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Zu mir, Ihr Lieben: Mario Gomez lässt sich feiern.
Zu mir, Ihr Lieben: Mario Gomez lässt sich feiern.(Foto: imago/Seskim Photo)

Deutsche Legionäre im Formcheck: Gefeierter Gomez, unheimlicher Huth

Von Stefan Giannakoulis

Robert Huth steht mit Leicester nicht nur an der Spitze der Premier League - jetzt erzielt er auch noch Tore und klopft bei Joachim Löw an. Die DFB-Elf ist auch für Mario Gomez ein Thema, während ein WM-Rekordtorschütze auf der Bank versauert.

Gastarbeiter des Wochenendes

Robert Huth (Leicester City): Langsam, aber sicher wird die Sache ein wenig unheimlich, ein Fußballmärchen ist es allemal. Leicester demontiert in der englischen Premier League das Millionen-Ensemble von Manchester City mit sage und schreibe 3:1, führt weiter souverän die Tabelle an. Und Innenverteidiger Huth? Glänzt als zweifacher Torschütze. Nun fordern die ersten seine Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft. Sein österreichischer Kollege Christian Fuchs sagte dem "Kicker": "Joachim Löw könnte an Robert denken, ja. Er hätte es verdient, ich würde es ihm gönnen. Er nimmt das ganze Team mit durch seine Art. Er macht die Tore ja auch, weil er die Gegner kräftemäßig übertrumpft."

Guter Mann: Robert Huth.
Guter Mann: Robert Huth.(Foto: dpa)

19 Länderspiele hat der bislang bestritten, gab im Herbst 2004 kurz nach dem Amtsantritt von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer sein Debüt und gehörte bei der WM 2006 zum Kader. Doch kaum hatte nach Platz drei bei dem Turnier in Deutschland Löw das Amt übernommen, war Huth nicht mehr gefragt. Nur bei zwei Testspielen nach dem Saisonende im Juni 2009 gegen China (1:1) und die Vereinigten Arabischen Emirate (7:2) durfte er auflaufen, dann war Schluss im DFB-Team. Und weder Huth ("Wir reden nur über das nächste Match") noch Löw haben sich bisher zu einem Comeback geäußert. Denn auch wenn mit Jérôme Boateng vom FC Bayern der Abwehrchef lange ausfällt, ernsthaft realistisch scheint eine Rückkehr Huths nicht. Dafür verlegt er sich zu sehr aufs Kämpfen und Grätschen – und zu wenig auf die Spieleröffnung. Hinter Boateng sind da eher der Dortmunder Mats Hummels, Shkodran Mustafi vom FC Valencia und Antonio Rüdiger vom AS Rom die Löw'schen Kandidaten für die zentrale Defensive, auch der Münchner Holger Badstuber und der Leverkusener Jonathan Tah stehen bereit. Für uns aber gilt: Robert Huth ist der Gastarbeiter des Wochenendes.

Gefeiert

Mario Gomez (Besiktas Istanbul): Apropos Rückkehr in die Nationalelf - Angreifer Gomez darf sich durchaus Hoffnungen machen, bei der Europameisterschaft in Frankreich dabei zu sein, die für die DFB-Elf am 12. Juni in Lille mit der Partie gegen die Ukraine beginnt. "Eine Mannschaft, die Titel holen will, braucht einen Stürmer, der Tore schießt. Das ist mein Job", sagte Gomez nach seinem Doppelpack am Wochenende beim 4:0 gegen Gaziantepspor. Gemeint war allerdings sein Klub Besiktas aus Istanbul. Mit 15 Treffern führt Gomez nun die Torjägerliste in der türkischen Süper Lig vor Samuel Eto'o (14) an. "Ich habe viel trainiert, deswegen bin ich derzeit in dieser guten Form." Die Presse sieht das ähnlich: "Super Mario! Der deutsche Star steht bei 15 Toren in 18 Spielen, er ist die Nummer eins", schrieb die Tageszeitung "Zaman", das auflagenstärkste Blatt des Landes Türkei.

"Jetzt sind wir gefordert": Mesut Özil.
"Jetzt sind wir gefordert": Mesut Özil.(Foto: imago/Colorsport)

Mesut Özil (FC Arsenal): Nach 23 Minuten erzielte er in der Partie beim AFC Bournemouth das erste Tor, und weil der Kollege Alexander Mark David Oxlade-Chamberlain 90 Sekunden später ebenfalls traf, siegte Arsenal mit 2:0. Özil war zufrieden: "Der Sieg war so wichtig, um ganz oben dranzubleiben." Und er hat noch viel vor. Er will englischer Meister werden. "Unser Job ist es, Leicester City zumindest fürs Erste von dieser unglaublichen Euphoriewelle herunterzuholen." Denn am Sonntag (ab 13 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) geht es in London gegen das Sensationsteam der Saison. Arsenal liegt als Tabellendritter fünf Punkte hinter den Foxes, die sich im Vorjahr nur knapp vor dem Abstieg gerettet hatten. "Dass Leicester im Februar in der Tabelle so weit oben steht, ist sicherlich mit die größte Überraschung der letzten Jahre in den europäischen Topligen. Jetzt sind wir gefordert, daran etwas zu ändern." Das allerdings sei "verdammt schwer. Das ist brillant, was die aus ihrer Mannschaft herausholen. Davor muss man Riesenrespekt haben".

Gefragt

Kevin Trapp (Paris St. Germain): An der Seine träumen sie bereits von einer kompletten Saison in der französischen Ligue 1 ohne Niederlage. Mit 34 Partien saisonübergreifend hat PSG den alten Rekord längst übertroffen. In der Spielzeit 1994/1995 hatte der FC Nantes 32 Spiele nacheinander nicht verloren. "Ich denke, wenn wir so weitermachen, können wir es schaffen", sagte Kapitän Thiago Silva nach dem 2:1-Sieg bei Olympique Marseille. Und Trapp? War beim Gegentor von Marseilles Rémy Cabella zwar noch mit den Fingern am Ball, letztlich aber ohne Chance. Will meinen: Läuft für ihm.

Nebendarsteller

Toni Kroos (Real Madrid): Das 2:1 der Königlichen beim Tabellenvorletzten FC Granada in der spanischen Primera Division war kein Glanzstück, Kross selbst fiel im defensiven Mittelfeld auch nicht groß auf. Also konzentrierte er sich nach diesem mühsamen Erfolg auf das Wesentliche: "Wichtige drei Punkte." Kapitän Sergio Ramos sah das ähnlich: "Das war kein großes Spiel von uns, aber wir haben unser Ziel erreicht und gewonnen." Und weil der FC Barcelona ebenfalls gewann, bleibt es dabei: Bis zur Tabellenspitze sind es für Real auf Rang drei vier Punkte, Lokalrivale Atlético hat einen Zähler mehr auf dem Konto.

Wieder dabei: Lukas Podolski.
Wieder dabei: Lukas Podolski.(Foto: imago/Seskim Photo)

Lukas Podolski (Galatasaray): Nach vier langen Wochen, die er seiner Mannschaft verletzt gefehlt hatte, gab er nun beim 0:0 gegen Konyaspor sein Comeback, das mit unauffällig treffend beschrieben ist. Kurz vor der Pause kam der Weltmeister für Sinan Gümus in die Partie, fiel aber auf der linken Angriffsseite nicht groß auf - abgesehen davon, dass er die Gelbe Karte sah. Galatasaray bleibt auf Platz drei - zehn Punkte hinter Besiktas mit Gomez und zwölf hinter Spitzenreiter Fenerbahce.

Emre Can (FC Liverpool): Beim 2:2 gegen Sunderland war der gebürtige Frankfurter die volle Spielzeit mit von der Partie und machte seine Sache im Mittelfeld gut. Vor allem aber, wenn es darum geht, die Offensive anzukurbeln, erwartet Trainer Jürgen Klopp vom Nationalspieler sicher ein wenig mehr.

Antonio Rüdiger (AS Rom): Der AS Rom hat mit dem 2:1 gegen Sampdoria Genua im Stadio Olimpico den dritten Sieg hintereinander in der italienischen Serie A geschafft und ist in der Tabelle auf einen Punkt an den Tabellenvierten Inter Mailand herangerückt. Als Fünfter steht die Roma auch nur noch zwei Punkte hinter dem AC Florenz auf dem Champions-League-Qualifikationsplatz. Rüdiger stand wieder in der Startelf, erledigte seinen Job in der Innenverteidigung solide und war am Gegentreffer schuldlos.

Unglücklich

Miroslav Klose (Lazio Rom): Während seine Kollegen an diesem 24. Spieltag der Serie A nicht über ein torloses Remis beim FC Genua 93 hinauskamen und Lazio nun mit 33 Punkten auf Platz neun der Tabelle dümpelt, saß Klose, der WM-Rekordtorschütze, 90 Minuten auf der Bank. Gefallen haben dürfte ihm das nicht.

Per Mertesacker (FC Arsenal): Eigentlich hätte der Weltmeister ja spielen dürfen, seine Rotsperre jedenfalls hatte der Innenverteidiger abgesessen. Doch Trainer Arsene Wenger entschied sich beim 2:0 beim AFC Bournemouth für den Brasilianer Gabriel Paulista. Mertesacker saß wie Klose 90 Minuten auf der Bank und sah, wie seine Kollegen auch ohne ihn keinen Gegentreffer kassierten.

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona): Wirklich unglücklich dürfte der ehemalige Torhüter der Mönchengladbacher Borussia darüber nicht gewesen sein, das er bei der Partie beim Tabellenletzten UD Levante auf der Bank saß. Es ist halt, wie es ist: In der Liga spielt der Chilene Claudio Bravo, und das gut - Barça gewann mit 2:0 und bleibt auf Platz eins.

Shkodran Mustafi (FC Valencia): Nicht rund läuft es für den gebürtigen Nordhessen und seinen FC Valencia. Mittlerweile ist die Mannschaft des englischen Trainers Gary Neville auf Platz 14 der Primera Division abgerutscht. Dabei stand er im Gegensatz zu den Kollegen Klose, Mertesacker und ter Stegen bei der 0:1-Niederlage bei Betis Sevilla 90 Minuten auf dem Platz. Doch ein glückliches Ende nahm das nicht: Zum einen sah Mustafi die neunte Gelbe Karte in dieser Saison; und zum anderen erzielte er kurz vor dem Abpfiff ein Tor, dem Schiedsrichter Jose Maria Sanchez Martinez aber die Anerkennung verweigerte.

Lazarett

Sami Khedira (Juventus Turin): Während Juve von Sieg zu Sieg eilt und in der italienischen Serie A mittlerweile 14 Mal hintereinander gewonnen hat, musste Khedira 2:0 bei Frosinone Calcio zuschauen. Die Bianconeri hoffen nun auf eine schnelle Rückkehr Khediras für das Spitzenspiel gegen den Tabellenführer SSC Neapel am Samstag ab 20.45 Uhr und das Champions-League-Duell mit dem FC Bayern. "Wahrscheinlich wird Khedira in dieser Woche ins Training zurückkehren", kündigte Trainer Massimiliano Allegri an.

Bastian Schweinsteiger (Manchester United): Immer noch ist der ehemalige Münchner und Kapitän der DFB-Elf verletzt, also erlebte der das 1:1 im Spitzenspiel beim FC Chelsea nur als Zuschauer. Ob Trainer Louis van Gaal ihn vermisst?

Quelle: n-tv.de

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