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"Es hat nicht zur Perfektion und zu einem Titel gereicht. Aber man hat gesehen, dass wir fußballerisch mit den Besten mithalten können": Joachim Löw.
"Es hat nicht zur Perfektion und zu einem Titel gereicht. Aber man hat gesehen, dass wir fußballerisch mit den Besten mithalten können": Joachim Löw.(Foto: dpa)

Von wegen letzte Titelchance: Löw denkt nicht an Abschied

Den Schock des 4:4-Absturzes gegen Schweden scheint Joachim Löw überwunden zu haben. Er wolle jetzt die positiven Dinge mitnehmen, betont der Bundestrainer. Sogar die Amts-Fortsetzung über 2014 hinaus hält er für denkbar. Löw will wohl das Szenario der letzten Chance entschärfen.

Die Debatte ist eröffnet. Macht Joachim Löw nach der Fußball-WM 2014 in Brasilien doch weiter? Zwar sieht sich der Bundestrainer dem größten Gegenwind ausgesetzt, seit er 2006 von Jürgen Klinsmann den in Deutschland stets mit Argusaugen beobachteten Posten übernommen hat. Ausschließen aber will der 53-Jährige eine Fortführung seiner Mission auch nach der kommenden Weltmeisterschaft nicht. "Ich habe nie gesagt, dass ich 2014 aufhöre", sagte Löw jetzt der "Bild"-Zeitung. "Kraft und Motivation sind unverändert groß. Daran ändern auch einige Rückschläge nichts."

Was nun die Diskussionen in Gang setzt: Will Löw tatsächlich dann auch acht Jahre nach seinem Amtsantritt das DFB-Team weiter führen? Oder möchte der Freiburger vor allem vermeiden, dass ein Letzte-Chance-Szenario in den knapp zwei Jahren bis Brasilien und dann beim Turnier ihn selbst und sein Team zu stark beeinflussen könnte? "Ich bin seit 2004 beim DFB, wir kennen uns alle sehr gut", sagte Löw und kündigte zu "gegebener Zeit ein Tendenzgespräch" an, "aber in aller Ruhe". Fakt ist erst einmal: Derzeit stehe eine mögliche Vertragsverlängerung "nicht zur Debatte."

Vor der jüngsten Europameisterschaft hatten der Deutsche Fußball-Bund und Löw frühzeitig eine Zusammenarbeit bis 2014 geklärt. Viele Experten sind davon ausgegangen, dass dies die letzte Periode des Badeners sein würde - und damit die letzte Titelchance. "Ich habe das nie gesagt", wiederholte Löw nun. "Oder kennen Sie eine solche Aussage?" Seine Motivation habe ohnehin nichts mit einem Vertrag zu tun: "Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Spieler stört, dass ich derzeit nur einen Vertrag bis 2014 habe."

"Nicht selbstverständlich, 2014 Weltmeister zu werden"

Beim DFB wird man Löws Gedanken mit Wohlwollen aufgenommen haben. Präsident Wolfgang Niersbach macht seit Monaten kein Hehl daraus, dass die derzeitige Lösung das Optimum für ihn und den Verband darstellt. "Kerzengerade" stehe er hinter Löw, betonte der DFB-Boss auch nach dem jüngsten bitteren 4:4 in der WM-Qualifikation gegen Schweden. Nach dem ersten Schock über den verspielten 4:0-Vorsprung und den Absturz in nur 30 Minuten - das gab es in der deutschen Länderspiel-Geschichte bisher noch nie - will sich Löw jetzt "an den positiven Momenten" des Schweden-Spiels orientieren.

"Die letzten beiden Jahre haben wir große Schritte gemacht im fußballerischen Bereich. Es hat nicht zur Perfektion und zu einem Titel gereicht. Aber man hat gesehen, dass wir fußballerisch mit den Besten mithalten können. Das halte ich schon auch für wahnsinnig positiv", hatte Löw betont. Jetzt verwies er nochmals auf die 25 Qualifikationsspiele ohne Niederlage - mit 22 Siegen. Mit den vielen Siegen sei der Druck immer weiter gestiegen.

Der Bundestrainer weiß aber auch: "Es ist nicht selbstverständlich, 2014 Weltmeister zu werden. Aber das macht mir keine Angst. Weil ich ja sehe, was die Mannschaft zu leisten vermag." Deshalb habe er auch in den vergangenen schweren Wochen nach dem EM-K.o. gegen Italien und dem historischen 4:4 gegen Schweden, für die Löw die Verantwortung übernommen und dabei eigene Fehler eingeräumt hatte, nie an einen vorzeitigen Abschied gedacht. "Wichtig wird sein, dass wir an diesen defensiven Schwächen weiter arbeiten."

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Quelle: n-tv.de

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