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Jung und begehrt: Shkodran Mustafi.
Jung und begehrt: Shkodran Mustafi.(Foto: imago/Alterphotos)

Deutsche Legionäre im Formcheck: Huth feiert skurril - Mustafi zum FC Bayern?

Von Christoph Wolf und Stefan Giannakoulis

Robert Huth winkt von oben und fabriziert den "schlechtesten Freistoß aller Zeiten". Die "Sun" schreibt von "Mertehacker", Sami Khedira avanciert zum Talisman, Toni Kroos will nicht aufgeben - und Mesut Özil ist teuer.

Gastarbeiter des Wochenendes

Robert Huth (Leicester City): Arbeitet unverdrossen an der Sensation und seiner Krönung zum "Best German" der englischen Premier League. Mit dem 3:0 gegen seinen Ex-Klub Stoke City eroberte die Berliner Abwehrkante mit Leicester die Tabellenführung vom FC Arsenal zurück, der bekanntlich zwei deutsche Weltmeister beschäftigt. Der Vorsprung auf den ersten Nicht-Championis-League-Platz beträgt 15 Spiele vor Saisonende nun zehn Punkte, was mindestens erste Königsklassen-Träume reifen lassen dürfte.

Angesichts chronischer Unterforderung in seinem Hauptbetätigungsgebiet Innenverteidigung versuchte sich Huth gegen Stoke übrigens als Freistoßschütze. In der 81. Minute schritt er zur Tat, aus 17 Metern, links zentral vor dem Tor. Die Website "Caughtoffside" schwärmte hinterher hemmungslos, vom "wohl schlechtesten Freistoß aller Zeiten" - nachdem der Ball die Eckfahne nur knapp verfehlt hatte. Huth kommentierte sein skuriles Künstlerpech mit der Gelassenheit eines Tabellenführers, über Twitter ließ er wissen: "Neun von zehn Versuchen gehen genau unter die Latte - ehrlich."

Kurzarbeiter des Wochenendes

Per Mertesacker (FC Arsenal): Lief jetzt nicht so gut für den Weltmeister. Der FC Arsenal verlor seine Partie gegen den FC Chelsea, dito die Tabellenführung - und Mertesacker flog bereits nach 18 Minuten und einer Notbremse an Diego Costa vom Platz. Es war seine erste Rote Karte im 143. Spiel in der Premier League. Hinterher musste er sich verspotten lassen. Er sei "nicht gerade der Schnellste", befand der "Mirror" und bilanzierte: "Kein Zweifel: Mertesacker war in der Vergangenheit brillant. Aber Arsenal will sich jeden Sommer entwickeln und verbessern. Vielleicht wird er schon bald außen vor sein." Die "Sun" griff ganz tief in die Wortspielkiste, machte einen verbotenen Witz mit seinem Namen und dichtete: "Mertehacker". Arsene Wenger, sein Trainer, nahm ihn aber in Schutz und sah die Schuld eher beim Gegner: "Costa hat in zwei Partien zwei meiner Spieler vom Platz gestellt. Das ist sein Spiel, und Diego Costa ist darin sehr gut." Im Hinspiel hatte nämlich der Brasilianer Gabriel Paulista, der andere Innenverteidiger Arsenals, nach einer Aktion gegen Costa den Platz verlassen müssen.

Gefeiert

Auswahlspieler unter sich: Sami Khedira und Antonio Rüdiger.
Auswahlspieler unter sich: Sami Khedira und Antonio Rüdiger.(Foto: imago/Insidefoto)

Sami Khedira (Juventus Turin): Ein Tor hat Khedira zu Juves elften Sieg in Serie in der italienischen Serie A nicht beigetragen, unersetzlich war er beim 1:0 gegen den AS Rom dennoch. Pure Poesie war es, was die "Gazzetta dello Sport" hinterher über den Abräumer der alten Dame schrieb, nämlich: "Khedira ist die konkretisierte Ausgewogenheit. Juventus kann auf ihn nicht verzichten." Da wollte "La Stampa" nicht nachstehen und dichtete: "Khedira ist Juves Talisman." Womit genau sich Khedira die Oden verdiente, blieb freilich unklar. Womöglich war es seine außerordentliche Lernfähigkeit. Im ersten Durchgang versuchte sich Khedira nämlich an Flanken und wies dabei nach: Flanken sind seine Stärke nicht. Im zweiten Durchgang ließ er es dann einfach.

Gefragt

Toni Kroos (Real Madrid): Wenn es für die Vorbereitung einer Vorbereitung ebenfalls Scorerpunkte geben würde, dann hätte sich Kroos am Wochenende einen verdient. Sein Zuckerpass auf James Rodriguez leitete das 1:1 Reals gegen Betis Sevilla ein und weil das Schiedsrichtergespann die offensichtliche Abseitsposition von Rodriguez gnädig übersah, zählte das Tor auch. Bei den Stichworten "1:1" und "Betis Sevilla" weiß der Kenner der spanischen Primera Division allerdings: So richtig gut lief es für Real offenbar nicht. Nach den ersten beiden Schützenfesten unter Neu-Coach Zinedine Zidane war es diesmal ein großer Krampf, ein erster Dämpfer der Zizou-Euphorie. Kroos fand seine Vorbereitungsvorbereitung zwar auch "eine gute Aktion", sagte aber insgesamt: "Die Freude überwiegt sicher nicht." Bei vier Punkten Rückstand auf den FC Barcelona trotz eines Spiels mehr scheint die Meisterschaft verspielt. Kroos musste zugeben: "Optimal ist die Situation nicht." Aber: "Aufgeben wäre Quatsch."

Kevin Trapp (Paris St. Germain): Es bleibt dabei: Die Steigerungsform von Langeweile ist in dieser Saison die französische Ligue 1. Und Mitschuld daran trägt Kevin Trapp. Lächerliche zehn Gegentore hat er als Keeper von Paris St. Germain erst durchgelassen, eins davon im Spitzenspiel gegen Sensations-Aufsteiger Angers SCO. Das endete deshalb 5:1 statt 5:0. Am 22. Spieltag haben PSG und Trapp bereits die 60-Punkte-Marke geknackt, der Vorsprung auf den AS Monaco beträgt nach dem elften Pflichtspielsieg in Folge (Vereinsrekord!) weiterhin 21 Punkte. Fast schon witzig war deshalb, wie Trapp den Sieg bei Instagram kommentierte. Er schrieb allen Ernstes: "Wichtiger Sieg heute."

Zweiter Sieger: Mesut Özil.
Zweiter Sieger: Mesut Özil.(Foto: imago/Colorsport)

Mesut Özil (FC Arsenal): Falls es Mesut Özil noch nicht wusste, kann er es jetzt bei "Football Leaks" nachlesen: Er ist der teuerste deutsche Fußballer und hat, so die Enthüllungsplattform, bislang 46 Millionen Euro gekostet. Zu sehen war davon im Londoner Derby allerdings nicht viel. Der beste Vorlagengeber in England, was wenig überrascht, wenn man weiß: Arsenal blieb ohne Tor, 0:1 hieß es am Ende. Neben fehlender Inspiration bei Özil trug auch ein fehlender Spieler bei Arsenal zur Heimpleite bei, durch die Platz 1 in der Tabelle vorerst futsch ist. Özils Weltmeister-Kollege Per "Mertehacker" sah bekanntlich in der 18. Minute Rot. Die "Daily Mail" bescheinigte dem bis auf phasenweise Brillanz "unauffälligen" Özil eine vergebene Chance auf den Beweis, dass er auch gegen physisch starke Gegner dominieren kann.

Miroslav Klose (Lazio Rom): Der Weltmeister durfte sich gegen Chievo Verona weiter für sein sensationelles EM-Comeback im DFB-Team schonen. Erst in der 60. Minute musste Allzweckwaffe Klose auf den Rasen, der Spielstand von 0:1 machte es zwingend erforderlich. Und: es funktionierte. Klose kam, sah und traf zwar wieder nicht, es bleibt bei null Saisontoren in der Serie A. Aber Klose siegte, 4:1 hieß es am Ende für Lazio – woran Klose nicht statistisch messbar, laut Eurosport aber dennoch maßgeblich beteiligt war: "Allein durch seine Präsenz sorgte Klose für Verwirrung in der Chievo-Abwehr." Nordirland, Polen und die Ukraine zittern schon.

Geschmäht

Antonio Rüdiger (AS Rom): In der vergangen Woche noch hatte sich die "Gazzetta dello Sport" beklagt, dass Roms neuer Trainer Luciano Spalletti beim 1:1 gegen Hellas Verona Rüdiger erst einmal auf der Bank gelassen hatte, und zwar 65 Minuten. Nun, beim 0:1 bei Juventus Turin, stand der Nationalspieler in der Startelf und spielte 90 Minuten durch. Und was schreibt die "Gazzetta"? "Er ist grob und unvorsichtig. Manchmal scheint er vom Ball terrorisiert zu sein." Wohl auch, weil Schiedsrichter Luca Banti ihm bereits nach einer Viertelstunde die Gelbe Karte zeigte und der Innenverteidiger von da an nicht mehr gänzlich unbelastet in die Zweikämpfe gehen konnte. Wir zitieren "La Repubblica": "Er steht immer am Rande eines Fehlers." Nicht, dass er am Samstag gegen den Tabellenvorletzten Frosinone Calcio im Stadio Olimpico wieder auf der Bank sitzt

Nebendarsteller

Emre Can (FC Liverpool): War als zentraler Mittelfeldspieler dabei, als die Reds ihren epischen 5:4-Sieg bei den Kanarienvögeln in Norwich feierten. Sein Kommentar: "Was für ein Spiel!" Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass der 22 Jahre alte Nationalspieler nicht seinen besten Tag erwischte, sich einige Fehlpässe erlaubte und auch sonst gelegentlich etwas unsicher wirkte. Andererseits: Seine Passquote von 81 Prozent kann sich sehen lassen.

Shkodran Mustafi ( FC Valencia): Weil sich Jérôme Boateng verletzt hat, ist der Weltmeister aus dem nordhessischen Bebra angeblich beim FC Bayern im Gespräch. Wie der Bezahlsender Sky berichtet, prüfen die Münchner, ob sie Mustafi verpflichten können - und zwar sofort. Der Innenverteidiger kann den FC Valencia angeblich für 50 Millionen Euro verlassen - viel Geld. Und Mustafi wäre in der Champions League nicht spielberechtigt, da er dort schon für Valencia auflief. Zwei Gründe also, die dagegen sprechen, zumal Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge einen Notkauf ausschließt. Das heißt aber bekanntlich, richtig, gar nichts, siehe Superliga. Abseits der Gerüchteküche musste sich Mustafi am Wochenende mit einem 1:1 bei Deportivo La Coruna begnügen, Valencia dümpelt weiter im Mittelfeld.

Guter Mann: Philipp Wollscheid.
Guter Mann: Philipp Wollscheid.(Foto: imago/Action Plus)

Philipp Wollscheid (Stoke City): Neu in dieser Rubrik ist der ehemalige Mainzer, Leverkusener und Nürnberger Bundesligaprofi - dank Bernhard Kiefer aus dem Saarland. Unser Leser hat ihn in dieser Rubrik doch arg vermisst. Dabei verdient Wollscheid, 1989 im saarländischen (aha!) Wadern geboren, seit Januar vergangenen Jahres sein Geld bei Stoke City in Englands Premier League. Dort zählt der Innenverteidiger, der 2013 zwei Partien für Joachim Löws DFB-Elf absolvierte, zum festen Inventar. So stand er auch bei der 0:3-Niederlage beim Spitzenreiter aus Leicester über die volle Spielzeit auf dem Platz. Und machte seine Sache ordentlich: "Er weiß genau, wann er den Ball aus der Abwehr herauspassen und wann er ihn auf die Tribüne hauen muss", berichtete espnf.com. Allerdings sei sein Stellungsspiel bisweilen etwas fehlerhaft.

Zuschauer

Mario Gomez (Besiktas): Kam wieder nicht richtig zum Zug - und wieder lag es nicht an ihm. Weil der Platz dann doch unbespielbar war, wurde die Partie des 19. Spieltags bei Trabzonspor abgebrochen. Nachdem bereits am vergangenen Spieltag die Begegnung gegen Mersin Idman Yurdu nach fünf Minuten wegen Schnees beendet wurde, machte auch in Trabzon der Schnee den Klubs einen Strich durch die Rechnung.

Lukas Podolski (Galatasaray): Ohne den verletzten Weltmeister verlor Galatasaray mit der 2:3-Niederlage bei Osmanlispor FK in Ankara weiteren Boden auf die Erzrivalen Fenerbahce und Besiktas.

Bastian Schweinsteiger (Manchester United): Er ist immer noch verletzt, und auch bei ManCity läuft es nicht rund. Nach dem 0:1 gegen den FC Southampton soll Trainer Louis van Gaal seinen Rücktritt angeboten haben. Zumindest berichten das der "Guardian" und die "Sun". Seine Chefs sollen aber abgelehnt haben. Andere Quellen widersprachen dieser Version, also dass es eine Rücktrittsofferte gab. Dabei geht es eigentlich gar nicht mehr um die Frage, ob der Niederländer bleibt oder nicht. Einzig der Zeitpunkt scheint noch offen, wann das große Missverständnis in Old Trafford beendet wird. Spätestens im Sommer dürfte ein neuer Coach kommen. Jose Mourinho soll sich schon initiativ beworben haben.

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona): Barça siegt in Málaga mit 2:1, übernimmt die Tabellenspitze in der Primera Division - und der deutsche Torhüter schaut zu, weil in den Ligaspielen nun einmal der Chilene Claudio Bravo den Vorzug bekommt.

Quelle: n-tv.de

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