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Kann nicht ohne den FC Bayern und der Verein nicht ohne ihn: Präsident Uli Hoeneß.
Kann nicht ohne den FC Bayern und der Verein nicht ohne ihn: Präsident Uli Hoeneß.(Foto: picture alliance / Nicolas Armer)

Bayern-Präsident Hoeneß: "Geld spielt überhaupt keine Rolle"

Zweieinhalb Jahre war Uli Hoeneß raus beim FC Bayern, saß wegen Steuerhinterziehung auch im Gefängnis. Nun ist er zurück. In einem Interview redet Hoeneß über "Wonnebär" Ancelotti, den vakanten Sportdirektor-Posten, den Erfolg von RB Leipzig - und Geld.

Uli Hoeneß dürfte einen schönen Samstagabend verlebt haben. Sein FC Bayern gewann mit 5:0 gegen den VfL Wolfsburg und eroberte die Tabellenspitze zurück. Wenn es nach Hoeneß geht, darf das wohl gern so bleiben. Seit zwei Wochen ist der 64-Jährige wieder Vereinspräsident. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung meldet er sich erstmals seit längerer Zeit wieder ausführlich zu Wort. Das sind die wichtigsten Themen aus dem zweiten Teil des Interviews:

Der unbesetzte Sportdirektor-Posten

Gefragter Mann: Gladbach-Manager Eberl.
Gefragter Mann: Gladbach-Manager Eberl.(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Abschied von Matthias Sammer ist die Position des Sportdirektors beim FC Bayern nach wie vor verwaist. Hoeneß hatte sich zuletzt für Max Eberl, bisher Manager bei Borussia Mönchengladbach, ausgesprochen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist hingegen für Bayern-Profi Philipp Lahm als Sammer-Nachfolger. Droht ein Konflikt der Alphatiere? Nein, sagt Hoeneß und erklärt: "Karl-Heinz hat sich total weiterentwickelt. Er war in meiner Abwesenheit der alles beherrschende Mann hier, an ihm ging nichts vorbei." Wenn jetzt noch einer da sei, der "natürlich eine Meinung hat, die er auch sagt", bestehe einfach wieder mehr Abstimmungsbedarf bei der Außendarstellung: "Da müssen wir in Zukunft noch geschickter sein, dass wir bestimmte Themen vorher besser abstimmen."

Die Besetzung des Sportdirektorpostens ist laut Hoeneß noch völlig offen. Die Stelle soll zum 1. Juli 2017 wieder besetzt sein. Das wichtige Gespräch zwischen Rummenigge, Lahm und ihm habe noch nicht stattgefunden. Hoeneß wünscht sich, dass Lahm noch bis 2018 spielt. "Philipp ist für diesen Verein im Moment als Sportler noch nicht zu ersetzen." Für Hoeneß ist es ein Nachteil, dass der Verein zurzeit keinen Sportdirektor hat. "Es gibt keine Verbindung zwischen Mannschaft und uns hier", sagt er. "Entscheidend ist, dass der Spieler weiß, egal was passiert: Ich habe da einen, an den ich mich wenden kann, wenn ich ein Problem habe."

Über sich selbst

Hoeneß wünscht sich eine enge Bindung zum Team. Darin sieht er auch seine eigene Stärke: "Das ist ja das, was die Fans bei mir so schätzen. Dass ich wie eine Glucke über diesem Verein hänge, und sie wissen: Da kann kommen, wer mag auf dieser Welt, der Hoeneß lässt den nicht durchs Isator."

Hoeneß würde offenbar ziemlich gern selbst wieder auf dem Platz stehen. "Wenn mir heute einer einen Jungbrunnen geben würde, ich würde sofort wieder trainieren." Es gebe keine bessere Zeit, als Spieler zu sein. "Ich habe jetzt auch wieder eine wunderschöne Zeit. Aber Fußball ist Fußball. Im Stadion zu spielen, das ist traumhaft."

Über Carlo Ancelotti

Seit Sommer Coach des FC Bayern: Carlo Ancelotti.
Seit Sommer Coach des FC Bayern: Carlo Ancelotti.(Foto: picture alliance / Andreas Geber)

Er mag den neuen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti, daran lässt Hoeneß keinen Zweifel. "Ich schätze diesen Mann ungeheuer, ein sehr sympathischer Mann, eine fantastische Person." Er kritisiert die öffentliche Beurteilung des Trainerwechsels. Es habe ihn gestört, dass die Medien Ancelotti "zu einer Art Anti-Pepp" aufgebaut hätten. "Pep war angeblich unhöflich, habe die Spieler zu kritisch behandelt - und jetzt kommt der Wonnebär Ancelotti, und der braucht nur die Hand auflegen - und alles klappt." Mit Guardiola ist Hoeneß nach eigenem Bekunden "sehr eng befreundet", bei Ancelotti kann er sich auch vorstellen, dass das eines Tages so sein wird.

Sportlich sieht Hoeneß durchaus noch Luft nach oben. Aus seiner Sicht habe "ein bisschen Selbstzufriedenheit Einzug genommen - und das muss jetzt erst wieder raus". Der FC Bayern müsse nach Wolfsburg nun auch in Darmstadt und "das große Spiel gegen Leipzig gewinnen". Dann werde man eine gute Saison hinlegen.

RB Leipzig

Hoeneß sieht am Weg des Bundesliga-Aufsteigers RB Leipzig nichts Negatives. "Ohne Mateschitz und ohne Red Bull gäbe es im Osten keinen wettbewerbsfähigen Fußballverein und deswegen kann ich da nix Negatives finden." Den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung hält er für völlig unangemessen. Bei Manchester City stecke der Emir von Abu Dhabi viel Geld rein. "Das ist in England gang und gäbe." Der Leipziger Erfolg, so Hoeneß, reize ihn. "Das wird ein spannendes Rennen."

Hoeneß spricht auch über die aus Sicht vieler Fußballfans umstrittene Entwicklung der TSG Hoffenheim. "Die Anfeindungen gegen meinen Freund Dietmar Hopp habe ich nie verstanden. Das war eine Riesenschweinerei."

Geld

"Das Geld spielt überhaupt keine Rolle", sagt Hoeneß auf die Frage, ob der Klub künftig noch Ablösesummen von 100 Millionen Euro, etwa für Bayern-Star Thomas Müller, widerstehen könne. Die entscheidende Frage sei, ob man einen Spieler unbedingt brauche oder nicht. "Wenn wir das Gefühl haben, dass wir einen Spieler unbedingt brauchen, dann kann kein Geld der Welt diese Meinung ändern."

Hoeneß rät den Spielern, bei ihrer Vereinswahl nicht nur danach zu gehen, wo sie das meiste Geld verdienen können. Es gehe darum, sich wohlzufühlen. "Früher war es ja so, dass, wenn du statt einer halben Million eine Million verdienen konntest, dann war das eine Steigerung von 100 Prozent. Das ist viel. Wenn du aber zehn statt zwölf Millionen verdienen kannst – dann macht das in der Relation nicht so den großen Unterschied."

Hoeneß sagt den Spielern nach eigenen Angaben deshalb häufig: "Denkt nicht ans Geld, sondern genießt das Spiel. Jetzt ist die schönste Zeit eures Lebens." Dennoch ist er davon überzeugt, dass es bald Transfers über 150 oder 200 Millionen Euro Ablöse geben wird. "Und ich kann mir vorstellen, dass Messi dabei vielleicht ein Thema wird."

Der Überblick zu Teil 1 des Hoeneß-Interviews.

Quelle: n-tv.de

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