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Und beim Friseur war er auch noch: Sami Khedira.
Und beim Friseur war er auch noch: Sami Khedira.(Foto: REUTERS)

Can trifft bei "Valentins-Massaker": Khedira blitzt, Kroos trotzt Krokodilen

Von Stefan Giannakoulis

Mesut Özil spricht euphorisiert vom Titel mit Arsenal, Toni Kroos erzielt tatsächlich ein Tor für Real, Sami Khedira erklimmt mit Juve die Tabellenspitze - und Philipp Wollscheid ist besser als Zinedine Zidane. Die Legionäre im Formcheck.

Gastarbeiter des Wochenendes

Sami Khedira (Juventus Turin): Er kam, sah - und Juve siegte zum 15. Mal hintereinander. Und da dieser jüngste Sieg (es war ein 1:0) gegen den SSC Neapel gelang, stehen die Turiner nun auf Platz eins in der Tabelle der italienischen Serie A. Und Khedira? War nach einer Adduktorenverletzung erst am Tag vor der Partie wieder ins Training eingestiegen und feierte in diesem Topspiel sein Blitz-Comeback. "Es war ein harter Kampf für mich, für das Spiel fit zu werden. Es war aber alles wert."

"Wir wollen nicht sagen, dass er unersetzlich ist, aber wir sind nah dran."
"Wir wollen nicht sagen, dass er unersetzlich ist, aber wir sind nah dran."(Foto: imago/Gribaudi/ImagePhoto)

Der 28 Jahre alte Weltmeister war im Mittelfeld wie stets derjenige, der die entscheidenden Offensivaktionen einleitete - den Siegtreffer durch Simone Zaza zwei Minuten vor dem Ende der Partie bereitete er mit einem feinen Diagonalpass vor. "Vielleicht wollten wir es ein wenig mehr als Napoli. Alles, was heute zählt, sind die drei Punkte. Forza Juve", sagte Khedira. Die italienische Presse klang da schon eine Nummer euphorischer. "Von verletzt zu einsatzfähig in wenigen Stunden: Je mehr Zeit vergeht, umso mehr wird er zum Chef auf dem Platz. Bravo Khedira!", kommentierte die "Gazzetta dello Sport". Und legte nach: "Wir wollen nicht sagen, dass er unersetzlich ist, aber wir sind nah dran." Derweil analysierte "Tuttosport": "Auch wenn er nicht in Top-Form ist, zeigt er seine Klasse. Sein großer Verdienst ist es, immer dort zu sein, wo der Ball hinkommt." Am Freitag nun steht ab 20.45 Uhr das Spiel beim Tabellenzehnten in Bologna an, bevor sie am Dienstag drauf, am 23. Februar, hohen Besuch in der Juventus-Arena erwarten: Zum Achtelfinalhinspiel in der Champions League hat sich der FC Bayern angesagt - und darf sich auf ein Treffen mit unserem Gastarbeiter des Wochenendes freuen.

Gefeiert

Mesut Özil (FC Arsenal): Seine 17. Torvorlage in dieser Saison versetzte den Weltmeister nach dem 2:1 gegen Leicester City in eine nahezu euphorische Stimmung: "Wir sind wieder mittendrin! Gar keine Frage, dass der Titel in der Liga spätestens jetzt absolut drin ist für uns." Damit hat er nicht ganz Unrecht. Zwar hat Leicester als Spitzenreiter immer noch zwei Punkte Vorsprung, aber in der englischen Premier League stehen ja noch zwölf Spieltage an. Oder wie Özil es ausdrückte: "Der neutrale Zuschauer kann sich auf jeden Fall nicht über zu wenig Spannung da oben in der Tabelle beschweren." Ansonsten gelte: "Es läuft diese Saison im ganzen Team - davon profitiert jeder, auch ich. Außerdem hatte ich erstmals eine volle Sommervorbereitung und später keine schlimmere Verletzungen innerhalb der Saison. Und ich denke, das sieht man jetzt eben." Dem Treffer in letzter Sekunde folgte ein Jubelrausch im Emirates Stadium. "Das waren einfach nur Emotionen pur - wie wir alle auf dem Platz gejubelt haben, wie alle Fans auf den Tribünen gefeiert haben. Das war schon richtig geil", sagte Özil. Zu den Gerüchten, er wechsele zum FC Barcelona, am Dienstag kommender Woche Arsenals Achtelfinalgegner in der Königsklasse, wollte er sich indes nichts sagen.

Weiß macht ihn ein wenig blass: Toni Kroos.
Weiß macht ihn ein wenig blass: Toni Kroos.(Foto: imago/Alterphotos)

Toni Kroos (Real Madrid): Beim 4:2-Sieg über Athletic Bilbao zeigt Real nicht nur, dass es als Tabellendritter und trotz der vier Punkte Rückstand auf den FC Barcelona den Titelgewinn in der spanischen Primera Division weiter im Visier hat; Mittelfeldspieler und Passmaschine Kroos erzielte auch sein allererstes Tor in dieser Saison - Treffer Nummer 5800 in Reals der Ligahistorie. Prompt forderte die Sportzeitung "As" den Weltmeister auf, sich häufiger ins Angriffsspiel einzuschalten. "Kroos konnte sich bei seinem Treffer davon überzeugen, dass es im gegnerischen Strafraum keine Krokodile gibt." Am Mittwoch nun geht es im Achtelfinale der Champions League zur Associazione Sportiva nach Rom. Der Kroos'sche Plan klingt überzeugend: "Wir müssen auswärts ebenso gut spielen wie daheim." Denn: "Die Spiele gegen Rom sind von besonderer Wichtigkeit."

Gefragt

Philipp Wollscheid (Stoke City): Der ehemalige Nürnberger und Leverkusener stand beim 3:1-Sieg Stokes im Vitality Stadium zu Bournemouth in der Startelf und spielte in der Innenverteidigung 90 Minuten durch, während sein Nebenmann, der Spanier Marc Muniesa, in der Halbzeit für den Brasilianer Dionatan Texeira ausgewechselt wurde. Überhaupt kam mit ihm der Erfolg: Als er nach dem sechsten Spieltag ins Team kam, war Stoke sieglos 18. der Tabelle. Danach beorderte Trainer Marc Hughes ihn in 27 Spielen in allen Wettbewerben stets in die Startelf, das Team kletterte bis auf Rang sieben. Jetzt ist Stoke Tabellenzehnter. Und Wollscheid? Hofft darauf, dass Bundestrainer Joachim Löw ihn einlädt. "Ich bin der Meinung, dass eine Nominierung gerechtfertigt wäre, weil ich an mich glaube." Geht es nach den Stoke-Fans, gibt es zu diesem Thema keine zwei Meinungen. Sie haben ihm ein Lied gewidmet: "He's Marc Hughes' man, he's better than Zidane. We've got Philipp Wollscheid." Was so viel heißt wie: "Unser Philipp Wollscheid ist besser als Zinedine Zidane."

Tor, Tor, Tor: Emre Can.
Tor, Tor, Tor: Emre Can.(Foto: imago/BPI)

Emre Can (FC Liverpool): Wenn der FC Liverpool schon einmal mit 6:0 gewinnt, dann ist das für Can eine gute Gelegenheit, sein erstes Tor in dieser Saison der Premier League zu erzielen. So geschah es in der Partie beim Tabellenletzten Aston Villa in Birmingham, dass er eine knappe Viertelstunde nach der Pause das alles entscheidende 3:0 erzielte. Damit krönte er eine rundum überzeugende Leistung als Taktgeber im Mittelfeld. Noch besser war nur, wie der "Guardian" den Liverpooler Kantersieg überschrieb: "Valentins-Massaker". Für Trainer Jürgen Klopp war es vier Tage vor der Rückkehr nach Deutschland mit dem Europaligaspiel beim FC Augsburg "ein Ergebnis für die Seele". So hoch gewinne ein Trainer nicht oft, "das müssen wir uns für schlechte Zeiten merken".

Robert Huth (Leicester City): Das Topspiel hat Leicester zwar in letzter Minute mit 1:2 beim FC Arsenal in London verloren. Aber nicht nur, weil das Sensationsteam immer noch die Tabelle der englischen Premier League anführt, war Trainer Claudio Ranieri zufrieden; so sehr, dass er seinen Profis Urlaub gewährte - obwohl er die Wette eigentlich gewonnen hatte. Die Spieler hatten ihm abgerungen, dass sie eine Woche frei bekommen, wenn sie aus drei Partien neun Zähler holen. "Jetzt sind es sechs Zähler geworden, aber ich bin dennoch glücklich. Ich wäre mit einem Punkt gegen City und Arsenal zufrieden gewesen, es wurden drei. Deswegen habe ich gesagt: Fahrt weg, wir sehen uns am nächsten Montag wieder."

Zurück: Per Mertesacker.
Zurück: Per Mertesacker.(Foto: imago/Sportimage)

Per Mertesacker (FC Arsenal): Nachdem er in der Vorwoche das 2:0 beim AFC Bournemouth nur von der Bank aus beobachten durfte, versetzte ihn Trainer Arséne Wenger nun beim Topspiel gegen Leicester wieder in die Startelf. Wohl auch, weil der Brasilianer Gabriel Paulista verletzt passen musste. Sei's drum: Mertesacker machte in der Innenverteidigung das, was er am besten kann: Er räumte in souveräner Manier ab, was es abzuräumen gab. Und beinahe hätte er per Kopf das Siegtor erzielt. Das besorgte dann der Kollege Danny Welbeck - auf Vorlage Özils.

Kevin Trapp (Paris St. Germain): Wieder bot der ehemalige Torwächter der Frankfurter Eintracht eine tadellose Leistung, dennoch riss die Serie des souveränen Tabellenführers der französischen Ligue 1. Nach neun Siegen hintereinander gab's am 26. Spieltag ein 0:0 gegen den OSC Lille. Doch es gibt Wichtigeres, deshalb durfte sich Superstar Zlatan Ibrahimovic auch ausruhen: Heute, ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de, spielt PSG in der Königsklasse gegen den FC Chelsea - natürlich mit Trapp im Tor.

Nebendarsteller

Jan Kirchhoff (AFC Sunderland): Der Ex-Mainzer, Ex-Schalker und Ex-Münchner kommt nach seinem Wechsel auf die Insel noch nicht so recht in Tritt. Beim 2:1 seines AFC gegen ManUnited musste der defensive Mittelfeldspieler nach einer Viertelstunde mit einer Muskelverletzung des Rasen des Stadium of Light in Sunderland verlassen.

Immerhin eine Vorlage: Miroslav Klose.
Immerhin eine Vorlage: Miroslav Klose.(Foto: imago/Insidefoto)

Miroslav Klose (Lazio Rom): Als Ergänzungsspieler knüpft der Almeister ganz langsam wieder an die Leistungen vergangener Jahrzehnte an. Klose kam beim 5:2 gegen Schlusslicht Hellas Verona zehn Minuten vor Abpfiff - und verbuchte die Vorlage zum 4:2 für sich. Sein erstes Tor in dieser Saison wollte ihm allerdings wieder nicht gelingen. Macht nichts, sagte Sportdirektor Igli Tare dem "Corriere dello Sport", es sei doch so: "Man muss als Mannschaft insgesamt angreifen und verteidigen. Wenn dieses Prinzip fehlt, können einzelne Spieler nichts leisten."

Antonio Rüdiger (AS Rom): Stand beim 3:1 der Roma beim FC Carpi von 1909 als Innenverteidiger in der Startelf und durfte dort auch die ganze Zeit bleiben. Fazit: alles im Griff - zumindest gegen den Tabellenvorletzten. Am Mittwoch kommt dann ja Barça mit seinem Nationalmannschaftskollegen Toni Kroos.

Unglücklich

Mario Gomez (Besiktas Istanbul): Nach fünf Siegen in Serie musste Gomez mit Besiktas nun einen kleinen Dämpfer hinnehmen. Beim Istanbuler Stadtrivalen Basaksehirspor FK gab es für den Tabellenzweiten der türkischen Süper Lig nur ein 2:2. Gomez hatte nicht seinen besten Tag, im ersten Durchgang zwar einige gute Möglichkeiten, die er allerdings nicht nutzte. Kleiner Trost: Mit seinen 15 Treffern führt er immer noch die Torjägerliste.

Lukas Podolski (Galatasaray): Nicht viel glücklicher war nach diesem 21. Spieltag der Süper Liga der Kollege Podolski. Zwar erzielte der Irgendwie-immer-noch-Kölner zwei Minuten vor dem Ende der Partie beim Abstiegskandidaten Mersin Idman Yurdu sein neuntes Tor in dieser Spielzeit. Für einen Punkt, geschweige denn einen Sieg reichte das aber nicht. Titelverteidiger Galatasaray verlor mit 1:2, es war die dritte Partie nacheinander ohne Sieg.

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona): Während der Kollege Lionel Messi seine Elfmeterfaxen mit Luis Suárez zelebrierte und Barça mit 6:1 gegen Vigo siegte, hielt sich der ehemalige Torhüter der Mönchengladbacher dort auf, wo er sich in Spielen der Primera Division auf Geheiß seines Trainers Luis Enrique stets aufhalten muss: auf der Bank.

Shkodran Mustafi (FC Valencia): Da fährt Valencia im zehnten Versuch unter dem mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Trainer Gary Neville mit dem 2:1 gegen Espanyol Barcelona endlich den ersten Siege ein - und Mustafi steht nicht einmal im Kader.

Lazarett

Bastian Schweinsteiger (Manchester United): Der Kapitän der deutschen Nationalelf hat immer noch Knie, genauer: Er leidet immer noch an einem Innenband-Einriss im rechten Knie, den er sich am 9. Januar im FA-Cup gegen Sheffield (1:0) zugezogen hatte. Während sich also seine Kollegen beim 1:2 in Sunderland blamierten, hatte Schweinsteiger frei. Trainer Louis van Gaal hatte ihm einen Kurzurlaub verordnet, auf dass der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler den Kopf frei bekomme - und sein Knie pflege.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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