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Hätte nicht sein müssen: Das Gegentor gegen Kasachstan geht auf die Kappe von Manuel Neuer.
Hätte nicht sein müssen: Das Gegentor gegen Kasachstan geht auf die Kappe von Manuel Neuer.(Foto: AP)

Hohn und Spott für Manuel Neuer: Löw giftet gegen das Publikum

Von Stefan Giannakoulis, Nürnberg

Manuel Neuer macht einen Fehler, Kasachstan schießt ein Tor - und Bundestrainer Joachim Löw platzt der Kragen. Weil die Zuschauer in Nürnberg jede einigermaßen gelungene Aktion des Torhüters mit hämischen Applaus begleiten.

Deutschland - Kasachstan 4:1 (3:0)

Tore: 1:0, 4:1 Reus (23./90.), 2:0 Götze (27.), 3:0 Gündogan (31.), 3:1 Schmidtgal (46.)

Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Boateng, Schmelzer - Khedira, Gündogan - Müller, Özil, Reus (90. Jansen) - Götze
Kasachstan: Sidelnikow - Gurman, Mucharow, Dmitrenko, Kirow - Nurdauletow (46. Dscholtschijew) - Konysbajew (78. Schomko), Engel, Korobkin, Schmidtgal - Ostapenko (64.  Kukejew)

Referee: Özkahya (Türkei) Zuschauer: 43.500 (av)

Irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit hatte Joachim Löw genug. Er drehte sich Richtung Tribüne, gestikulierte unwillig in deren Richtung und drehte sich dann entnervt wieder um. Dabei war eigentlich alles prima an diesem eisigen Abend im mit 43.520 Zuschauern ausverkauften Nürnberger Frankenstadion. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war dabei, ihre Partie gegen Kasachstan zu gewinnen und auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien die Tabellenführung in der Gruppe C noch komfortabler zu gestalten, als sie es ohnehin war.

Letztlich gelang ihr das auch mit dem 4:1. Nach nun sechs Begegnungen stehen 16 Punkte zu Buche. Österreich, Irland und Schweden folgen mit je acht Zählern. So war der Bundestrainer auch mit dem, was seine Spieler geleistet hatten, durchaus zufrieden. "Wir haben es in der ersten Halbzeit unglaublich gut gemacht. Da haben wir schnell gespielt, waren viel in Bewegung, haben sehr gute Kombinationen auf engstem Raum gehabt, haben drei Tore erzielt." Doch einen Schönheitsfehler gab es.

Aber Joachim Löw war nicht sauer, dass sein Torhüter Manuel Neuer kurz nach der Pause einen Fehler gemacht hatte, als er einen Rückpass des Innenverteidigers Per Mertesacker vertändelte. Und zwar so gründlich, dass der Deutsch-Kasache Heinrich Schmidtgal, der für die SpVgg Greuther Fürth in der Bundesliga spielt, an den Ball kam und ihn zum Ehrentreffer im deutschen Tor unterbrachte. Nein, dem Trainer stieß die Reaktion des Publikums auf.

Ironiebegleitung? "Finde ich unsportlich"

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Viele Fans machten sich nach Manuel Neuers Patzer einen Spaß daraus, ihn wahlweise auszupfeifen oder jede halbwegs gelungene Aktion des Münchners mit hämischem Applaus zu begleiten. Geht gar nicht, meinte der Bundestrainer. Und das nicht nur, weil Neuer am Tag nach dem Spiel seinen 27. Geburtstag beging und ihm die Lust zum Feiern in Nü rnberg vergangen war. "Er gehört zu den besten Torhütern der Welt und hat mal einen Fehler gemacht. Dass er für den Rest des Spiels durch das Publikum mit Ironie begleitet wird, finde ich unsportlich."

War es dann wohl auch. Auch wenn es für einen Spieler des in Franken wenig beliebten FC Bayern nichts Ungewöhnliches ist, wenn er die Sympathien der zahlenden Kundschaft nicht ungeteilt auf seiner Seite hat. Mittelfeldspieler Thomas Müller dürfte sich damit auskennen - und verteidigte seinen Vereinskollegen. "Für diese Reaktionen habe ich überhaupt kein Verständnis. Was erwarten die deutschen Fußballfans denn: Dass wir jedes Spiel 8:0 gewinnen?"

"Entschuldigen bei der Mannschaft"

Manuel Neuer machte nach seinem Aussetzer übrigens alles richtig und gab sich keine Blöße mehr. Den offenbar eng bemessenen Kredit aber hatte er, zumindest für diesen Abend, verspielt. Hinterher gab er sich selbstkritisch und zerknirscht. "Ich habe heute ein Geschenk verteilt. Ich muss mich entschuldigen bei der Mannschaft. Ich wollte den Ball nicht planlos weghauen, aber das hätte ich lieber machen sollen."

Und lud dann gleich die ganze Schuld auf seine breiten Schultern. "Das war wohl die Initialzündung dafür, dass wir eine schlechte zweite Halbzeit hatten." In der Tat schwebte für eine gute Viertelstunde der Geist von Schweden über dem Rasen, zumal die Kasachen noch zweimal den Ball an den Pfosten schossen. Am Ende aber stand ein souveräner Sieg der deutschen Mannschaft. Mit einem Trainer, der das nicht genießen konnte.

Quelle: n-tv.de

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