafen, als sie von dem Anschlag erfuhr. Daraufhin habe sie laut spanischen Medien die Uefa um die Absage gebeten. Dieser Bitte kam der Verband nach.

"Eine dumme Entscheidung"

Wie es In Tel Aviv ausssieht, berichtet Robbie Earnshaw. Der walisische Nationalspieler steht bei Hapoels Lokalrivale Maccabi unter Vertrag. "Es sind sehr seltsame und ungemütliche Tage", sagt Earnshaw. Der 31-Jährige berichtet von einem Raketenalarm, der ihn und seine Teamkollegen am vergangenen Donnerstag beim Training überraschte. "Ich hatte keine Ahnung, was zu tun war, als die Sirene losheulte. Dann sah ich rüber zu all den israelischen Jungs, die drei Jahre in der Armee gedient hatten - die wussten, was zu tun war." Earnshaw und seine Mitspieler suchten Schutz unter einem Dach vor den Umkleidekabinen.

Zwei Tage nach diesem Vorfall war der verletzte Angreifer auf dem Weg zum Derby zwischen Maccabi und Bnei Yehuda, als er wegen eines Alarms aus seinem Auto flüchten musste. Das Spiel fand - anders als die Begegnungen in den südlicher gelegenen Städten Be'er Sheva und Aschdod - dennoch statt. "Eine dumme Entscheidung", sagt Earnshaw. Tags darauf, wieder beim Training, "hörten wir einen lauten Knall". Direkt über ihnen hatte Iron Dome, das Raketenabwehrsystem, eine wohl aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Rakete abgeschossen. "Es war ein bisschen verrückt", meint Earnshaw. Der Fußballer, der einen Schutzraum in seinem Apartment hat, will erst einmal in Tel Aviv bleiben. Seine Schwester, die mit seinem zwei Jahre alten Sohn Silva zu Besuch war, als die Angriffe begannen, hat er aber erstmal nach Hause geschickt. Maccabis Manager Jordi Cruyff berichtet, es falle den Spielern "sehr schwer, sich zu konzentrieren". Die Zeitung "Haaretz" beschrieb die Reaktion von Fans und Fußballern auf die jüngsten Vorkommnisse dagegen als "mehr oder weniger normal". Alltag in Israel.

Quelle: n-tv.de

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