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In Wolfsburg am Samstag haben sie schon ein wenig vorgefeiert: Robert Lewandowski, Franck Ribéry, Thomas Müller - und Philipp Lahm.
In Wolfsburg am Samstag haben sie schon ein wenig vorgefeiert: Robert Lewandowski, Franck Ribéry, Thomas Müller - und Philipp Lahm.(Foto: dpa)

So läuft der 24. Spieltag: Lahm plant Party, Reus droht Kulturschock

Von Tobias Nordmann & Stefan Giannakoulis

Der FC Bayern bereitet sich auf die Meisterfeier vor - doch Obacht! Mainz ist nicht zu unterschätzen. Derweil bereitet Thomas Tuchel seine Dortmunder auf das Böllenfalltor vor. Für Viktor Skripnik und Armin Veh wird es eng.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Philipp Lahm hat einen Plan. Er will in dieser Woche Meister werden. Woher wir das wissen? Die "Bild"-Zeitung hat's verraten. So richtig heiß ist die Nachricht aber nicht. Beim Blick auf die Ansetzungen ist klar: Gewinnt der Kapitän mit seinem FC Bayern an diesem 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 (heute ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) und dann am Samstag gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund, haben die Münchner als Spitzenreiter mindestens elf, bestenfalls 14 Punkte Vorsprung. Das reicht, um sich ganz in Ruhe auf die nächste Rathausbalkon-Party vorzubereiten. Doch ganz so weit sind wir noch nicht.

"Wir versuchen, ein typisches Mainz-Spiel daraus zu machen": Martin Schmidt.
"Wir versuchen, ein typisches Mainz-Spiel daraus zu machen": Martin Schmidt.(Foto: imago/Jan Huebner)

Denn vor Schwarzgelb steht Rotweiß. Das sind die Vereinsfarben des FSV Mainz 05. Und dieser Klub spielt eine ganz vorzügliche Saison, ist Tabellenfünfter und damit so gut wie zuletzt unter Thomas Tuchel. Der wiederum ist jetzt beim BVB. Und der wiederum ist fast wieder so gut wie zu besten Jürgen-Klopp-Zeiten. Und Klopp war vor seiner Zeit in Dortmund Trainer in Mainz. So, durchatmen und festhalten: Mainz ist offenbar eine gute Schule für eine große Karriere. Und Martin Schmidt, der aktuell Diensthabende, schickt sich an, seinen Vorgängern zu folgen. Zumindest sportlich. Rhetorisch schwingt er eine beinah aggressiv-philosophische Klinge. Das klingt vor dem Spiel gegen die Bayern so: "Wir versuchen, ein typisches Mainz-Spiel daraus zu machen. Und wenn wir es schaffen, auf das Niveau unserer Vorstellung gegen Leverkusen zu kommen, dann ist der Ausgang offen." Und so: "Unsere Leistung ist ein Gemälde, das sich aus vielen einzelnen Pinselstrichen ergibt."

Bei den Bayern steht das Thema Kunst derzeit nicht besonders weit oben auf der Agenda. In München freuen sie sich mit und über Uli Hoeneß. Der ist seit Montag ein freier Mann auf Bewährung. Und heute soll er erstmals wieder als Fan in der Allianz-Arena zu Gast sein. Was für ein Ereignis! Wen interessieren da schon so anstrengend-aufmüpfige Gäste aus Rheinhessen? NIEMANDEN! Und so wird das Thema 24. Spieltag bei der obligatorischen Pressekonferenz auch klein gehalten. "Mainz hat eine starke Elf mit vielen dynamischen Spielern und einem guten Keeper. Es wird ein interessantes Spiel", sagt Trainer Josep Guardiola und weckt große - Achtung Ironie - Vorfreude. Stellen wir uns nun mal vor, der Bezahlsender Sky würde mit diesem Slogan werben, die Einschaltquote wäre … gäääähn.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Das soll er sich mal genau anschauen: Marco Reus.
Das soll er sich mal genau anschauen: Marco Reus.(Foto: imago/Team 2)

Thomas Tuchel ist Traditionalist. Wer es noch nicht wusste, weiß es nun. Vor dem Spiel seiner Dortmunder Borussia beim SV Darmstadt 98 am altehrwürdigen Böllenfalltor hat er gesagt, ach was, geschwärmt: "Das ist etwas Einmaliges. Wir nähern uns dem Spiel mit Vorfreude." Da mag er auch noch gar nicht an die Partie beim FC Bayern denken: "Wir gehen Schritt für Schritt. Unser Fokus liegt auf dem Darmstadt-Spiel." Denn das sei auch nötig: "Der Gegner wird alles tun, um die Sensation zu schaffen."

Aber auch Tuchel weiß, dass der Aufsteiger aus dem Süden Hessens von seinen elf Heimspielen in dieser Saison erst ein einziges gewonnen hat. Dennoch bekundet er seinen Respekt: "Die Erfolgsgeschichte in Darmstadt ist außergewöhnlich", sein Kollege Dirk Schuster und sein Team hätten "unvorstellbar gut gearbeitet". Auch sonst sei der BVB vor dem ersten Gastspiel in Darmstadt seit 34 Jahren auf so gut wie alles vorbereitet. Und Nationalspieler Marco Reus könne sogar noch etwas lernen am Böllenfalltor: "Dann erlebt Marco, wie das früher war. Ich war schon ein paar Mal da, es ist so, wie es begonnen hat, als noch keine Arenen da waren. Das ist Fußball pur, da entsteht automatisch eine besondere Atmosphäre. Wenn man es anders gewöhnt ist, ist das schon ein Kulturschock." Und: "Der Rasen ist mit Sicherheit schlechter als in Berlin. Es gibt aber auch dort die Möglichkeit, Fußball zu spielen." Tuchel hatte sich unlängst nach dem 0:0 über den schlechten Rasen im Berliner Olympiastadion beklagt.

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Apropos Rasen: Die Berliner haben sich Tuchels Kritik tatsächlich zu Herzen genommen. Das Stadion bekommt tatsächlich einen neuen Rasen, wie die Olympiastadion Berlin GmbH bestätigte. Sie will dafür 130.000 Euro ausgeben - allerdings erst nach der Partie gegen Eintracht Frankfurt, die ja bereits heute stattfindet. Herthas Trainer Pal Dardai freut sich: "Der Rasen ist unser Problem, da geht kein guter Fußball, da geht nur Zufallsfußball. Und genau das will ich nicht." Andererseits: Mit diesem Zufallsfußball stehen die Berliner auch nach 23 Runden sensationell auf Platz drei der Tabelle. Daraus ergibt sich ein anderes Problem: "Meine Jungs haben nicht die Erfahrung, wie es ist, gejagt zu werden."

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Also spricht der Trainer lieber nicht von der Champions League als Ziel, sondern sagt: "Wenn wir gegen Frankfurt gewinnen, haben wir einen Traumstart in die Rückrunde." Wenn seine Mannschaft 52 Punkte geholt habe, könne man über die europäische Königsklasse reden. Die peilen auch die Mönchengladbacher Borussen als Tabellenvierter an. Vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart, dessen niederlagenlose Serie im Heimspiel gegen Hannover 96 riss, befindet Trainer André Schubert: "Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition und wollen weiter punkten. Wir können uns auf einen offensiv starken Gegner einstellen. Der VfB schaltet gut um und hat schnelle Spieler." Am Wochenende in Augsburg boten die Gladbacher zwar beste Unterhaltung, aber nur einen Punkt. Nun sollen es drei Zähler sein. Das Problem könnte nur sein, dass die Stuttgarter genau das auch wollen. "Bei allen Stärken - wir wissen, wo der Gegner anfällig ist. Wir werden Gladbach die eine oder andere Aufgabe stellen", kündigte Trainer Jürgen Kramny an.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

Erst das blamable 0:3 gegen Schachtjor Donezk in der Europaliga, dann das trostlose 0:0 in Frankfurt und Platz sieben in der Bundesligatabelle - und in Gelsenkirchen haben sie gerade mal wieder schlechte Laune. Und wer steht in der Kritik? Richtig, Trainer André Breitenreiter. Den Scherz mit der Kaffeemaschine sparen wir uns an dieser Stelle. Jedenfalls ist es so, dass Noch-Manager Horst Heldt vor dem Spiel in der Turnhalle neben dem Parkstadion gegen den wehleidigen Hamburger SV den Vorschlag gemacht hat, die Mannschaft könne doch einfach mal wieder leidenschaftlich und am besten auch gut Fußball spielen. "Wir müssen das Publikum wiedergewinnen, das wir gegen Donezk verloren haben. Jetzt müssen wir liefern, damit die Unterstützung sofort wieder da ist." Guter Plan, findet auch Breitenreiter: "Wir müssen 90 Minuten alles geben, egal, was passiert, und mutig bleiben, auch wenn die Situation schwierig ist." Allerdings verteidigte er nochmals die defensive Taktik in Frankfurt mit vier Außenverteidigern. "Stabilität ist in unserer Situation sehr wichtig." Das misslungene Experiment wird der Trainer gegen den HSV allerdings kaum wiederholen.

Streber: Julian Nagelsmann.
Streber: Julian Nagelsmann.(Foto: imago/Team 2)

Und worum geht's, wenn die TSG Hoffenheim gegen den FC Augsburg spielt? Na, darum, sich nach Kräften gegen den Abstieg zu wehren. Dabei haben die Kraichgauer die schlechteren Karten, da als Tabellenvorletzter sieben Punkte weniger auf dem Konto. Doch die Hoffenheimer Hoffnungen trägt Julian Nagelsmann, der bekannteste Streber der Republik. Nagelsmann, mit seinen 28 Jahren jüngster Trainer der Bundesligageschichte, hat kein Problem damit, dass er gleichzeitig für seine Ausbildung als Fußballlehrer lernen muss und die TSG Hoffenheim retten soll. Heute Morgen noch hat er beim DFB eine sportmedizinische Prüfung absolviert, am Abend steht er wieder an der Seitenlinie. Und ist voll im Thema: "Die größte Gefahr strahlen die Augsburger nach diagonalen Bällen aus. Aber ich denke, wir werden unsere Chancen bekommen, die müssen wir nutzen. Ein Sieg wäre wichtig."

Für welchen Trainer wird's eng?

Der eine steht am Abgrund, der andere dicht davor: Wenn Viktor Skripnik und Armin Veh die Saison auf den Trainerbänken des SV Werder Bremen und der Frankfurter Eintracht beenden wollen, müssen schleunigst Siege her. Der Druck auf das Duo ist immens - die Angst vor einer vorzeitigen Entlassung allerdings nicht. "Ich habe eine dicke Haut, wir leben nach wie vor und haben noch Chancen ohne Ende. Warum soll ich jetzt Angst haben?", sagte Skripnik. Seine Bremer stehen allerdings vor der unangenehmen Aufgabe, in Leverkusen bestehen zu müssen. Doch was heißt hier eigentlich unangenehm? Im Viertelfinale des DFB-Pokals Anfang Februar hat Werder die Rheinländer schließlich noch ganz fein mit 3:1 weggefeudelt.

Was Punkte angeht, hinken sie gut 400 Kilometer südlich von Bremen den eigenen Zielen ebenfalls weit hinterher - vielleicht sogar noch ein bisschen weiter. Die Frankfurter, seit fünf Spielen ohne Erfolgserlebnis, liegen nur noch zwei Zähler und einen Rang vor Skripniks Elf. Und die Unterstützung für Veh, zumindest seitens der Fans, bröckelt immer mehr. Der Trainer, ein ganz erfahrener Mann, schlägt daher zu seiner eigenen Sicherheit schon mal den Kuschelkurs ein. "Ich sage seit Jahren, dass wir geile Fans in Frankfurt haben. Sie sind die Wichtigsten." Doch möglicherweise kommt die charmante Schmeichel-Offensive ein bisschen zu spät. Denn wie in Bremen wird auch am Main über die Zukunft des Trainers spekuliert. Die Trennung nach dem Ende der Saison soll beschlossen sein, notfalls gehen sie aber auch früher auseinander - wenn Veh bei der überraschend starken Hertha nicht gewinnt.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich liebe die Herausforderung und den Nervenkitzel." Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann fühlt sich gewappnet für alles, was da noch auf ihn zukommt.

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Quelle: n-tv.de

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