Elf Anekdoten zum 50. Geburtstag

Herzlichen Glückwunsch, Bundesliga!

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(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)
04.01.2013 | 09:51 Uhr
Zum 50. Geburtstag der Bundesliga erinnern sich elf Redakteure von n-tv.de an ihre emotionalsten Erlebnisse rund um Deutschlands höchste Spielklasse. Tauchen Sie ein in die Zeitreise und die Erinnerungen an bittere Tränen, geschichtsträchtige Aufholjagden, unvergessliche Derbys und heilige Autogramm-Sammlungen.

In fünf Jahrzehnten kann viel passieren. 50 Jahre Bundesliga sind prall gefüllt: mit Jubelarien und Dramen, tausenden Spielen und Toren, kuriosen Geschichten und Rekorden. Zum Jubiläum der höchsten deutschen Spielklasse schreiben einige Redakteure von n-tv.de über ihre Erinnerungen mit der Fußball-Bundesliga.

Achtung, rekordverdächtig

Von Stefan Giannakoulis

Falls die Wasserflasche und die Packung mit den Butterkeksen schon auf dem Tisch lagen, wenn ich am Samstagmittag aus der Schule kam, wusste ich: Alles klar. Wir fahren! Eine ganze lange Woche hatte ich meinen Vater genervt, und fester Bestandteil des Spiels war, dass er sich nie zu früh festlegte. Mal sehen, vielleicht. Und wenn es regnet? Papa! Das Westfalenstadion ist überdacht. Ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals schon am Montag zugesagt hat. Und ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass wir jemals nicht gefahren sind. Vom Münsterland in die große, weite Welt der Fußball-Bundesliga.

So auch am 6. November 1982, als die Borussia aus Dortmund die Arminia aus Bielefeld empfing. Was wir vorher genauso wenig wie die anderen 33.998 Zuschauer wussten: Es sollte eines der spektakulärsten Spiele der mittlerweile 50 Jahre währenden Geschichte in Deutschlands liebster Liga werden. Mit 11:1 gewann der BVB. Und zehn Tore in einer Halbzeit sind bis heute Rekord.

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(Foto: picture-alliance / Sven Simon)

Nach einer guten Viertelstunde brachte Frank Pagelsdorf die Gäste aus Ostwestfalen in Führung, Manfred Burgsmüller glich drei Minuten später aus, 1:1 stand es zur Pause. Was dann geschah, ließ mich hinterher wie in Trance aus dem Stadion taumeln. Und weil es so schön, so unglaublich war, schreibe ich es jetzt, dreißig Jahre später, zum ersten Mal auf: 2:1 Manfred Burgsmüller (46.), 3:1 Rüdiger Abramczik (47.), 4:1 Manfred Burgsmüller (60.), 5:1 Bernd Klotz (66.), 6:1 Manfred Burgsmüller (69.), 7:1 Manfred Burgsmüller (72.), 8:1 Marcel Raducanu (78.), 9:1 Bernd Klotz (80.), 10:1 Bernd Klotz (84.), 11:1 Lothar Huber (87., Foulelfmeter).

Nie werde ich den Namen des Mannes vergessen, der in der zweiten Hälfte im Schnitt gut alle vier Minuten den Ball aus seinem Tor holen musste: Olli Isoaho. Der finnische Nationaltorhüter sagte: "Als es 3:1 stand, dachte ich: Hoffentlich ist bald Feierabend. Ich war der einsamste Mensch im Stadion." Auf dem Weg zum Bahnhof fragte mich ein Mann, wie denn die Borussia gespielt habe. Ich wusste es, hatte es selbst gesehen. Doch er mochte mir nicht glauben. "11:1? Ker, willze mich verarschen?!"

Die Geschichte mit Sabine Töpperwien

Von Thomas Badtke

Früher hat man die Überbringer schlechter Nachrichten einfach einen Kopf kürzer gemacht. Aber dann wäre die Bundesliga-Konferenz heute nur noch eine reine Männersache: Am 14. Mai 2011 sind es nur simple zwei Worte, die Sabine Töpperwien am Ende der Bundesliga-Konferenz ausspricht. Worte, deren Wirkung sie nicht bedacht hat. Die meine Welt zusammenstürzen lassen. Es ist der letzte Bundesliga-Spieltag einer verkorksten Saison, die so stark begonnen hat: Frankfurt nimmt in der Hinrunde Kurs auf die internationalen Plätze, um am Ende gegen den Abstieg zu kämpfen.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Am Ende gibt es noch eine Chance: Ein Sieg muss her. Ein Sieg bei Borussia Dortmund, denen der Meistertitel bereits nicht mehr zu nehmen ist. Ich sitze völlig abgeschottet im Garten, keiner darf stören. Dass die Sonne scheint, ist mir egal. Hauptsache, die Biere sind gut gekühlt und die Ohrhörer übertragen die Bundesliga-Konferenz direkt aus dem Handy-Radio. Sabine Töpperwien als Kommentatorin. Irgendwie ein schlechtes Omen.

Und es kommt, wie es kommen muss. Dortmund greift an. Ein Foul. Ein Pfiff. Ein Elfmeter. Ein Held: Fährmann hält. 0:0 zur Pause. Ein Lichtblick. Die Angriffsmaschinerie des BVB lässt es ruhig angehen. Dann Jubel: Rode trifft. Frankfurt führt. Ist nicht abgestiegen. Kann das sein? 12 Minuten hält der Freudentaumel, das zufriedene Grinsen. Dann gleicht Barrios aus. Russ trifft, aber ins falsche Tor. 2:1 für den Meister. Wieder ein Pfiff. Wieder ein Elfmeter. Wieder kein Treffer, dank Fährmann. Dann aber doch: Barrios zerschießt mit dem 3:1 das letzte Fünkchen Hoffnung. Abpfiff. Sabine Töpperwien schaltet sofort um: auf Mitleid - und dann die zwei lapidaren Worte. Die Worte, die sie in der Antike das Leben gekostet hätten: "Sorry, Frankfurt." Früher war halt doch einiges besser.

Der heulende Neunjährige

Von Johannes Graf

Achtung, was folgt, ist eine bittere Beichte. Ich möchte berichten. Will gestehen. Meine Tränen, meinen Schmerz, meine Verzweiflung, meine Scham. Dabei sind es nicht einmal so sehr meine Tränen an sich, derer ich mich geniere. Vielmehr ist es deren Anlass.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wir schreiben den 27. Mai 1987. Seit etwas mehr als drei Wochen bin ich neun Jahre alt (was meine Schuld lindern mag!). Im Praterstadion geht es um den Europapokal der Landesmeister, wie die heutige Champions League damals noch irgendwie schöner klingend heißt. Es stehen sich gegenüber der FC Bayern München und der FC Porto. Und ja, meine schändlichen Tränen galten den Roten. Als Ludwig "Wigerl" Kögl in der 25. Minute das 1:0 erzielt, hüpft das kleine Herz noch. Als Rabah Madjer und Juary Filho ab der 77. binnen drei Minuten alles zunichte machen, ist kein Halten mehr.

Mit etwas Abstand betrachtet, ist das alles ein bisschen peinlich. Denn wer entlarvt sich schon gerne selbst als früher Bayern-Fan? (Auch wenn heute das Herz für den liebenswerten SC Freiburg pocht. Ehrlich!) Und heulen wegen Fußball ist doch auch irgendwie albern. Machen doch höchstens Kinder und ist auch nie wieder vorgekommen! Oder wie war das gleich am 4. Juli 2006 - Dortmund, Grosso, Pirlo, Italien …

Uli Stein, Manni Kaltz … und weg

Von Jan Gänger

Leiden und Fußball gehören zusammen. Das gilt besonders dann, wenn man Anhänger vom HSV ist. Da ist es nur konsequent, dass mein größtes Trauma mit diesem Verein verbunden ist. Und mit meiner Mutter.

Irgendwann in der ersten Hälfte der 80er Jahre elektrisierte mich die Nachricht, dass der ruhmreiche HSV – ich erinnere nur an das Jahr 1983, Athen, Finale Europacup, Magaths herrliches Tor gegen Juventus, was ist schon Platini gegen Granaten wie Kaltz oder Hieronymus oder Bastrup oder Hrubesch, doch ich schweife ab – also, dass der ruhmreiche HSV ganz in der Nähe meines Elternhauses gegen einen Verbandsligisten kicken wird. Was für eine einmalige Gelegenheit, um von den bewunderten Spielern Autogramme zu bekommen. Und ich bekam sie! Ich sprach sogar ein paar Worte mit Uli Stein. Und mit Manni Kaltz! Nur an Ernst Happel traute ich mich verständlicherweise nicht heran. Wieder zu Hause, breitete ich mit ganzem Stolz die Zettelsammlung auf meinem Schreibtisch aus. Und damit nahm das Drama seinen Lauf.

Eines Tages nach der Schule meinte meine Mutter, sie habe das Gekritzel entfernt. Alle Tränen nützten nichts, die Müllabfuhr hatte ganze Arbeit geleistet. Doch diese schlimme Erfahrung lehrte mich dreierlei: Auch Männer dürfen weinen, Fußball bedeutet Schmerz und meine Mutter bleibt trotzdem die Allerbeste.

Aufrecht ins Verderben

Von Andrea Beu

Ich gehe ja nicht wirklich oft ins Stadion, aber wenn, dann zu Union Berlin. Aus alter Verbundenheit und wegen des sympathischen Stadions – ein reines Fußballstadion ohne Laufbahnen, man ist ganz nah dran. Und als die Alte Försterei nach dem Umbau unter der Mithilfe tausender Fans im Sommer 2009 wiedereröffnet wurde, musste ich einfach mal wieder hin. Zudem es ein ziemliches Knallerspiel war: das Erstrundenspiel im DFB-Pokal gegen Titelverteidiger Werder Bremen, am 2. August 2009. Das erste "richtige" Spiel nach dem Umbau – vorher gab es ein Einweihungsspiel gegen Hertha BSC und ein Freundschaftsspiel gegen Bayern München. Also nichts Ernstes.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Das Pokalspiel war mit fast 19.000 Zuschauern natürlich ausverkauft; es war ein sehr heißer Tag, die Sonne knallte. Ebenso das Bier – zusammen mit der Mittagshitze haute es einige Fans schon vor Spielbeginn aus der Senkrechten. Egal, die Stimmung war grandios. Die Union-Fans feierten sich, die Stadionerbauer und die Mannschaft. Auffallend viele Frauen, Kinder, ganze Familien unter den Union-Anhängern (für mich als Frau sehr angenehm …). Werder-Fans waren auch ein paar da, aber um die ging es nicht.

Was mich wirklich umgehauen hat, war: Union bekam ein Gegentor nach dem anderen rein, zur Halbzeit stand es schon 0:3 – aber je mehr Tore Union kassierte, desto lauter sangen die Fans. Zum Schluss stand es 0:5 - und die Unioner feierten, als ob sie einen Sieg eingefahren hätten. Kein Buhen, kein Auspfeifen – mit einem Sieg gegen die starken Bremer hatte ohnehin keiner gerechnet -, sondern ein: Scheißegal, ihr seid trotzdem eine geile Mannschaft und wir lieben euch. Und so ging das nach Spielende noch ewig weiter. Wo erlebt man das schon?

Das Wunder von Dortmund

Von Christian Rothenberg

Um zwanzig vor fünf herrscht Schockstarre auf der Dortmunder Südtribüne an diesem 13. September 2008. Heiko Westermann hat in der 54. Minute zum 0:3 eingeköpft. In Dortmund. Gegen Schalke. Ausgerechnet. "Kommst du mit?", fragt mich mein Freund Norman. Er geht, ich bleibe. Schließlich bin ich hunderte Kilometer gefahren, um mein erstes Derby zu sehen.

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Norman wird mir später erzählen, dass er das Spiel doch noch zuende geschaut hat. In der Kneipe. Norman und ich, er am Tresen, und ich auf der Südtribüne, sehen eine der grandiosesten Aufholjagden der Bundesliga-Geschichte. In der 67. Minute trifft Neven Subotic zum 1:3-Anschlusstreffer. Kosmetik, mehr nicht, das ist allen Dortmund-Fans klar.

Doch vier Minuten später öffnen sich 25.000 verdutzte Münder auf der größten Stehplatz-Tribüne der Bundesliga. Wieder Tor für Dortmund, diesmal durch Alex Frei. Plötzlich fehlt nur noch ein Tor. "Auf geht's Dortmund, kämpfen und siegen", die Fans erwachen aus ihrer Schockstarre. Wie war das mit der Hoffnung? Und dann nimmt das Wunder seinen Lauf. Eine Minute vor Schluss springt Schalkes Verteidiger Mladen Krstajic der Ball an die Hand. Der Schiri zeigt auf den Elfmeterpunkt: Frei läuft an - und trifft zum 3:3. Dann sehe ich nur noch Arme und Schwarz-Gelb und verliere das Gleichgewicht. Laut, nass, Bier, klebrig, ja kann das denn…? Ja, es kann. Und Norman?

Die Kölner und das Schicksal

Von Roland Peters

Der 1. FC Köln ist ein großer Verein, so die Eigenwahrnehmung. Spieler verhindern meist reihenweise Gelegenheiten, dass dies auch außerhalb der Karnevalshochburg so akzeptiert wird. Woanders sind die Kicker gut, am Rhein schlecht. Exemplarisch: DFB-Pokal, Saison 2001/02.

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(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

In der Bundesliga dominiert Rivale Bayer Leverkusen, mit Michael Ballack, Lucio, Jens Nowotny, Dimitar Berbatov und Yildiray Bastürk. Köln kämpft mit biederen Mitteln gegen den Abstieg. Irgendwie schafft es der FC ins Halbfinale, es kommt zum Derby am Autobahnkreuz. Ein Platz im Gästeblock kostet bis zu einer mittleren zweistelligen Summe. Die Heimkarten werden indes für unter zehn Euro an Kölner Schulen verkauft. Damit das Stadion voll wird, heißt es.

Das komplette Spiel rennt Köln einem Rückstand durch ein Eigentor hinterher, ab der 76. Minute wegen einer Roten Karte nur noch zu zehnt. Trotzdem gleicht Rigobert Song in der Nachspielzeit aus. Jetzt ist alles möglich. Ein Konter eröffnet dem Außenseiter die riesige Chance zur Führung. Stürmer Lilian Laslandes vergibt direkt vor den kollektiven Augen des FC-Blocks kläglich. Die Anhänger sind fassungslos. Ihre Hoffnung ist dahin, der Willen der Mannschaft auch, Leverkusen schießt noch zwei Tore. Und die Kölner träumen noch heute. Von vergangenem Ruhm. Und von "Laslandesliga".

Rehhagel statt Roland

Von Nikolas Neuhaus

Ach ja, die Bundesliga – da denke ich doch gleich an … biologisch-dynamischen Landbau. Leuchtet nicht gleich ein? Fairerweise sollte ich erwähnen, dass die Weisheit "Der Ball ist rund und das Spiel hat 90 Minuten" mein Wissen und meine Faszination vom Fußball gleichermaßen grob wie erschöpfend zusammenfasst. Doch ein Ereignis, meine erste hautnahe Begegnung mit der Bundesliga, ist trotzdem hängengeblieben.

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Wir schreiben das Jahr 1993, als ein Haufen Neuntklässler gerade irgendwo in der niedersächsischen Pampa beim Landwirtschaftspraktikum weilt. Melken, buddeln, ausmisten. Das ganze Programm, garantiert Bio. Um Meutereien wegen akuten Zivilisationsmangels zu verhindern, werden wir zum Bergfest in einen Bus verfrachtet und ins unweite Bremen gefahren. Statt der beschaulichen Stadtmusikanten gibt dort aber gerade König Fußball den Ton an. Abends zuvor war mit besagtem Ball in bekannten 90 Minuten die Entscheidung gefallen: Werder Bremen ist Deutscher Meister. Für uns heißt das: Rehhagel statt Roland und gepflegter Ausnahmezustand. Danke, Bundesliga!

Seit 2006 ist alles anders

Von Samira Lazarovic

Früher war alles einfacher. Wenn man kein Fußball mochte und das Glück hatte, ein Mädchen zu sein, konnte man beruhigt schlafen gehen, wenn doch wieder Fußball im Fernsehen angesagt war. Oder Hanni und Nanni lesen. Oder mit Barbies spielen. Doch dann kam der Sommer 2006 und auf einmal war Fußball en Vogue.

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Kleine Mädchen liefen in Michael-Ballack-T-Shirts rum, und alle, ob Männlein oder Weiblein, diskutierten über Kontertore, gute Trainer, schlechte Trainer und die Weltmeister der Herzen. Auf einmal schauten auch die Fußball, die noch nie eine Bundesliga-Tabelle studiert hatten, weil es ja "um was ging".

Nur ruhig Blut, sagte ich mir. Auch das schönste Märchen geht vorbei, und WM ist doch nur alle vier Jahre. Aber, ach. Plötzlich wurde auch die EM ein Ereignis, bei dem wir alle mitfiebern, uns zum Public Viewing verabreden und fachsimpeln. Mist. Das verkürzt die fußballfreie Zeit auf zwei Jahre. Dann das: "Machst Du denn auch beim Bundesliga-Tippspiel mit?" Jede Woche? Im Ernst? Tabellenstudium und mitfiebern? Na gut, bleiben ja noch sechs fußballfreie Tage. Und das für die nächsten 50 Jahre. Alles Gute zum Jubiläum, Bundesliga!

Der Franke und der FCB

Von Volker Probst

50 Jahre Bundesliga? Na, dazu fallen einem spontan doch dutzende Anekdoten ein. Die glorreichen Siege, die bitteren Niederlagen, die Auf- und Abstiege. Die Spiele, bei denen man sich einen veritablen Sonnenbrand auf der Tribüne eingefangen und mit feuerrotem Kopf gefeiert hat. Und die, bei denen man im Eisregen halb erfroren ist, verloren und sich geschworen hat, sich diesen Quatsch im Leben nicht mehr anzutun. Aber dies sind ja Dinge, die fast jeder kennt. Deshalb verraten wir an dieser Stelle lieber ein Geheimnis, das wir als Franke und Anhänger des einzig wahren und echten Clubs eigentlich mit in unser Grab nehmen wollten. Ich war mal Bayern-Fan.

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Halt, Stopp, bitte jetzt nicht auf Ihren Computerbildschirm spucken und im Geiste Sachen nach mir werfen. Ich war ja noch ein Kind. Und als Kind darf man sich auch schon mal zu einem bunten FC Hollywood hingezogen fühlen. Dass Leben nicht zuletzt im Fußball auch Leiden heißt, sollte ich doch erst später erfahren.

Außerdem reden wir hier noch von der guten alten Zeit mit Auge, Breitner und Kalle mit den sexy knees. Ich muss wohl so acht, neun oder zehn Jahre alt gewesen sein, als just jene von Pál Csernai trainierte Truppe zufällig am gleichen Flughafen eincheckte, von dem aus ich mit meiner Familie in den Urlaub flog. Wie so eine Begegnung ein Kinderherz höher schlagen lässt, muss man wohl nicht erklären. Und die ganzen Autogramme, die einem die gut gelaunten Stars gaben, hingen später unter Selbstklebe-Folie luftdicht verpackt und auf Pappkarton aufgezogen über dem Bett. Irgendwo auf dem Dachboden müsste ich die noch haben. Nur immer her mit Ihren Geboten, vielleicht krame ich sie dann noch einmal hervor.

Namen, Schall und Rauch

Von Sabine Oelmann

Abramczik, Assauer, Bandura, Beckenbauer, Bonhof, Fischer, Grabowski, Heynckes, Hoeneß, Maier, Müller, Müller, Netzer, Overath, Rehhagel, Seeler, Vogts: Das sind die Spieler, die mir im Gedächtnis geblieben sind. Sie gehörten zur Familie. Sie waren bei uns im Wohnzimmer an Wochenenden in den 70er Jahren, und wir nannten sie beim Vornamen. Also: Rüdiger, Rudi, Jürgen, Franz, Rainer, Klaus, Jürgen, Jupp, Uli, Sepp, Gerd, Klaus, Günter, Wolfgang, Otto, Uwe und Berti. Und der Libero.

Heute heißen die Jungs Adler, Asamoah, Badstuber, Boateng, Cacau, Friedrich, Gomez, Götze, Hildebrand, Höwedes, Hummels, Kroos, Kroos, Lahm, Metzelder, Ribéry, Robben, Schweinsteiger, van der Vaart. Sie sind wieder im Wohnzimmer, aber meist zur WM und EM, sie werden komischerweise bei den Nachnamen genannt oder verniedlicht ("Schweini"). Dabei haben sie schöne Namen: René, Gerald, Holger, Jérôme, Cacau, Manuel, Mario, Mario, Timo, Benedikt, Mats, Toni, Max, Philipp, Christoph, Franck, Arjen, Bastian, Rafael.

Müllers gibt es nach wie vor eine Menge. Und diesen Libero. Da viele von den alten Jungs irgendwann mal aus Ermangelung anderer Berufschancen Trainer wurden, setzen sie viele von ihren ebenso alten Tricks ein. Dazu gehört auch dieser Libero: Der kam 2004 wieder ins Spiel, durch den Gewinn des Europameistertitels durch Griechenland. Otto Rehhagel, der alte Fuchs, Trainer der Griechen zu diesem Zeitpunkt, schulte seine Mannschaft im alten System der 1970er und frühen 1980er Jahre und führte die Position des Liberos hinter einer Viererkette in der Abwehr ein. Nicht direkt eine Bundesliga-Story, aber sie findet ihre Ursprünge darin. Die Anwendung dieser von vielen Experten als "antiquiert" betrachteten taktischen Spielweise wird als ein wesentlicher Baustein des Erfolges der Griechen angesehen, da viele Stars anderer Nationen noch nie in ihrer Karriere gegen eine Abwehrreihe mit Libero gespielt hatten. Wäre dieser Trick von Rehakles nicht auch was für die Politik? Ich persönlich warte noch heute jedoch auf einen echten Bringer wie Fischers Fallrückzieher.

Verwendete Quelle: ntv.de