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Cléber soll die Hamburger Abwehr gegen den FC Bayern zusammenhalten.
Cléber soll die Hamburger Abwehr gegen den FC Bayern zusammenhalten.(Foto: imago/Michael Schwarz)

Keine Angst vorm FC Bayern: HSV lässt Cléber aus der Konservendose

Von Stefan Giannakoulis, Hamburg

Ein Sieg gegen den FC Bayern wäre ein kleines Fußballwunder, dennoch tritt der Hamburger SV zum Rückrundenauftakt der Bundesliga an. Er hat ja einen Brasilianer, der keine Furcht kennt - nur vor seinen Eltern.

Nun kennen wir die Familie von Cléber Janderson Pereira Reis aus São Francisco do Conde aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia nicht persönlich. Aber Cléber, der bei den Fußballern des Hamburger SV in der Innenverteidigung angestellt ist, hat vor dem Rückrundenauftakt der Bundesliga an diesem Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) etwas Interessantes gesagt. "Natürlich ist es etwas Besonderes, gegen die Bayern zu spielen. Aber Angst? Hab' ich nur vor meinen Eltern, wenn ich etwas falsch mache." So gesehen ist Cléber, 25 Jahre alt, heute auf der sicheren Seite. Sein Vater hat Flugangst. Und seiner Mutter ist es in Deutschland zu kalt. Zumindest hat er das einmal dem "Hamburger Abendblatt" erzählt.

Hamburg - München 1:2 (0:1)

Hamburger SV: Adler - Diekmeier, Djourou, Cléber, Ostrzolek - Kacar (81. Gideon Jung), Holtby - Müller, Hunt, Ilicevic (69. Gregoritsch) - Lasogga (77. Rudnevs). - Trainer: Labbadia
FC Bayern München: Neuer - Jerome Boateng (56. Martinez), Badstuber, Alaba  - Lahm, Thiago - Costa (81. Robben), Alonso, Coman - Thomas Müller  (69. Vidal), Lewandowski. - Trainer: Guardiola
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Tore: 0:1 Lewandowski (37., Foulelfmeter), 1:1 Hunt (53.), 1:2 Lewandowski (61.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)

Die Münchner aber werden sich ins Flugzeug setzen und heute in Hamburg antreten. Für den HSV ist das keine gute Nachricht - abgesehen davon, dass das Volksparkstadion mit seinen 57.000 Plätzen ausverkauft ist. Ansonsten aber ist es so: Von den jüngsten zwölf Partien haben die Hamburger neun verloren, dreimal schafften sie ein Remis. Dabei schossen sie sechs Tore - und die Bayern 53. Beim ersten Spiel dieser Saison, das der FC Bayern daheim mit 5:0 gewann, war der furchtlose Cléber allerdings nicht dabei. Emir Spahic hatte den Job in der Abwehrzentrale bekommen.

Nun aber ist Cléber dabei - weil Spahic verletzt ist. Und der Brasilianer wittert seine Chance, nachdem er in der Hinrunde nur fünf Mal über 90 Minuten spielen durfte. "Ich habe mich gefühlt wie Spargel in einer Konservendose. Jetzt kann ich endlich raus aus der Dose und meine Arbeit machen." Schließlich wisse jeder, "dass es nicht gut ist, Konservendosen zu lange aufzubewahren". So fürchte er sich auch nicht davor, gegen Robert Lewandowski anzutreten. Weil seine Eltern in Brasilien sind?

"Vorbereitung nicht optimal verlaufen"

Die anderen in Hamburg beurteilen die Chancen eher verhalten, dass sie es dieses Mal gegen die Bayern besser machen werden - auch wenn sie es in der Hinrunde mit 22 Punkten immerhin bis auf Platz zehn der Tabelle geschafft haben. Trainer Bruno Labbadia sagt das, was die meisten seiner Kollegen vor einem Spiel gegen den Branchenprimus sagen: "Wir brauchen einen Sahne-Tag, um die Bayern zu schlagen. Es wird eine große Herausforderung."

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Und für den Fall, dass es mit einem Punkt oder gar einem Sieg dann doch nicht klappen sollte, holt er etwas weiter aus: "Es ist unser Ziel, in den ersten fünf, sechs Rückrundenspielen einen guten Start hinzubekommen." Schließlich sei es so: "Jeder hat mitbekommen, dass die Vorbereitung nicht optimal verlaufen ist." Was er damit meint, sind die Testspiele gegen Ajax Amsterdam, den Drittligisten Rot-Weiß Erfurt und die Young Boys Bern. Die hat der HSV nämlich allesamt verloren.

Seeler hofft auf "ein bisschen" Gegenwehr

Hinzu kommt, dass besagter Spahic und Albin Ekda verletzt ausfallen. Kapitän Johan Djourou hat Probleme am Knie, Angreifer Pierre-Michel Lasogga fast schon traditionell Schmerzen in der Schulter, soll aber bereit für einen Einsatz sein. Geld jedenfalls, um neue Spieler zu kaufen, haben sie in Hamburg nicht. Klubchef Dietmar Beiersdorfer hatte am vergangenen Sonntag ein Rekordminus der HSV Fußball AG von 16,9 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr verkündet.

Bleibt also nur noch die Frage, was Uwe Seeler sagt. Macht der Ehrenkapitän der deutschen Nationalmannschaft sich Sorgen um seinen HSV? Oder geht er die Partie gegen den FC Bayern mit hanseatischem Optimismus an? Nun ja. "Diese Hoffnung besteht ganz bestimmt nicht", sagte er der "Hamburger Morgenpost". Vielmehr hoffe er, "dass das einigermaßen über die Runden geht und der HSV zumindest ein bisschen dagegenhalten kann". Wie gut, dass die Hamburger wenigstens Cléber Janderson Pereira Reis haben. Das sieht auch Trainer Labbadia so: "Bei Cléber müssen wir uns keine Sorgen machen."

Quelle: n-tv.de

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