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Kopfstöße, Kunstschützen, Durchhalteparolen: Liga geht ins große Hinrundenfinale

Von Stefan Giannakoulis und Christoph Wolf

Die Winterpause steht an, und die Liga verschickt schon einmal Titel-Glückwünsche und Kondolenzkärtchen. Langweilig ist's trotzdem nicht, wichtige Fragen sind offen: Warum setzt Norbert Meier womöglich zum Kopfstoß an? Fällt in München noch ein Tor des Jahres? Und wird bald ein Trainerplatz für Lothar Matthäus frei? Antworten gibt es auch.

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Ach ja, die Bayern. Die Fußball-Bundesliga rüstet sich für den Weihnachtsurlaub, die Fans setzen ihren Protest gegen die DFL fort - und niemand zweifelt daran, dass die Münchner auch nach 34 Spieltagen in der Tabelle ganz oben stehen und die Borussia aus Dortmund als Deutschen Meister ablösen. Klingt langweilig und ist es auch. Im Abstiegskampf scheint es so ebenfalls, als seien der FC Augsburg und Greuther Fürth kaum noch zu retten. Und die TSG Hoffenheim wird definitiv auf dem Relegationsplatz überwintern. Zwischen dem FC Bayern und den Hoffenheimern aber stehen 14 Mannschaften, die sich Chancen ausrechnen dürfen, in der nächsten Saison im Europapokal zu spielen. Und das ist wiederum spannend an der Bundesliga, unter anderem. Sieben Fragen und sieben Antworten zum Vorrundenfinale:

Sind die Bayern wirklich nicht mehr abzufangen? Nein.

Traumtore in Serie: Juan Arango verzückt mit seinen Treffern nicht nur Mönchengladbach.
Traumtore in Serie: Juan Arango verzückt mit seinen Treffern nicht nur Mönchengladbach.(Foto: dapd)

Setzt Juan Arango noch einen drauf? Den besten Spieler der Fußball-Bundesliga hat Borussia Mönchengladbach im Sommer an Dortmund verloren, der spektakulärste ist geblieben: Juan Arango. "Wieder ein Tor des Jahres", schwärmte Gladbachs Trainer Lucien Favre nach diesem unglaublichen Bogenlampen-Treffer gegen Mainz aus 44 Metern - bereits sein fünftes Traumtor in dieser Saison. Auf Facebook huldigen die "Zeugen Arangos" den Fußballkünsten des Linksfußes. Der sagt nur: "Die schwierigen Tore liegen mir". Beim Hinrundenabschluss gegen die rekordwütigen Bayern kann er zeigen: Die schwierigen Gegner auch. "Wieder ein Tor des Jahres"? Lucien Favre würde sich liebend gern wiederholen.

Was macht das Trainerkarussell? Was hat das von München, Stuttgart, Frankfurt, Gelsenkirchen, Wolfsburg und Fürth gebildete Bundesliga-Drittel gemeinsam? Ganz einfach: Die auslaufenden Verträge ihrer Trainer. Was hat das mit dem FSV Mainz und dem Hinrundenende zu tun? Ganz einfach: Der dort langfristig engagierte Thomas Tuchel firmierte medial jüngst als kurzfristiger neuer Schalke-Coach, was prompt empörte Dementis von Klub und Tuchel hervorrief. Unstrittig ist aber: Vor allem Schalke-Trainer Huub Stevens gilt nach der jüngsten Negativserie als akut gefährdet, was einen Anschlusskontrakt und sogar das Erreichen seines Vertragsendes betrifft. Läuft es schlecht, fallen Amtszeitsende und das der Hinrunde zusammen. Der "Kicker" fabulierte schon von einem Endspiel für den "Knurrer aus Kerkrade". An potenziellen Nachfolgern mangelt es auch ohne Tuchel nicht, das Angebot an deutschsprachigen Trainern mit zu viel Urlaub ist üppig: Neben den in der Hinrunde geschassten Felix Magath und Markus Babbel sind auch Heiko Vogel, Marco Kurz, Thomas Doll, Michael Skibbe, Michael Oenning und  Bernd Schuster zu haben. Ach ja, und: Lothar Matthäus.

Rafael van der Vaart brachte den Hamburger SV in Schwung. So gut, dass es für den HSV auch dann weiterhin gut lief, als der Spielmacher dann verletzt ausfiel.
Rafael van der Vaart brachte den Hamburger SV in Schwung. So gut, dass es für den HSV auch dann weiterhin gut lief, als der Spielmacher dann verletzt ausfiel.(Foto: dpa)

Ist die Bundesliga jetzt langweilig? Machen der Rekordmeistermeister und ihr Trainer Jupp Heynckes so weiter und bauen ihren Vorsprung wie an den ersten 16 Spieltagen um exakt 0,6875 Punkte pro Partie aus, sind sie nach der 28. Runde durch. Das wäre dann am 6. April in Frankfurt. Hilfreich ist es also, die Münchner einfach auszuklammern und die Meisterschaft hinter dem FC Bayern auszurufen. Und schon ist's wieder spannend. Zum Beispiel im Kampf um die restlichen drei Plätze in der Champions League (zur Tabelle). Die belegen momentan Bayer Leverkusen, der designierte Ex-Meister Borussia Dortmund und Aufsteiger Eintracht Frankfurt. Aber auch der FC Schalke und der VfB Stuttgart sowie der Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach sind mit zwei respektive drei Punkten Rückstand auf Tuchfühlung. Selbst der SC Freiburg, Hannover 96 und der FSV Mainz 05 liegen nur vier Punkte hinter einem Königsklassenplatz.

Spielt Düsseldorf im nächsten Jahr in der Europaliga? Falls Trainer Norbert Meier das liest, setzt er wahrscheinlich umgehend zum Kopfstoß an. Steht seine Fortuna doch auf Rang 15 der Tabelle, also nur einen Platz und sechs Punkte von den Relegationsspielen entfernt. Andererseits: Bis zu Rang sieben sind es auch nur sieben Punkte. Will meinen: Es geht eng zu. Und so haben auch der VfL Wolfsburg, der 1. FC Nürnberg und Werder Bremen guten Grund, europäische Ambitionen anzumelden.

Was geht noch im Abstiegskampf? Pünktlich zum Kellerduell mit den Augsburgern gibt Mike Büskens, Trainer des Tabellenletzten aus Fürth, die Mutter aller Durchhalteparolen zum Besten: "Wir werden bis zum letzten Atemzug alles für den Klassenerhalt geben". Und sein Pendant Markus Weinzierl vom Tabellenvorletzten sagt: "Es geht zwar nicht um Leben und Tod, aber es geht um sehr viel". Gut möglich, dass sich am Ende der Saison beide Mannschaften mit dem Abstieg abfinden müssen. Immerhin beträgt der Abstand zum rettenden Platz 15 bereits jetzt zehn Punkte. Dazwischen hängt auf dem Relegationsplatz 16 die TSG Hoffenheim. Nach dem Rausschmiss Markus Babbels hat ein Mann namens Frank Kramer das Ruder übernommen. Und schwört sein Team vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund auf den Abstiegskampf ein: "Wer sich nicht damit befasst, hat etwas verpasst. Jeder kann doch die Tabelle lesen. Je eher wir uns dem stellen, desto besser kommen wir damit klar." Eng wird es trotzdem.

Muss der Verlierer des Spiels Fürth gegen Augsburg für die Zweite Liga planen? Ja.

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Quelle: n-tv.de

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