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So läuft der 25. Spieltag: Guardiola mahnt, BVB brennt, Schmidt blufft

Von Christian Bartlau

Und plötzlich wären es nur noch zwei: Wenn, ja wenn der BVB am 25. Spieltag den FC Bayern schlägt, ist das Titelrennen wieder offen. Im Keller verbreitet ein Greis Angst und Schrecken, und der Hoffa’sche Fettkörper kostet Arbeitsplätze.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Sie reisen an diesem 25.Spieltag der Fußball-Bundesliga mit schlotternden Knien nach Dortmund. Wenn es nach den Dortmundern geht. "Die Bayern wissen natürlich auch, dass wir sie zu Hause schlagen können", raunte BVB-Youngster Erik Durm nach dem 2:0 in Darmstadt. Ein wahres Wort - aber, lieber Erik Durm, gleichzeitig wissen die Bayern natürlich auch, dass sie 5:1 gewinnen können. So geschehen im Hinspiel, das die Kräfteverhältnisse erst einmal auf brutale Art und Weise zurechtrückte. Aber nicht nur treffen die Bayern nun auf einen "anderen BVB", wie Josep Guardiola warnt, es fehlen dem Rekordmeister im Vergleich zum Oktober auch drei Dinge: Jerome Boateng, Javi Martinez und die Selbstverständlichkeit.

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"Wir reden immer über dieselben Dinge", empörte sich Arjen Robben nach dem 1:2 gegen Mainz am Mittwoch. Tatsächlich waren es wieder mal vor allem die schnellen Gegenangriffe, bei denen die Münchner verwundbar waren. Das war schon in Guardiolas allererstem Bundesligaspiel so, wirklich in den Griff bekommen hat er das Problem nie. Deswegen mehren sich die Zweifel am Trainer und seiner großen Mission, dem Triple. Seit der Winterpause fehlt seinem Team sichtbar der letzte Punch, gegen Juve gaben die Bayern ein 2:0 aus der Hand, gegen Mainz reichten rund 80 Prozent Ballbesitz nicht aus. Die "Süddeutsche Zeitung" bemängelte nach der ersten Heimniederlage der Saison übrigens, die Münchner hätten "zu viel Dortmund im Kopf" gehabt. Immerhin: Daran wird’s am Samstag nicht liegen.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Satte 19 von 21 möglichen Punkten in der Rückrunde, Titelchancen im DFB-Pokal und in der Europaliga - und nun bietet sich dem frittenfettheißen BVB unversehens die Riesenchance, die Bundesliga wieder spannend zu machen. Dargereicht vom alten Tuchel-Klub Mainz 05, der auf Twitter gleich mal den Einheizer gab: "Over to you, Thomas Tuchel", schrieben die Mainzer, der BVB reagierte mit einem knappen "Challenge accepted". Alles natürlich auf Englisch, das wird die DFL gern sehen. Die Liga vermarktet das Gigantenduell ja nicht als "deutschen Clásico", wie lange Zeit der etwas ungelenke Hilfsbegriff lautete, sondern unter dem Motto "Der Klassiker". Wer da an Oliver Bierhoff und "Die Mannschaft" denkt, ist auf der richtigen Fährte. Das richtige "Feeling" bekommen Sie übrigens, wenn Sie es englisch aussprechen: Dör Klässikör. Das riecht nach weiter Welt, das riecht nach Abermilliarden aus der Auslandsvermarktung. Wir als staatlich diplomierte Korinthenkacker kommen allerdings nicht umhin anzumerken, dass das Duell Bayern München gegen Borussia Dortmund nicht einmal in den Top Ten der meistgespielten Begegnungen der Bundesliga vorkommt.

Sei es drum - sportlich gibt es ohne Frage in der Bundesliga derzeit keine interessantere Partie. Noch nie gab es ein Spitzenduo mit so vielen Punkten wie Bayern und Dortmund, noch nie gab es einen so guten Zweiten wie den BVB. Die beiden Topstürmer Robert Lewandowski (23) und Pierre-Emerick Aubameyang (22) bringen es gemeinsam auf 45 Tore, das schafften zuletzt Gerd Müller und Jupp Heynckes in der Saison 1973/74. Viel wichtiger noch: Gewinnt der Gastgeber, beträgt der Abstand zu den Bayern nur noch zwei Punkte. "Der Ball liegt bei uns", sagt Trainer Thomas Tuchel angrifflustig. Und Kapitän Mats Hummels freut sich stellvertretend für die ganze Liga: "Samstag wird ein geiles Spiel, es wird brennen bei uns."

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Auf diesen Martin Schmidt sollte die Liga aufpassen. Der Schweizer beherrscht die Kunst der Täuschung perfekt. Als Saisonziel gab der Mainzer Trainer allen Ernstes aus: "Wir wollen mitten in den Herzen unserer Fans und unserer Stadt landen." Dorthin haben sie es geschafft - und so ganz nebenbei noch in die Nähe der Champions-League-Plätze. Den Sieg bei den Super-Super-Bayern quittierte er mit ungläubigem Kopfschütteln, die Gratulation von Josep Guardiola nahm er noch entgegen wie ein schüchterner Konfirmand den Segen des Pfarrers. Dann aber lüftete er das Geheimnis: "Wir haben immer nur vom Sieg geredet." Ein Bluffer also, der sich jetzt mit einem Erfolg zuhause gegen die zuletzt in vier Partien sieglosen Darmstädter in der Verfolger-Verfolgergruppe festsetzen kann.

Zielstellung Europa: Mitchell Weiser.
Zielstellung Europa: Mitchell Weiser.(Foto: imago/Camera 4)

Für Schmidtsche Täuschmanöver ist es bei der Hertha zu spät, die Berliner können die Tarnkappen abnehmen. "Wenn wir am Sonntag in Hamburg gewinnen, können wir uns gegen die Zielstellung Europa nicht mehr wehren", sagte der zuletzt starke Mitchell Weiser. Ganz anders die Situation beim Gastgeber: Nur ein Erfolg in den letzten zehn Partien, Kapitän Johan Djourou fehlt gesperrt - Gerüchten zufolge hat Dino-Maskottchen Hermann seinen Jahresurlaub schon um eine Woche verschoben.

Um den Anschluss an die Europapokalplätze kämpft Wolfsburg im Heimspiel gegen Gladbach. Die Vorzeichen stehen gut: Die Weltmeister Julian Draxler und André Schürrle explodierten gegen Hannover förmlich, von den letzten zehn Heimspielen gegen die Fohlen ging keines verloren. Und betrachtet man die direkte Konkurrenz, besteht noch viel Hoffnung für die Wölfe: Schalke fehlt weiter die Konstanz und bekommt es mit dem 1. FC Köln zu tun, der unter Trainer Peter Stöger in drei Spielen gegen S04 neun Punkte geholt hat. Völlige Fassungslosigkeit herrscht derweil in Leverkusen, das 1:4 gegen Bremen war die dritte Bundesliga-Pleite hintereinander. Weltmeister Christoph Kramer sprach von "Totalversagen", in der aktuellen Form wird die Auswärtspartie in Augsburg eine unangenehme Aufgabe.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

In der Bundesliga gibt es zwei Ballungszentren: Von Wolfsburg auf Rang acht sind es nur fünf Punkte bis auf Platz vier, der den Einzug in die Champions-League-Qualifikation bedeutet. Fünf Punkte liegen auch zwischen dem HSV auf Platz elf und dem Relegationsrang. Nur der FC Ingolstadt und der 1. FC Köln schlendern im Niemandsland der Tabelle umher, der Rest kämpft um Europa oder gegen den Abstieg. Im Keller lieferten sich die Mannschaften in den vergangenen Jahren ja regelmäßig Schneckenrennen, das sieht in dieser Saison anders aus. Dafür sorgen zwei Männer, zwischen denen neun Jahre und 186 Bundesligatore liegen: Julian Nagelsmann und Claudio Pizarro.

Dreierpack in Leverkusen: Claudio Pizarro.
Dreierpack in Leverkusen: Claudio Pizarro.(Foto: imago/Team 2)

Der Peruaner von Werder Bremen, 37 Jahre alt, hat in seinem Fußballerleben schon weit mehr Frühlinge erlebt als das durchschnittliche Wiesenhof-Huhn. Mit seinem Dreierpack in Leverkusen lässt er an der Weser die Hoffnung auf den Klassenerhalt blühen - und versetzt die Hannoveraner, die am Samstag zum Kellerduell anreisen, in Angst und Schrecken. 96-Coach Thomas Schaaf weiß ohnehin, womit er rechnen muss. Er gewann mit Werder und Pizarro 2009 den DFB-Pokal und setzt auf alte Verbundenheit: "Claudio ist ein überragender Spieler, aber während des Spiels muss er sich etwas zurückhalten."

Während der älteste Feldspieler der Liga weiter seine Tore schießt, verwandelt der jüngste Trainer der Liga seine TSG Hoffenheim wieder in einen ernstzunehmenden Nichtabstiegskandidaten. Sieben Punkte aus vier Spielen, nur noch zwei Zähler Abstand zu Rang 16. "Die Aufbruchstimmung ist da", sagt Nagelsmann. Am Samstag geht es zu den Stuttgartern, die nach zwei Niederlagen wieder nach unten schauen müssen. Das 0:4 gegen Gladbach war deftig, aber Kevin Großkreutz hat nach der Pleite und seinem seinem Slapstick-Eigentor schon seine Antwort gegeben - zumindest auf Instagram: "Ich habe schon so viel im Leben erlebt, bin jedes Mal durch Kampf und Leidenschaft zurückgekommen."

Für welchen Trainer wird's eng?

Wenn es Armin Veh erwischt, dann hat ihn der Hoffa’sche Fettkörper den Job gekostet. Der renommierte Züricher Orthopäde Prof. h.c. PD Dr. med Matthias Steinwachs nennt das Fettgewebe die "Aufsichtsbehörde im Knie" und erklärt in diesem lesenswerten Interview, was es so wichtig macht: "Er wird intensiv durchblutet und ist durch seinen hohen Anteil an Monocyten auch an Immunreaktionen beteiligt. Daneben ist er stark innerviert. Die schnellen C-Fasern sprechen für eine regulatorische Funktion." Was auch immer das bedeutet: Dieser Hoffa’sche Fettkörper bereitet Alex Meier gerade Probleme, der Torjäger vom Dienst der Eintracht fiel bei der Niederlage in Berlin aus und könnte auch gegen Ingolstadt fehlen. Schlechtes Timing: Die Eintracht ist seit sechs Spielen ohne Sieg, die letzten drei Partien ohne Tor – und mittendrin im Abstiegsschlamassel. Veh braucht gegen den FCI einen Sieg, für den wiederum braucht er Tore, aber von den 27 Treffern seiner Eintracht gehen eben allein 12 auf das Konto von Alex Meier. Vor der Niederlage in Berlin hatte es Veh mit Zweckoptimismus versucht: "Es wird ja sowieso Zeit, dass mal ein paar andere ein paar Tore schießen." Wenn das Plan A war, wird es Zeit für Plan B: Veh sollte sich mal nach der Nummer von Prof. h.c. PD Dr. med Matthias Steinwachs erkundigen.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich höre gern Tim Bendzko. In seinem Lied "Es wird nicht einfach sein" singt er: Was wäre, wenn alles einfach wäre. Daran halte ich mich. Ich liebe den Nervenkitzel." Ein crazy Typ, dieser Julian Nagelsmann.

Quelle: n-tv.de

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