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Löws Mann für Plan C? Mario Gomez.
Löws Mann für Plan C? Mario Gomez.(Foto: dpa)

Deutsche Legionäre im Formcheck: Gomez wirbt, Großkreutz brennt, Özil patzt

Von Tobias Nordmann und Stefan Giannakoulis

Mario Gomez dient sich dem Bundestrainer als Mann für Plan C bei der EM an, Kevin Großkreutz fliegt mit dem VfB erstmal in die Türkei, Schweinsteiger ist gut drauf - und Mesut Özil gelingt ein seltenes Kunststück.

Gastarbeiter des Jahres

Kevin Großkreutz (Galatasaray): Er ist Weltmeister, damit muss er leben - auch wenn er beim Titelgewinn der DFB-Elf im Sommer 2014 in Brasilien nicht eine Minute gespielt hat. In der Saison nach der WM kam er in der Katastrophenhinrunde der Dortmunder Borussia dann noch 15 Mal in der Bundesliga zum Einsatz, nach der Winterpause wurde er zweimal eingewechselt, am 18. und 19. Spieltag. Das war's dann für Mittelfeldspieler, Trainer Jürgen Klopp brauchte ihn nicht mehr. Im Sommer wechselte Großkreutz zu Galatasaray nach Istanbul in die Türkei.

"Nach der unglücklichen Zeit in Istanbul brennt Kevin darauf, endlich wieder Fußball zu spielen."
"Nach der unglücklichen Zeit in Istanbul brennt Kevin darauf, endlich wieder Fußball zu spielen."(Foto: imago/Pressefoto Baumann)

Dort hat er seitdem keine Minute gespielt. Das lag allerdings nicht an ihm, sondern an der Schlampigkeit seines neuen Arbeitgebers: Der ließ sich 48 Sekunden zu lange Zeit, den Wechsel beim Weltverband Fifa zu melden. Daraufhin sperrte der Verband Großkreutz für ein halbes Jahr. Nun, nach der Winterpause, hätte er wieder spielen dürfen - doch er sucht sein Glück beim VfB Stuttgart, dem Viertletzten der Bundesliga. Trainer Jürgen Kramny behauptet: "Er war Feuer und Flamme für den VfB. Es war für ihn von vornherein die beste Adresse." Sportvorstand Robin Dutt sagte: "Nach der unglücklichen Zeit in Istanbul brennt Kevin darauf, endlich wieder Fußball zu spielen." Und zog einen interessanten Vergleich: "Kevin und wir sind in einer ähnlichen Lage. 2015 konnten Verein und Spieler nicht zeigen, was in ihnen steckt." Erst einmal fahren sie gemeinsam ins Trainingslager - nach Belek, in die Türkei. Und dann dürfen beide sich im Abstiegskampf beweisen.

Gefeiert

Mario Gomez (Besiktas): Die türkische Süper Lig pausiert noch bis zum 17. Januar und da Besiktas nach der Hinrunde die Tabelle vor dem Istanbuler Konkurrenten Fenerbahce anführt, ist die Laune dementsprechend gut. Auch bei Gomez, der nach 13 Toren und 17 Partien weiter kräftig dafür wirbt, dass Joachim Löw ihn im Sommer mit zur EM nach Frankreich nimmt. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft funktioniere zwar "wirklich wunderbar mit der falschen Neun"; und: "Deutschland wird auch in Zukunft ganz viele Spiele ohne einen Stürmer gewinnen." Aber, und jetzt kommt's: "Es ist gut, einen zu haben, wenn man einen braucht, gerade bei einem Turnier. Man braucht immer einen Plan B oder C. Oder, je nach Spiel, noch mehr." Abgesehen davon sei es so: "Ich weiß, dass am 10. Juli das Finale ist, das ist mein Geburtstag. Da könnte ich mir ein schönes Geschenk machen."

"Das ist frustrierend": Toni Kroos.
"Das ist frustrierend": Toni Kroos.(Foto: imago/Cordon Press/Miguelez Sports)

Toni Kroos (Real Madrid): Die lebende Passmaschine war beim 2:2 in der spanischen Primera Division beim FC Valencia Mister 100 Prozent: Der Mittelfeldspieler, der am Montag seinen 26. Geburtstag feierte, spielte während der Partie 80 Pässe - ohne einen einzigen Fehlpass. Zudem bereitete Kroos den 2:1-Führungstreffer durch Gareth Bale vor. Hinter war Kroos dennoch enttäuscht. "Das war eines unserer besten Spiele in dieser Saison, aber wir haben einen big point verpasst. Das ist frustrierend, aber wir müssen genauso weitermachen." Er vielleicht, sein Trainer Rafael Benítez nicht mehr. Für ihn übernimmt nun Zinedine Zidane das Zepter bei den Königlichen.

Gefragt

Mesut Özil (FC Arsenal): Verrückt, dass wir das noch erleben dürfen: Mesut Özil hat beim 1:0-Erfolg gegen Newcastle United KEIN Tor vorbereitet und auch KEINEN Treffer erzielt. Was für ein Patzer - der Weltmeister in der Krise? Was für ein Quatsch! Natürlich war der Spielmacher wieder einmal die zentrale Figur im Spiel seiner Mannschaft - und irgendwie auch am Siegtreffer beteiligt. Der 27-Jährige trat nämlich die Ecke, die das Tor von Innenverteidiger Laurent Koscielny ermöglichte. Da die Hereingabe von Özil aber zunächst abgewehrt wurde und erst über Umwege zum Franzosen gelangte, können wir ihm beim besten Willen keinen Assist gutschreiben. Er wird's verkraften, schließlich haben die Gunners ihre Führung in der englischen Premier League auf Leicester City auf immerhin zwei Punkte ausgebaut.

Per Mertesacker (FC Arsenal): Von Mertesacker können wir eigentlich fast jede Woche berichten: Der Weltmeister hält den defensive Laden beim FC Arsenal zusammen. Als zentrale Kraft in der Innenverteidigung ist es auch sein Verdienst, dass die Gunners die drittbeste Defensive der Liga stellen. Gegen Newcastle spielte der "big fucking german" wieder einen grundsoliden Stiefel. In den direkten Duellen stand er fast immer richtig, ließ nur einmal eine Torchance zu.

Mittendrin: Bastian Schweinsteiger.
Mittendrin: Bastian Schweinsteiger.(Foto: REUTERS)

Bastian Schweinsteiger (Manchester United): Der Kapitän der Nationalmannschaft ist gut drauf. "Der beste Weg ins Jahr zu starten! Sehr wichtiger Sieg für uns", twitterte Schweinsteiger und darf sich dabei durchaus ans Revers heften, einen sehr ordentlichen Beitrag zum guten Gelingen geleistet zu haben. Beim 2:1-Erfolg gegen Swansea City war er an der Entstehung beider Treffer beteiligt. Zusätzlich verdiente er sich Fleißkärtchen in den Bewertungskategorien "Zweikampfführung", "Laufbereitschaft" und "Spieleröffnung".

Antonio Rüdiger (AS Rom): In der italienischen Serie A geht es am Dreikönigstag weiter, am Mittwochnachmittag spielt die Roma, ihres Zeichens auf Platz, beim Tabellenelften AC Chievo Verona. Und Rüdiger? Hält sich für so gefragt, dass er sagte: "Ich denke nicht, dass ich nach Stuttgart zurückkehren werde. Ich glaube, dass Rom mich fest verpflichten will." Angeblich verhandelt Rom mit dem VfB, um die Ablösesumme zu drücken. Für das Leihgeschäft hatte die der Hauptstadtklub vier Millionen Euro an die Schwaben überwiesen.

Sami Khedira (Juventus Turin): Er spielt zwar nicht, ist aber trotzdem präsent und schlägt völlig überraschend Alarm: Der Leitwolf sieht die deutschen Weltmeister fünf Monate vor der Europameisterschaft weit von der Titelform entfernt, wie er in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" erklärte. "Wenn wir ehrlich sind, hätten wir in unserer aktuellen Verfassung keine Chance." Seiner Meinung nach waren die Leistungen in den vergangenen Monaten schlichtweg "nicht gut genug". Jeder wisse, "dass wir alle noch eine Schippe drauflegen müssen". Nun, da können und wollen wir dem Weltmeister nicht widersprechen.

Robert Huth (Leicester City): Das Überraschungsteam aus Leicester steckt in der Krise. Drei Spiele in Serie hat Huths Mannschaft in der Premier League nicht gewonnen - eine Niederlage (0:1 gegen Liverpool) und zwei Remis stehen zu Buche. In den drei Partien hat City keinen einzigen Treffer erzielt. Dass das Team aber auch nur ein Tor kassiert hat, kann sich Huth gutschreiben lassen. Als Stammkraft in der Innenverteidigung ist er maßgeblich dafür verantwortlich, dass City auch ohne eigene Tore noch punktet - wenn derzeit auch nur sehr spärlich.

Geschmäht

So geschmäht dann auch wieder nicht: Marc-André ter Stegen.
So geschmäht dann auch wieder nicht: Marc-André ter Stegen.(Foto: dpa)

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona): Weil der ehemalige Torwart der Borussia aus Mönchengladbach bei Barça nur auf der Bank sitzt, wenn es in der Primera Division um die spanische Meisterschaft geht, kursierte in englischen Medien das Gerücht, dass die Katalanen ihn für 27 Millionen Euro verkaufen würden und der FC Liverpool an ihm interessiert sei. Trainer Jürgen Klopp aber stellte unmissverständlich klar: "Nein, unsere Torhüter-Situation ist in Ordnung. Mit Simon Mignolet haben wir einen wirklich guten Keeper." Was ja nicht nur gegen ter Stegen spricht.

Nebendarsteller

Lukas Podolski (Galatasaray): Er mag zwar in Istanbul spielen, mit dem Herzen aber ist er immer noch in Köln. Sein zweites Kind, das möglicherweise während der EM kommen wird, solle in jedem Fall "in Köln zur Welt kommen, damit es gleich eine Verbindung zu der Stadt und dem FC hat", sagte er dem "Express". Danach werde seine Familie aber mit dem neuen Nachwuchs mit in die Türkei kommen: "Ja, Istanbul ist jetzt mit Mittelpunkt. Nach der Geburt werden wir dort zusammen leben."

Emre Can (FC Liverpool): Beim 0:2 in London bei den Hammers aus West Ham in der Premier League war der defensive Mittelfeldspieler in einer schlechten Mannschaft noch einer der Besseren. Und verpasste es in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit beim Stand von 0:1, den mutmaßlich gar nicht so unwichtigen Ausgleich zu erzielen - doch sein Schuss prallte an die Latte des gegnerischen Tores.

Zuschauer

Shkodran Mustafi (FC Valencia): Während auf der Gegenseite sein Nationalteamkollege Kroos keinen einzigen Fehler machte, konnte das auch Mustafi nach dem 2:2 seines FC Valencia gegen Real Madrid von sich behaupten - er saß angeschlagen auf der Tribüne.

Miroslav Klose (Lazio Rom): Der Altmeister hat nach seiner Verletzungspause das Training beim italienischen Erstligisten zum Jahresende wieder aufgenommen. Der in der laufenden Spielzeit noch torlose Klose peilt sein Serie-A-Comeback im Heimspiel an diesem Mittwoch gegen den FC Carpi an.

Quelle: n-tv.de

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