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"Ich auf alle Fälle nicht, ich bin nicht eingespannt gewesen": Joseph Blatter.
"Ich auf alle Fälle nicht, ich bin nicht eingespannt gewesen": Joseph Blatter.(Foto: dpa)

Ex-Fifa-Boss will aussagen: Joseph Blatter feiert - trotz Razzia in Paris

Joseph Blatter, einst Präsident des Fußball-Weltverbandes, feiert seinen 80. Geburtstag - obwohl ihm die Strafverfolger auf den Fersen sind. Danach will der Schweizer auch sein Schweigen zur deutschen WM-Affäre brechen - wenn er denn gefragt wird.

Über hundert Gäste hat Joseph Blatter in ein Zürcher Edel-Hotel eingeladen, das Orchester von Pepe Lienhard, das früher mit Udo Jürgens auftrat, wird heute das ein oder andere Ständchen spielen. Doch nach der Razzia in Frankreich muss der frühere Fifa-Präsident an seinem 80. Geburtstag mehr denn je darum bangen, auch künftige Jubeltage in Freiheit zu feiern. Im Zusammenhang mit den strafrechtlichen Ermittlungen gegen Blatter sind die Büros des französischen Fußball-Verbandes FFF durchsucht worden.

"Wenn sie jetzt auf mich zukommen und mir Fragen stellen, werde ich Antworten geben."
"Wenn sie jetzt auf mich zukommen und mir Fragen stellen, werde ich Antworten geben."(Foto: dpa)

Die Ermittlungen beziehen sich auf eine Zahlung der Fifa in Höhe von 1,8 Millionen Euro an den Uefa-Präsident Michel Platini aus dem Jahr 2011. "Sehr locker" werde sein 80. Geburtstag dennoch gefeiert, sagte Blatter: "Ich wüsste nicht, wie das Ganze diesen tollen Tag ruinieren könnt." Danach will er sein Schweigen brechen, und das könnte für den in die WM-Affäre 2006 verstrickten Deutschen Fußball-Bund extrem ernst werden. "Wenn sie jetzt auf mich zukommen und mir Fragen stellen, werde ich Antworten geben", sagte der für sechs Jahre vom Fußball ausgesperrte Schweizer. Im Bericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields taucht Blatters Name zwar hundertfach auf, außer ein paar anwaltlichen Stellungnahmen hat er aber bislang nichts beigetragen - was die Aufklärung enorm behinderte. Die erste Tendenz lässt Schlimmes befürchten.

"Ich auf alle Fälle nicht, ich bin nicht eingespannt gewesen", antwortete Blatter auf die Frage, ob er in die dubiose Millionenzahlung, die 2002 aus Deutschland über den Umweg eines Beckenbauer-Kontos nach Katar floss, involviert gewesen war. Das widerspricht der Darstellung der Macher im damaligen WM-Organisationskomitee schon im Grundsatz. In der Version von Franz Beckenbauer und Co. dienten die umgerechnet 6,7 Millionen Euro, die am Ende mutmaßlich direkt an den inzwischen längst gesperrten Skandal-Funktionär Mohamed bin Hammam (66) gingen, als Vorleistung, damit der DFB vom Weltverband Fifa einen Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro bekommt. In der Freshfields-Untersuchung gaben OK-Mitglieder mehrfach an, Blatter habe mit ihnen über den Zuschuss gesprochen, alles sei verabredet gewesen.

"Man hat uns als Lügner dargestellt"

Aber warum die Millionen in die Wüste überwiesen wurden - und eben nicht an die Fifa? "Das weiß ich nicht", sagte Blatter, der keine Auskunft gab, weil er bis zur Wahl seines Nachfolgers Gianni Infantino am 26. Februar "als gewählter Präsident suspendiert" war. "Deshalb habe ich beschlossen, mich nicht zu äußern", sagte Blatter. DFB-Interimspräsident Rainer Koch hatte seine Forderung erneuert, Blatter solle endlich sein Wissen preisgeben.

Erneut aussagen wird der Ex-Fifa-Boss in jedem Fall vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas, um gegen seine eigene Sperre vorzugehen. "Das ist von großer Bedeutung für mich. Das kann man nicht einfach so stehen lassen. Recht muss gesprochen werden, und recht muss demjenigen gegeben werden, der recht hat", sagte er. Zusammen mit Platini war Blatter Ende 2015 wegen der Zahlung der 1,8 Millionen Euro von der Fifa-Ethikkommission zunächst für acht Jahre gesperrt worden.

Blatter und Platini argumentieren mit einem gültigen mündlichen Vertrag, die Fifa-Richter sehen das anders. "Ich habe nichts anderes in der Hinterhand, als dass weder Michel Platini noch ich Lügner sind", sagte Blatter: "Man hat uns als Lügner dargestellt. Und das sind wir ganz sicher nicht. Wir sind Menschen, die viel geleistet haben - und wenn man viel leistet, macht man Fehler und es geschehen Irrtümer. Aber auf alle Fälle: Was Finanzen anbelangt, kann man mir nichts und konnte man mir nie etwas vorwerfen." Er sei "überzeugt, dass sich das in zwei Monaten alles erledigen wird".

Dennoch waren die vergangenen Wochen und Monate, in denen die Fifa von einem Skandal in den nächsten stürzte, "eine sehr unangenehme Zeit", sage Blatter: "Aber jede Zeit muss man durchleben und wenn man gestärkt daraus hervorgeht, und sich nicht kaputt machen lässt, macht einen das stärker." Durch die Infantino-Wahl sei schon "eine große Last von mir gefallen", sagte er: "Ich bin sehr locker geworden. Es gab immer ein Licht. Ich habe eine Zielsetzung. Ich werde das noch beweisen können, dass man mir Unrecht getan hat."

Quelle: n-tv.de

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