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Der Trainer vom 1. FC Union Berlin, Sascha Lewandowski, ist für drei Wochen krankgeschrieben.
Der Trainer vom 1. FC Union Berlin, Sascha Lewandowski, ist für drei Wochen krankgeschrieben.(Foto: imago/Matthias Koch)

Union-Berlin-Coach ist krankgeschrieben: Lewandowski fällt aus - na und?

Ein Kommentar von Christoph Rieke

Drei Wochen lang lässt Sascha Lewandowski sein Traineramt beim 1. FC Union ruhen - auf ärztlichen Rat. Das erscheint im Profigeschäft ungewöhnlich, dabei sollte es ganz normal sein. Dennoch verdient Lewandowski dafür Respekt.

Wenn der 1. FC Union Berlin am Freitagabend den Karlsruher Sportclub zum Zweitliga-Heimspiel im Stadion An der Alten Försterei empfängt, wird sich den Zuschauern ein ungewohnter Anblick bieten. An der Seitenlinie wird André Hofschneider stehen - und nicht Sascha Lewandowski. "Ich muss die Empfehlung meiner Ärzte akzeptieren und mich rausnehmen. Jetzt werde ich alles daran setzen, möglichst schnell wieder bei der Mannschaft zu sein", wird Lewandowski auf der Vereinsseite zitiert. Für die Köpenicker heißt das: Mindestens drei Wochen lang müssen sie auf ihren Cheftrainer verzichten. So lange ist der Fußballlehrer krankgeschrieben. In jedem Büro ein normaler Vorgang, im Profifußball jedoch ein ungewöhnlicher Schritt. Wieso eigentlich?

Bis zu seiner Rückkehr wird Lewandowski von seinen Ko-Trainern André Hofschneider (m.) und Sebastian Bönig (r.) vertreten.
Bis zu seiner Rückkehr wird Lewandowski von seinen Ko-Trainern André Hofschneider (m.) und Sebastian Bönig (r.) vertreten.(Foto: imago/Matthias Koch)

Die Mitteilung von Lewandowski ist typisch für den 44-Jährigen. Nicht nur beim 1. FC Union schätzt man die Sachlichkeit, die Disziplin und den ausgesprochenen Teamgeist des gebürtigen Dortmunders. Dennoch mag es manch einen verwundern, dass der Übungsleiter derart mutig - und kurz angebunden - auf die Bremse tritt.

Der Fall Lewandowski offenbart eine der Perversionen des Fußballgeschäfts. Man ist es gewohnt, jedes Detail über Spieler, Trainer und Funktionäre zu erfahren, vom Syndesmosebandriss bis hin zum Liebesleben bleibt der Öffentlichkeit nichts verborgen. Wenn dann einer wie Lewandowski aus der Reihe tanzt und die genauen Hintergründe seiner ärztlich empfohlenen Auszeit im Dunkeln lässt, gibt es einen öffentlichen Aufschrei. Prompt sieht sich ein Teil der Gesellschaft dazu aufgefordert, das Informationsdefizit mit wilden Spekulationen zu kompensieren. Auch wenn Lewandowski eine Person des öffentlichen Interesses ist: Er hat immer noch das Recht auf Privatsphäre, das es zu respektieren gilt.

Ein ganz normaler Vorgang

Doch nicht nur aus moralischer Sicht verbietet es sich, Theorien über die Krankschreibung anzustellen. Im Grunde genommen ist der Schritt des Union-Trainers ein ganz normaler Vorgang. Als Arbeitnehmer hat er das Recht, krankgeschrieben zu sein und sich die Ruhe zu gönnen, die ihm seine Ärzte anraten. Das gilt auch für das Fußballgeschäft, in dem von den Akteuren nicht nur erwartet wird, dass sie permanent funktionieren, sondern dabei auch Höchstleistungen vollbringen. Darüber hinaus hat er als gesellschaftliches Vorbild die Pflicht, seine Gesundheit nicht um jeden Preis aufs Spiel zu setzen.

Erst vor kurzem hat mit Huub Stevens einer aus der Trainerzunft eingeräumt, dass er gesundheitliche Probleme hat. Im Gegensatz zu Lewandowski lieferte er die ärztliche Diagnose gleich mit - und ersparte sich so weitestgehend Nachfragen. Doch allgemein ist es im leistungsorientierten Profigeschäft leider noch immer ungewöhnlich, dass Sportler vermeintliche Schwäche zeigen. In Wahrheit jedoch zeugt ein solcher Schritt von Stärke. Deshalb verdient Sascha Lewandowski für seinen zeitweiligen Rückzug Respekt.

Stevens räumte nach der Bekanntgabe seinen Trainerstuhl bei der TSG Hoffenheim. Das wird bei Lewandowski nicht der Fall sein. Deshalb sieht André Hofschneider in den kommenden drei Wochen keinen Grund, der Mannschaft seinen Stempel aufzudrücken. Auch in Abwesenheit des Chefs, so der 46-Jährige, "wird eine Sascha-Lewandowski-Mannschaft spielen." Die Krankschreibung von Sascha Lewandowski ist also ein ganz normaler Vorgang.

Quelle: n-tv.de

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