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Völlig enthemmt: Jupp Heynckes am 25. Mai 2013 in Wembley. Was damals geschah? Wenn Sie es wissen, schicken Sie doch eine Mail an sport@nama.de.
Völlig enthemmt: Jupp Heynckes am 25. Mai 2013 in Wembley. Was damals geschah? Wenn Sie es wissen, schicken Sie doch eine Mail an sport@nama.de.(Foto: imago/Laci Perenyi)
Freitag, 13. Oktober 2017

So läuft der achte Spieltag: Heynckes sortiert das Chaos beim FC Bayern

Von Stefan Giannakoulis & Tobias Nordmann

FC Bayerns Jupp Heynckes bekommt bei seiner Bundesliga-Rückkehr den Premierendreier auf dem Silbertablett serviert. Der HSV möchte eine "kleine Schwäche" ablegen und in Dortmund ist die Lage sehr angespannt.

Wie gut sind Post-Ancelotti-Bayern?

Sie haben zumindest den Respekt der Konkurrenz wieder zurück. Und das ist für die Münchner eine gute, im Moment sogar die beste Nachricht. "Sie werden aufgrund der Situation bis in die Haarspitzen motiviert sein", sagt Christian Streich, der mit dem SC Freiburg am achten Spieltag der Bundesliga (Samstag ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in der Münchener Arena vorspielt. Und in einer Zeit, in der sich der deutsche Vereinsfußball international radikal ancelottisiert (bayrisch für abbauen), braucht's ja dringend wieder eine stabile und verlässliche Kraft. Und die war ja stets der FC Bayern (außer unter Erich Ribbeck).

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Nun also, nach einem dümmlichen Saisonstart mit PSG-Desaster, Affront-Akkordarbeit der Spieler und dem (fast) höflichen Abgang von Maestro Carlo Ancelotti, fühlen sich die Bayern vor der Rückkehr von Neu-Alt-Trainer Jupp Heynckes wieder bereit, die Rolle als Leistungsträger des deutschen Fußballs zu schultern. So lobt Sportdirektor Hasan Salihamidzic die klare Linie des Altmeisters: "Ich habe sofort gesehen, wie konzentriert die Spieler im Training zur Sache gehen. Da war in den ersten Tagen der Zug drin, den wir brauchen, um erfolgreich Fußball zu spielen." Und den hatten sie ja an der Säbener Straße zuletzt arg vermisst. Ebenso wie eine klare Hierarchie, das markenbildende "Mia san mia", ausreichende Fitness, eine gute Kommunikation, einen intakten Teamgeist und eine taktische Ordnung. Sie haben folglich fast alles vermisst, was es braucht, um überhaupt Fußball im Sinne von Fußball (nicht Gebolze) über 90 Minuten zu spielen. Chaos-Reiniger Heynckes hat das analysiert - oder von seinem Buddy Uli Hoeneß verklickert bekommen - und erkennt: "Wir haben nicht viel Zeit zu verlieren. Wir müssen dafür sorgen, dass wir schnell Qualität im Training bekommen." Dass nun der SC Freiburg zur vierten Heynckes-Premiere kommt, ist sicher nicht ganz schlecht für das Vorhaben von Salihamidzic: "Drei Punkte zum Start wären optimal." Die gibt's und das Spektakel obendrauf, unser Tipp: 7:0.

Wie läuft's bei der Dortmunder Borussia?

Sportlich ganz prima - nur international noch nicht so. Aber so richtig redet dieser Tage niemand über Form und Erfolge. Überlagert wird das Topspiel zwischen dem Spitzenreiter BVB und dem Tabellenvierten RB Leipzig (Samstag, ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) von den Randale-Erinnerungen an den 4. Februar dieses Jahres. Ebenfalls an einem Samstagabend hatte ein Dortmunder Mob Fans der Gäste von Dortmunder Anhängern gejagt, mit Steinen beworfen und mit Schlägen verletzt. Nun planen die Fans des BVB einen Marsch gegen Red Bull.

Bleibt doch nicht zu Hause: Timo Werner.
Bleibt doch nicht zu Hause: Timo Werner.(Foto: imago/Picture Point LE)

Und die Polizei setzt auf ungewöhnlich deutliche Drohgebärden gegen potenzielle Krawallmacher: "Wer Gäste anpöbeln oder angreifen will, wird uns sehr aktiv erleben", sagt Einsatzleiter Edzard Freyhoff. "Die Schwelle, ab der wir einschreiten, ist extrem niedrig." Doch die Ereignisse des Februars haben Spuren bei den Sachsen hinterlassen. Von den angebotenen 8000 Tickets nahmen die Leipziger nur 3500 an. Über die Hälfte bleibt also zu Hause - ebenso wie Timo Werner. Dem Angreifer geht es nach seiner mysteriösen Verletzung immer noch nicht wieder so gut, als dass er ein Bundesligaspiel bestreiten könnte. Erst recht ein so intensives wie in Dortmund. Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick sagt: "Timo muss selbst das Zutrauen haben und sagen: Ich bin bereit für solch ein Spiel." Tipp: 2:1. Und ein Nachtrag, 12.51 Uhr: Werner kommt jetzt doch mit. "Entgegen anders lautenden Meldungen entscheide ich, ob er im Kader sein wird oder nicht. Und ich kann versichern, dass er im Kader sein wird", sagte Trainer Ralph Hasenhüttl. Und der muss es schließlich wissen.

Wie genervt ist Julian Nagelsmann?

Auf einer Skala von eins bis zehn, wenn eins gar nicht genervt und zehn maximal bedeutet, steht Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann bei 15. Grund dafür ist der FC Bayern. Beziehungsweise alle Menschen, die zwischen ihm und den Münchnern eine zwingende Kausalität der mittelfristigen (also an der nächsten Saison) Zusammenarbeit herstellen. Seinem Stresspegel tut das gar nicht gut. Neulich erst habe er einem Mann ein Foto mit sich untersagt, um irgendwelchen Spekulationen vorzubeugen.

Dazu muss man wissen: Beim (Heimat)-Urlaub in München hatte Nagelsmann jüngst für ein Bild mit einem jungen Burschen bereitgestanden - in einer roten (Achtung: Bayern-Farbe!) Jacke. Die Aufnahme (ohne den Jungen) erschien auf Twitter - und sofort hieß es: Seht her, wir haben den Beweis, Nagelsmann trainert demnächst die Bayern! Totaler Humbug, wie er vor dem Spiel gegen den überraschend starken FC Augsburg (Samstag, ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zum 12.345 Mal behauptete: "Ich mache mir keine Illusionen, dass ich irgendeine Jackenfarbe trage und dann bei einem Klub Trainer werde. Ich habe heute eine blaue Jacke an - und ich kann in Richtung von Daniel Bierofka und Domenico Tedesco sagen, dass ich übermorgen nicht bei 1860 München oder Schalke 04 anfangen werde." Ah, guter Hinweis. Und zudem ist ihm das Thema, abseits der Spekulationen, fürchterlich egal. Denn: "Ich konzentriere mich nur auf den Erfolg meiner Mannschaft - in meinem Kopf spielt nichts anderes eine Rolle." Tipp: 2:0 dank Sandro Wagners Knie und Rücken.

Was passiert sonst noch so?

VfB Stuttgart - 1. FC Köln (Freitag, 20.30 Uhr): Wenn ein Klub die Statistik bemühen muss, um seine Erfolgsaussichten zu beziffern, dann steht es schlecht um ihn. Seit 21 Jahren haben die Kölner nicht mehr in Stuttgart verloren. Das klingt zunächst einmal gut. In dieser Saison hat der FC allerdings noch kein Spiel gewonnen. Das ist schlecht. Und so sagt Trainer Peter Stöger: "Wir haben Möglichkeiten, das Spiel zu gewinnen, und das hat nichts mit irgendeiner Statistik zu tun. Das ist eine ganz neue Situation." Na dann. Tipp: 2:0.

FSV Mainz 05 - Hamburger SV: Wenn der Trainer einer Mannschaft sagt: "Wir stehen im engen Austausch mit der medizinischen Abteilung" - dann klingt das nicht gut. Und in der Tat hat Hamburgs Markus Gisdol Probleme, geeignetes Personal für die Partie in Mainz zu finden. Abwehrchef Kyriakos Papadopoulos ist gelbgesperrt, André Hahn und Tatsuya Ito haben Magen-Darm-Probleme, Sejad Salihovic hat sich im Training bei der bosnischen Nationalelf das Schienbein aufgeschlitzt. Außerdem hat der HSV seit fünf Spielen kein Tor mehr geschossen. Nun soll es gegen Ex-Torwart René Adler klappen. Der sagt: "Es ist schon etwas Besonderes". Die Gefahr für ihn bestehe darin, "zu viel zu wollen. Nach diesem Spiel wünsche ich dem HSV wieder alles Gute. Freunden soll es ja nicht schlecht gehen". Tipp: 2:1.

Ach komm Ante, wird schon.
Ach komm Ante, wird schon.(Foto: imago/Jan Huebner)

Hannover 96 - Eintracht Frankfurt: Wenn einer sagt: "Ich habe alles verloren" - dann lässt sich Tragisches erahnen. Bei Ante Rebic ist das anders. Frankfurts Angreifer war vor der Saison, da vom AC Florenz nur ausgeliehen, schon weg. Nun ist er, da die Eintracht ihn zurückholte, wieder da. Und Rebic berichtete der "Bild"-Zeitung: "In meinem Apartment wohnt jetzt Luca Jovic. Kevin-Prince Boateng übernahm meine Rückennummer. Sebastian Haller hat meinen Spind in der Umkleide. Jetro Willems sitzt auf meinem Platz im Mannschaftsbus." Dafür ist Rebic nun Stammspieler und hat jetzt schon so viele Tore erzielt wie in der gesamten vergangenen Saison - zwei. Tipp: Rebic trifft, übertrifft sich damit selbst und rettet seiner Mannschaft mit dem 1:1 immerhin einen Punkt beim starken Aufsteiger.

Hertha BSC Berlin - FC Schalke 04 (alle Samstag, 15.30 Uhr): Wenn Pal Dardai sagt: "Ich würde ihn mitnehmen, und als Joker würde er uns auch weiterbringen" - dann hört sich das doch ganz vielversprechend an. Es geht um Davie Selke, der im Sommer aus Leipzig kam und seither verletzt war. Nun aber steht der Angreifer erstmals im Kader, was von daher ganz gut ist, als dass Mathew Leckie auszufallen droht. Der hatte am Dienstag beim 2:1 gegen Syrien 120 Minuten gespielt und sich mit Australien für die Playoffs zur WM qualifiziert. "Nach langer Spielzeit und langer Reise hat er ein paar Blessuren, da müssen wir das abwarten, wie sich alles entwickelt." Tipp: 2:0, zweimal Selke.

Bayer 04 Leverkusen - VfL Wolfsburg (Sonntag, 15.30 Uhr): Wenn eine Mannschaft dreimal hintereinander unentschieden spielt, dann ist das gut und schlecht - unentschieden im Wortsinn halt. Wolfsburgs immer noch eher neuer Trainer Martin Schmidt sieht es so: "Es geht nicht zwingend darum, einen Sieg einzufahren, wenn die Entwicklung stimmt. Wenn wir unsere Schritte machen, kommen die Siege automatisch." Aber auch er weiß: "Siege braucht man, die sind das Benzin, die geben dem Team die Zusatzkicks." Tipp: 2:1.

SV Werder Bremen - Borussia Mönchengladbach (Sonntag, 18 Uhr): Wenn die "Kreiszeitung Syke" acht Gründe dafür zusammenkratzen muss, warum der SV Werder am achten Spieltag endlich sein erstes Spiel in dieser Saison gewinnt, dann klingt das bedenklich. Vor allem, wenn dort Sachen dabei sind wie: "Weil der Start des Bremer Freimarkts die Stimmung in der ganzen Stadt hebt und noch mehr Energien freisetzt." Und: "Weil ein Hauch Thomas Schaaf durch Bremen weht. Der langjährige Erfolgs-Coach könnte Technischer Direktor bei Werder werden. Idealer Zeitpunkt, um an die guten alten Zeiten anzuknüpfen." Die positive Statistik gegen Gladbach bemühen sie auch - aber das kennen wir ja von den Kölnern. Also, in Gottes Namen, unser Tipp: 1:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Wenn Bayern für Rumpi auch so viel zahlen würde, würde ich ihn vermutlich nach München tragen." Sagt Jeff Saibene, Trainer des Zweitligisten DSC Arminia Bielefeld, über seinen Assistenten Carsten Rump. Der FC Bayern soll den Düsseldorfer Fortunen zwei Millionen Euro dafür gezahlt haben, dass ihr Co-Trainer Peter Hermann zu Jupp Heynckes nach München wechseln durfte. Bielefeld und Düsseldorf bestreiten am Samstag (ab 13 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) auf der Alm das Spitzenspiel der zweiten Bundesliga. Die Gäste sind mit 22 Punkten Tabellenführer, der DSC steht mit 17 Zählern auf Rang vier. Tipp: 3:2.

Quelle: n-tv.de

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