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Das Stadion in St. Petersburg wurde extra für die Weltmeisterschaft neu gebaut.
Das Stadion in St. Petersburg wurde extra für die Weltmeisterschaft neu gebaut.(Foto: imago/ITAR-TASS)
Mittwoch, 14. Juni 2017

Ein Jahr vor dem WM-Auftakt: In Russlands Stadien versickern Milliarden

In genau einem Jahr ist Anpfiff zur Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Noch lange ist nicht alles fertig, noch lange ist nicht klar, was das alles kostet. Korruption, Angst vor Hooligans und der schleppende Ticketverkauf trüben die Freude auf das Turnier.

Freude auf eine Fußball-Weltmeisterschaft sieht anders aus: Ein Jahr vor dem Eröffnungsspiel des Turniers in Russland am 14. Juni 2018 in Moskau liegen immer noch dunkle Schatten über dem gigantischen Prestigeobjekt im Reich von Wladimir Putin. Menschenrechte, Sklavenarbeit, Hooligans, Terror, Rassismus, Korruption, Kosten - die Liste der Probleme ist lang und gravierend.

Russische Hooligans könnten bei der WM für Ärger sorgen. Auf dem Bild sind Fans von Dynamo Moskau beim Europaligaspiel in Brüssel zu sehen.
Russische Hooligans könnten bei der WM für Ärger sorgen. Auf dem Bild sind Fans von Dynamo Moskau beim Europaligaspiel in Brüssel zu sehen.(Foto: imago/Belga)

Der Kreml kann der auch gesamtgesellschaftlich angespannten Situation weiter nur durch Repressionen Herr werden. Die jüngste Verhaftungswelle nach Anti-Korruptions-Protesten von Zehntausenden in Moskau, St. Petersburg und mehreren Hundert anderen Städten des Landes kurz vor Beginn des Confed Cups am Samstag bestätigte nur einmal mehr die Kritiker. So betont gelassen Putins Regime die weltweite Skepsis zur Kenntnis nimmt, so sehr ächzt der Staats- und Organisationsapparat unter den längst aus dem Ruder gelaufenen Kosten.

Zwar erscheint der offiziell auf zehn Milliarden Euro veranschlagte WM-Etat verglichen mit den fast 50 Milliarden für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi fast moderat, die vielen millionenschweren Bauprojekte jedoch lassen den Rubel unter der Hand besonders gut rollen und den tatsächlichen Aufwand letztlich wohl auf 30 Milliarden Euro ansteigen. Die WM 2014 in Brasilien kostete nicht einmal halb so viel.

Pläne wurden zusammengestrichen

Dabei hat die russische Regierung ihre ursprünglich sehr üppig angelegten WM-Pläne zusammengestrichen. Unter dem Druck des gefallenen Ölpreises, der Rubel-Entwertung, der tiefen Wirtschaftskrise und der Sanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts wurden bereits vor geraumer Zeit "Ausgaben optimiert". So jedenfalls bezeichnete Russlands inzwischen zum Vize-Premier aufgestiegener Fußball-Chef Witali Mutko die radikale Rotstift-Aktion. Zwei Stadien wurden deutlich kleiner als geplant gebaut, vorgesehene Aufzüge in den Arenen wieder aus den Architekten-Entwürfen gestrichen. Zudem wurden Anzahl und Ausstattung zahlreicher WM-Quartiere für die Fans aus aller Welt heruntergesetzt und viele vorgesehene Hotels erst gar nicht gebaut. Eine Ersparnis von immerhin 600 Millionen Euro sollen die Maßnahmen bringen.

Ein Thema ist zudem die Sicherheit. Ein Jahr nach den Gewaltexzessen russischer Hooligans bei der EM in Frankreich sorgen Schlägertrupps immer noch für Negativschlagzeilen. Der Bombenanschlag im vergangenen April im WM-Spielort St. Petersburg verdeutlichte andererseits die Anfälligkeit der Russen für Terrorattacken. WM-Chef Alexej Sorokin sieht Russland allerdings gewappnet. "Es sind alle Vorkehrungen getroffen, um die Sicherheit zu gewährleisten", sagte Sorokin im Frühjahr betont optimistisch.

Und der Fußball? Ach ja, der Fußball. So wie die vier Stadien für den Confed Cup in Moskau, St. Petersburg, Kasan und Sotschi dürften sämtliche acht weiteren Arenen in den sieben anderen WM-Städten (Jekaterinburg, Kaliningrad, Nischni Nowgorod, Rostow, Samara, Saransk und Wolgograd/Moskau zweifacher Spielort) rechtzeitig zum WM-Auftakt fertiggestellt sein. Ob jedoch bis dahin die russische Nationalmannschaft die Rolle der Stimmungslokomotive für das gesamte WM-Turnier übernehmen kann, darf nach derzeitigem Stand bezweifelt werden. Nach den blamablen Vorrunden-Pleiten in Frankreich und bei der WM 2014 in Brasilien kann der Confed Cup womöglich neue Erkenntnisse zum Entwicklungsstand der Sbornaja bringen.

Quelle: n-tv.de

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