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Neulich im Bernabéu: Mats Hummels und Philipp Lahm.
Neulich im Bernabéu: Mats Hummels und Philipp Lahm.(Foto: imago/DeFodi)
Freitag, 21. April 2017

So läuft der 30. Spieltag: Hilfe, sie haben die Bundesliga geschrumpft!

Von Stefan Giannakoulis

Keine deutsche Fußballmannschaft schafft es ins Halbfinale des Europapokals. Machen sie den Laden nun dicht? Bayerns Ancelotti findet die Saison dennoch gut. Die Dortmunder müssten nach dem Anschlag auf ihr Leben pausieren dürfen.

Ist die Bundesliga noch konkurrenzfähig?

Hilfe! Sie haben die Bundesliga geschrumpft. Erstmals seit zwölf Jahren hat es kein Fußball-Bundesligist geschafft, das Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs zu erreichen. Der FC Bayern verlor im Viertelfinale der Champions League zweimal gegen Real Madrid, Borussia Dortmund zweimal gegen die AS Monaco und die Schalker schlugen sich in der Europaliga gegen Ajax Amsterdam auch nicht besser. Und nun? Machen sie den Laden dicht? Nein, sie spielen weiter. Am Wochenende steht der 30. Spieltag an. Was allerdings nicht die Frage beantwortet, wie gut - oder eben wie schlecht - die Liga nun im internationalen Vergleich dasteht.

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Also: Sind die deutschen Mannschaften der Konkurrenz noch gewachsen? Ja und nein. Der FC Bayern stand in den vergangenen fünf Jahren stets in der Vorschlussrunde der Königsklasse und hat sie 2013 sogar gewonnen. Dass nun bereits im Viertelfinale Schluss mit lustig war, lag auch an der Auslosung, die den Münchnern den Titelverteidiger bescherte. Gegen Real war eine schlechte Halbzeit, die zweite des Hinspiels, am Ende eine zu viel. Dennoch hätten es die Bayern beinahe geschafft. Sie sind sauer auf Schiedsrichter Viktor Kassai, der sie ihrer Meinung nach am Dienstag im Bernabéu einige Male über Gebühr benachteiligte. Gescheitert aber sind sie nicht.

Das trifft auch auf den BVB zu, dessen Spieler und Trainer Thomas Tuchel mit viel Glück einem Anschlag auf ihr Leben entgangen sind. Dennoch mussten sie 24 Stunden später zum Hinspiel gegen Monaco antreten - ein Unding. Ihre beiden Viertelfinals entziehen sich jeder Bewertung. Perspektivisch aber ist mit der jungen, talentierten und zu Saisonbeginn erneuerten Dortmunder Mannschaft auch international wieder zu rechnen. Das alles ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Bayern viel vom Rest der Liga trennt. Sie steuern unbeirrt auf den fünften Meistertitel hintereinander zu, müssen sich allerdings zu einem Umbruch des Kaders aufraffen, soll der Gewinn der Champions League eine realistische Option bleiben. Nach ihnen kommt national erst einmal nichts - und dann der BVB. Die Leipziger und die Hoffenheimer dürfen sich in der kommenden Saison erstmals in Europa beweisen.

Der Rest der Liga allerdings tendiert, wiederum mit deutlichem Abstand, arg in Richtung Mittelmaß. Das Alltagsgeschäft ist also keineswegs so glamourös, wie es die Beteiligten gerne hätten. Das macht die ganze Sache zwar spannender, besser wird der gebotene Fußball dadurch aber nicht. Philipp Lahm, der scheidende Kapitän des Branchenprimus FC Bayern, hat das jüngst so formuliert: "Den meisten fehlt es an Qualität, das muss man so deutlich festhalten." Dennoch muss sich vorerst niemand Sorgen machen. In der Fünfjahreswertung der Uefa steht die Bundesliga immer noch auf Platz zwei - hinter Spanien, klar, aber vor England und Italien. Und ab der Saison 2018/2019 stellen die vier besten Ligen eh direkt vier Teams für die Gruppenphase.

FC Bayern ist "back to earth"

"Wir wollen das Beste bis zum Ende der Saison herausholen": Carlo Ancelotti.
"Wir wollen das Beste bis zum Ende der Saison herausholen": Carlo Ancelotti.(Foto: imago/MIS)

Die Münchner sind nach dem Europapokal-Aus zwar, um mit Karl-Heinz Rummenigge zu sprechen, "back to earth", aber sie werden weiter ihre Kreise ziehen. Am Samstagnachmittag geht's in Fröttmaning gegen den 1. FSV Mainz 05. Das ist die Mannschaft, die ihnen die bislang letzte Heimniederlage zufügte - vor über einem Jahr, am 2. März 2016. Für die Bayern geht es darum, den Frust nach der Niederlage bei Real so weit zu verdrängen, dass sie den ersten von drei Siegen einfahren, die ihnen fehlen, um ganz sicher die 27. Meisterschaft der Klubgeschichte perfekt zu machen. Der Mainzer Trainer Martin Schmidt macht sich und den Seinen wenig Hoffnung: "Es wäre fatal, auf einen müden Gegner zu hoffen." Es sei doch so: "Wenn wir in der Lage sind, in unserer Leistung über 100 Prozent zu gehen, dürfen wir anfangen zu träumen. Wenn wir nicht an die 100 Prozent kommen, haben wir keine Chance." Sein Kollege Carlo Ancelotti kündigte derweil an: "Wir wollen das Beste bis zum Ende der Saison herausholen. Wir können noch das Double holen. Für mich war die Saison bis jetzt gut. Wir haben Charakter gezeigt. Das Team hat eine klare Identität. Aber im Fußball zählt nun einmal das Ergebnis. Ich denke, im August kann man diese Saison eine gute Saison nennen." Und er kündigte an, seine Mannschaft werde gegen Mainz eine Reaktion zeigen. Nur welche? "Ich war gespannt, wie meine Spieler nach dem Real-Spiel reagieren. Sie haben heute gut trainiert, haben eine gute Mentalität gezeigt. Ich habe mehr Vertrauen in meine Spieler nach dem Spiel in Madrid als davor." Tipp: 3:0.

RB Leipzig kurz vor der Königsklasse

Bock auf Schalke? Timo Werner.
Bock auf Schalke? Timo Werner.(Foto: dpa)

Die Teilnahme an der Europaliga haben sich die Rasenballsportler aus Leipzig gesichert, nun fehlen ihnen aus den letzten fünf Saisonspielen noch sechs Punkte, um sich für die Champions League zu qualifizieren. Trainer Ralph Hasenhüttl gibt sich vor der Partie in Gelsenkirchen am frühen Sonntagabend optimistisch, dass das auch klappt: "Wir haben schon in so vielen heißen Fußballtempeln unseren Mann gestanden und Punkte entführt. Deshalb weiß ich nicht, wieso uns das auf Schalke nicht gelingen sollte." Das ist insofern nicht unwahrscheinlich, als dass die Schalker nach dem Aus in der Europaliga gegen Ajax doch arg geknickt waren. Nur ein Leipziger freut sich nicht gerade bedingungslos auf das Spiel. Timo Werner, mit 16 Treffern der beste deutsche Torschütze der Liga, kann sich nämlich noch gut an die Hinrunde erinnern. Da hatte er mit einer Schwalbe für Aufregung gesorgt und sich auf Schalke nicht gerade beliebt gemacht. "Ich würde es wirklich gern rückgängig machen. Weil es nicht richtig war", sagte Werner nun im Interview mit "Dein Spiegel", der Kinder-Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Spiegel". Einfluss auf sein Spiel hätten aber weder die Vorgeschichte noch die Pfiffe der gegnerischen Fans: "Im Spiel blende ich das eh alles aus und es stört mich nicht." Und sein Trainer sagte: "Wir sind noch nie mit Jubelstürmen empfangen worden. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass es einen von uns gehindert hätte, gute Leistungen zu bringen." Tipp: 1:2.

Der n-tv.de-Geheimtipp

Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr). Tipp: 2:2. Ansonsten schließen wir uns - nicht nur an dieser Stelle - unserem geschätzten Autor Christan Bartlau an:

 

Ist sonst noch was?

1. FC Köln - TSG Hoffenheim (Freitag, 20.30 Uhr): Ein Remis beim Effzeh - und die Hoffenheimer kicken in der kommenden Saison auf jeden Fall zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im Europapokal. Bleiben sie am Ende gar auf Platz drei, geht's für das Team von Trainer Julian Nagelsmann direkt in die Champions League. Auch in Köln träumen sie von Europa. Tipp: 0:2.
Eintracht Frankfurt - FC Augsburg: Mit einem Sieg würden sich die Frankfurter nur allzu gerne aller Abstiegssorgen entledigen. "Wir wollen den ersten Matchball nutzen. Ich bin überzeugt, dass wir gewinnen", sagt Trainer Niko Kovac. Wir vermuten nur, dass Augsburg auch nicht verlieren will - und als Drittletzter der Tabelle auch nicht darf. Tipp: 1:0.
FC Ingolstadt - SV Werder Bremen: Gegen den Abstieg geht es auch für die Ingolstädter. Die Bremer spekulieren als Mannschaft der Stunde auf einen Startplatz in Europa. Auch wenn Sportdirektor Frank Baumann beteuert: "Das wird man sehen, ich mache mir keine Gedanken über ungelegte Eier." Tipp: 1:1.
Hamburger SV - SV Darmstadt 98: Ganz traurig könnte es im Volkspark werden: Verlieren die Lilien auch diese Partie, steht der Abstieg fest. Hamburgs Torwart Christian Mathenia gibt sich knallhart: " "Ich will einfach unbedingt die drei Punkte holen. Da interessiert es mich eigentlich nicht, dass es mein Ex-Klub ist und die dann in die 2. Liga absteigen." Tipp: 2:1.
Hertha BSC - VfL Wolfsburg (alle Samstag, 15.30 Uhr): Wolfsburgs Trainer Andries Jonker appelliert: "Wir haben alles in der eigenen Hand. Wenn wir weiter so arbeiten, werden wir auch mehr Punkte machen." Allerdings beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur einen Punkt. Tipp: 1:0.
SC Freiburg - TSV Bayer 04 Leverkusen (Sonntag, 15.30 Uhr): Bayer kann aller Voraussicht nach wieder auf Torjäger Chicharito zurückgreifen. "Ich gehe davon aus, dass er spielfähig ist", sagt Trainer Tayfun Korkut. Mit 36 Punkten ist Leverkusen ja auch noch nicht gerettet. Und Freiburg? Sensationell oben dran. Tipp: 2:2.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Unsere Mannschaft ist gut und wird es auch nächste Saison sein. Nach der Saison werden wir uns über Transfers unterhalten. Vielleicht kommen neue Spieler, aber es wird keine Revolution geben." Carlo Ancelotti, Trainer des FC Bayern, behält die Ruhe.

Quelle: n-tv.de

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