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Zwei Erstligaspiele in einer Saison: Michael Rensing im Trikot von Bayer Leverkusen.
Zwei Erstligaspiele in einer Saison: Michael Rensing im Trikot von Bayer Leverkusen.(Foto: picture alliance / dpa)

Torwart Rensing bei Fortuna vor dem Aus: Kahns Erbe vermasselt es wieder

Von Stefan Giannakoulis

Seine Karriere ist eine Kette verpasster Chancen. Nun steht Torwart Michael Rensing beim Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf vor dem Aus. Weil er nicht auf die Bank will. Die tragische Geschichte von einem, der Oliver Kahn beerben wollte.

Michael Rensing hat es vermasselt, mal wieder. Es spricht viel dafür, dass es seine letzte Chance war. Was ist dieses Mal passiert? Der Fußballtorhüter soll vor dem ersten Saisonspiel beleidigt abgehauen sein, weil sein Trainer ihm gesagt hat, dass er nicht spielt. Die tragische Geschichte des Michael Rensing hat jetzt ein Kapitel mehr. Sie erzählt von einem, der einst beim FC Bayern München als designierter Nachfolger des großen Oliver Kahn auf seine Chance wartete und wartete. Und es vermasselte, als sie kam. Wie alles andere, was folgte, auch. Aber der Reihe nach.

Michael Rensing, 29 Jahre alt, hat vor dieser Zweitligasaison einen Zweijahresvertrag beim Absteiger Fortuna Düsseldorf unterschrieben. Nach einem Jahr und zwei Ligapartien für den Erstligisten Bayer Leverkusen wollte er vor allem eins: wieder spielen. Sie gaben ihm das Trikot mit der Nummer 1. Aber in der Vorbereitung soll sein Konkurrent Fabian Giefer den stärkeren Eindruck hinterlassen haben. Also entschied Trainer Mike Büskens vor dem Auftaktspiel gegen Energie Cottbus, das die Fortuna mit 1:0 gewann: Michael Rensing geht als Nummer zwei in die Saison. Daraufhin, so berichtet unter anderem die "Rheinische Post", verließ der Torwart das Trainingsgelände, stieg in sein Auto und fuhr davon. Daraufhin wurde er aus dem Kader gestrichen, gegen Cottbus saß der 18 Jahre alte Robin Heller als Nummer zwei auf der Bank.

Bei der Fortuna reagieren sie gereizt auf das Schmierentheater. Sportvorstand Wolf Werner kündigte zwar eine Entscheidung an, stellte zunächst aber mit zitternder Stimme fest: "Michael ist nicht suspendiert. Klar ist, dass ein solcher Vorgang nicht normal ist. Darüber werden wir im Vorstand sprechen und die Situation bewerten. Danach sehen wir weiter." Michael Rensing schweigt. Seine Agentur teilte mit, dass es "zu dieser ungewöhnlichen Situation derzeit keinen Kommentar gibt". Vielleicht weil auch ihnen klar ist, dass ihr Klient in Düsseldorf keine Zukunft hat. Und wohl seine letzte Chance im Profifußball verspielt hat.

Er wollte "eine Ära wie Kahn prägen"

Seine Kollegen in der Mannschaft jedenfalls rücken von ihm ab. Stefan Reisinger, der per Elfmeter gegen Cottbus das Tor des Abends erzielt hatte, sagte hinterher: "Ich kann seine Reaktion weder verstehen noch nachvollziehen. Aber er muss das selbst verantworten." Kapitän Andreas Lambertz befand: "Wir haben uns keinen Schädel gemacht, weil wir wissen, dass Robbi ein richtig guter Torwart ist." Und Fabian Giefer kommentierte vielsagend: "Ich habe eine klare Meinung, aber die behalte ich für mich." Für Michael Rensing ist es der Tiefpunkt einer sportlichen Karriere, die schlechter für ihn nicht hätte verlaufen können. Weil die Fallhöhe von Anfang an zu hoch war.

Eigentlich sollte Michael Rensing in München Oliver Kahn beerben, so hatten sie es ihm versprochen. Jahrelang saß er geduldig auf der Bank. Im Sommer 2008 war es dann endlich so weit. Er stieg zur Nummer eins beim FC Bayern auf. Und verkündete: "Mein Ziel ist es, eine Ära wie Kahn zu prägen." Die Ära dauerte nur wenige Monate. Dann war er den Bayern nach zehn langen Jahren im Verein letztlich doch nicht gut genug. Im Frühjahr 2009 setzte ihn Trainer Jürgen Klinsmann, ohne einen Grund zu nennen, im Viertelfinale der Champions League beim FC Barcelona auf die Bank. Dort blieb Michael Rensing bis zum Ende der Saison. Auch als der Trainer Louis van Gaal hieß, setzte er sich nicht durch.

Im Sommer 2010 war Schluss. "Das ist ein Drama", hatte Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, damals gesagt. Michael Rensing war 26 Jahre alt - und arbeitslos. Es dauerte bis Ende Dezember, bis er beim 1. FC Köln einen neuen Job fand. Dort hielt er gut und avancierte zum Liebling des Publikums. Doch nach dem Abstieg im Mai 2012 war auch dort Schluss - nach 49 teilweise überragenden Spielen. Die Kölner wollten in der zweiten Liga neu anfangen und setzten auf Nachwuchsmann Timo Horn, der nebenbei weniger Geld verlangte.

Es folgte besagtes Jahr auf der Leverkusener Bank. Noch vor dem Ende der Spielzeit unterschrieb er in Düsseldorf, für die erste und zweite Liga. Hauptsache Fußball. Zumal sie ihm bei der Fortuna gesagt haben sollen, dass Konkurrent Giefer den Verein verlässt. Der versprochene Wechsel kam nicht zustande, doch Michael Rensing hoffte weiter: "Ich will die Nummer eins werden", hatte er noch in der vergangenen Woche angekündigt. Doch dann setzte er sich ins Auto und fuhr davon.

Quelle: n-tv.de

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