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Kamikazefußball in England: Irre Spiele begeistern die Fans

7:5 nach 0:4, sieben Tore in 34 Minuten - der englische Fußball bietet reihenweise Spiele, die an das unglaubliche 4:4 zwischen Dortmund und Stuttgart erinnern. "Glorreiches Angreifen, trotteliges Verteidigen" heißt das Motto - wie bei Arsenals 7:3 gegen Newcastle.

Torfabrikanten: Olivier Giroud (l.) und Theo Walcott erzielten fünf der sieben Arsenal-Tore gegen Newcastle.
Torfabrikanten: Olivier Giroud (l.) und Theo Walcott erzielten fünf der sieben Arsenal-Tore gegen Newcastle.(Foto: dpa)

Arsenals verrücktes 7:3 gegen Newcastle United war typisch für diese Kamikazefußball-Saison in England. "Glorreiches Angreifen und trotteliges Verteidigen: Hier war das Match, das die verrückte Anziehungskraft dieser Premier-League-Saison (zur Tabelle) bündelte", schrieb der "Observer". Aus Sicht des mit einem Magen-Darm-Virus krank pausierenden Innenverteidigers Per Mertesacker war die Partie sicherlich vogelwild. Angreifer Lukas Podolski, vom 1. FC Köln ohnehin manchen Irrsinn gewohnt, hatte dagegen seine helle Freude. Er köpfte zum zwischenzeitlichen 3:2 sein sechstes Saisontor und leitete noch zwei Treffer des "Man of the Match", Theo Walcott, ein.

Der FC Arsenal bescherte sich mit dem vierten Liga-Sieg in Serie einen versöhnlichen Jahresabschluss. Eben noch in der angeblich tiefsten Krise der 16-jährigen Wenger-Ära, hypte der "Sunday Mirror" die Nord-Londoner nun wieder in den "siebten Himmel". Mit 33 Punkten und einer ausstehenden Nachholpartie wahrten die Gunners den Anschluss an das Pflichtziel Champione-League-Plätze. Endlich so etwas wie Konstanz, die die ganze Zeit vermisst wurde. Und irgendwie doch nicht, denn Arsenal verspielte nach dem 1:0, 2:1 und 3:2 dreimal seinen Vorsprung. Nach dem "Zehn-Tore-Festival" ("Sun"), Pausenstand übrigens 1:1, fühlte man sich an das unglaubliche 7:5 im Liga-Pokal gegen den FC Reading erinnert, als Arsenal noch einen 0:4-Rückstand aufgeholt hatte.

"Krise? Welche Krise?"

Arsenal-Coach Arsene Wenger sieht in Walcott den nächsten Thierry Henry. Gegen Newcastle traf Walcott zumindest schon so gut wie der Rekordtorjäger der "Gunners".
Arsenal-Coach Arsene Wenger sieht in Walcott den nächsten Thierry Henry. Gegen Newcastle traf Walcott zumindest schon so gut wie der Rekordtorjäger der "Gunners".(Foto: dpa)

Und wie damals gelang Walcott ein Dreierpack. "Krise? Welche Krise?", fragte der 23-Jährige ketzerisch. Der von mehreren Clubs heiß umworbene englische Jungnationalspieler stärkte mit dem Gala-Auftritt seine Verhandlungsposition. Arsenals Anhängerschaft skandierte im wie immer ausverkauften Emirates Stadium "Sign him up" (Lasst ihn unterschreiben). Coach Arsène Wenger versicherte, dass man ihn unbedingt halten wolle: "Er liebt den Club und der Club liebt ihn."

Ferrari-Fahrer Walcott, der als einer der schnellsten Fußballer der Welt gilt, soll für seinen neuen Fünfjahresvertrag ein aufgebessertes Wochengehalt von 100.000 Pfund (122.000 Euro) und die Mittelstürmerposition einfordern. Er profitiert derzeit von Thierry Henry als Mentor, der sich auf dem Gunners-Trainingsgelände fit hält. Walcotts 1:0 nannte Wenger "ein Thierry-artiges Tor".

Spektakel hat Methode

Auch bei anderen Clubs hat das Spektakel derzeit Methode: Zum Beispiel feierte Manchester City dank Doppeltorschütze Edin Dzeko einen 4:3 (2:1)-Zittersieg bei Norwich City - eine Halbzeit lang nur mit zehn Mann. Der Meister schießt ansonsten in dieser Saison reihenweise Siegtore in der Nachspielzeit. Die Vokabel "Mancini Time" wurde schon in den englischen Boulevard-Wortschatz aufgenommen.

Traditionell ist die "Fergie Time" berüchtigt, weil Manchester United unter Alex Ferguson Spezialist für Last-Minute-Erfolge ist. Jüngster Beweis: das 4:3 am "Boxing Day" gegen Newcastle United, als der . Diesmal begnügte sich der Rekordmeister mit einem 2:0 (1:0) gegen West Bromwich Albion.

Rekordmeister als Kamikaze-Vorreiter

Manchester United feiert in dieser Saison regelmäßig den Tag des offenes Tors. Sir Alex Ferguson ist trotzdem happy.
Manchester United feiert in dieser Saison regelmäßig den Tag des offenes Tors. Sir Alex Ferguson ist trotzdem happy.(Foto: AP)

United ist der Vorreiter des Kamikazefußballs 2012. Im Ligapokal gegen den FC Chelsea verspielte United spektakulär eine dreimalige Führung und schied am Ende mit 4:5 aus. In der Liga hat der Tabellenführer bereits 28 Gegentreffer kassiert, 2011/12 waren es am Saisonende 33. Häufig gerät United dabei in Rückstand und dreht die Partie dann noch - wie nach 0:2-Pausenrückstand gegen West Ham United oder Anfang Dezember beim FC Reading. Dort lag United bereits nach acht Minuten in Rückstand, nach 16 Minuten führte man dann 2:1, um sieben Minuten später wieder zurückzuliegen. Nach 34 Minuten führte dann United wieder, 4:3 - es war der Endstand und wahrscheinlich die spektakulärste erste Halbzeit des Fußballjahres 2012.

Trainer-Legende Ferguson feiert seinen 71. Geburtstag an diesem Montag deshalb bestens gelaunt. Angesichts des Sieben-Punkte-Polsters auf ManCity frohlockt Ferguson mit Blick auf Uniteds 13. Meisterschaft in seiner Ära: "Wir sind schon halb da."

Quelle: n-tv.de

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