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Es gab auch Torraumszenen in Amsterdam, nur nicht viele und erst recht keine Tore.
Es gab auch Torraumszenen in Amsterdam, nur nicht viele und erst recht keine Tore.(Foto: dpa)

Oranje zelebriert Mauerfußball : Löws B-Elf schafft Nullnummer

Die gute Nachricht lautet: Das DFB-Team hat diesmal kein 4:0 verspielt. Die schlechte ist: Für vier Tore hätten die Chancen bei der trostlosen Nullnummer gegen die Niederlande gar nicht gereicht. Zum Abschluss des Länderspieljahres langweilen beide Teams ihre Fans. Holland, weil es nur mauern will. Und Deutschland, weil ihm ohne acht Stammspieler nichts dazu einfällt. Einziger Gewinner ist ein Schalker.

Kurz vor Schluss hatte Marco Reus noch einmal die Chance zum Siegtor. Der Ball versprang.
Kurz vor Schluss hatte Marco Reus noch einmal die Chance zum Siegtor. Der Ball versprang.(Foto: dapd)

Spielkontrolle statt Ballzauber: Mit viel Disziplin und stark dosierter Offensive hat die Fußball-Nationalmannschaft ihr turbulentes EM-Jahr mit einer insgesamt unerbaulichen Nullnummer in den Niederlanden beendet. Ohne acht Stammkräfte hatte Bundestrainer Joachim Löw seiner jungen Reservisten-Auswahl in Amsterdam taktische Kontrolle als oberstes Gebot verordnet. Lohn war das 0:0, das nach dem Schweden-Schock die Defensiv-Diskussionen etwas abmildern dürfte..

Vor 51.000 Zuschauern zeigten beide Mannschaften erstaunlich wenig Angriffsleidenschaft - besonders Oranje hatte enorm viel Respekt und wollte die dritte Niederlage innerhalb eines Jahres gegen das DFB-Team unbedingt vermeiden. Vom Offensivfußball, den Bondscoach Louis van Gaal immer predigt, war herzlich wenig zu sehen. Von der Löw-Auswahl wurde das Jahr 2012 mit acht Siegen, zwei Remis und vier Niederlagen beendet.

Deutschland imponiert mit Teamgeist

Niederlande - Deutschland 0:0

Tore: Fehlanzeige

Niederlande: Vermeer -  van Rhijn (46. Janmaat), Heitinga (46. de Vrij), Vlaar, Bruno Martins  Indi - Nigel de Jong,  van der Vaart (72. Emanuelson) - Schaken, Afellay (59. van Ginkel), Robben (46. Elia) - Kuijt
Deutschland: Neuer - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Lahm - Lars Bender (82. Sven Bender), Gündogan - Müller (84. Schürrle), Holtby (87. Neustädter), Reus (90.+2 Julian Draxler) - Götze (72. Podolski)

Schiedsrichter: Proença (Portugal)
Zuschauer: 51.000 (av.)

So viel Improvisationskunst wie in seinem 89. Spiel als Bundestrainer hatte Löw noch nicht aufbringen müssen, doch die aus der Not heraus geborene deutsche Mannschaft bewies hohe taktische Disziplin und imponierte zumindest mit ihrem Teamwork. Angeführt von dem spielfreudigen Marco Reus fand die Elf auch wieder die zuletzt vermisste Balance zwischen Offensive und Defensive.

Eine mutige Entscheidung traf der Bundestrainer mit dem Einsatz des erst am Montag nachnominierten Lewis Holtby auf der Özil-Position im zentralen Mittelfeld. Der etatmäßige U21-Kapitän steigerte sich nach nervösem Beginn und hatte im zweiten Durchgang mehrere gute Szenen. Nicht minder überraschend kam die Rolle für Mario Götze, der nominell Sturmspitze spielte, aber auch anderswo auf dem Feld auftauchte. Auf der Doppel-Sechs machten Ilkay Gündogan und Lars Bender ihre Sache als Vertreter des Stammduos Schweinsteiger/Khedira erstaunlich gut und ließen Oranje-Spielmacher Rafael van der Vaart wenig Raum. Für die letzten Minuten durfte auch noch Roman Neustädter als 53. Neuling unter Löw Länderspiel-Luft schnuppern. Angesichts des insgesamt faden Kicks darf er als einziger Gewinner der Partie gelten.

Die Abwehr hält, weil Oranje nicht will

Vier Wochen nach dem Schweden-Debakel mit vier Gegentoren in 30 Minuten wirkte die Abwehr um Per Mertesacker und Mats Hummels lange Zeit gefestigt. Allerdings hatte Kapitän Philipp Lahm, der sein 95. Länderspiel absolvierte und mit Karl-Heinz Rummenigge gleichzog, gelegentlich Probleme mit dem flinken Ruben Schaken. Am Ende schlichen sich aber auch wieder Konzentrationsmängel ein. Bei seiner einzigen echten Prüfung zeigte Manuel Neuer im Tor gewohnte Klasse, als er einen Schuss von Daryl Janmaat entschärfte (77.).

Die mit drei Bundesliga-Profis, aber überraschend ohne den Schalker Klaas-Jan Huntelaar aufgelaufenen Oranjes zeigten großen Respekt und überließen dem Gast von Beginn an die Initiative. Die DFB-Elf ließ den Ball in der eigenen Hälfte ruhig zirkulieren, schaltete dann aber blitzschnell auf Tempofußball um. In der 4. Minute schickte Hummels seinen Dortmunder Clubkollegen Marco Reus steil, doch Torhüter Kenneth Vermeer kam rechtzeitig aus seinem Kasten und war eher am Ball. Viel Raum hatte zunächst vor allem Benedikt Höwedes auf der rechten Seite. Der Schalker zog in der 21. Minute auf und davon und passte in die Mitte auf Götze, der aus der Drehung erst an John Heitinga und dann an Vermeer scheiterte.

Robben scheitert kläglich

Erst nach einer halben Stunde Spielzeit wurde es erstmals gefährlich vor dem deutschen Tor, als Arjen Robben bei seinem Solo auch noch seinen Bayern-Kollegen Neuer ausspielte, ehe er beim Torschuss wegrutschte. Weil der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca zuvor eine Abseitsstellung von Dirk Kuyt erkannt hatte, hätte der Treffer ohnehin nicht gegolten. Dafür hatten auf der anderen Seite die deutschen Fans den Torschrei bereits auf den Lippen, doch der 16-Meter-Schuss des agilen Reus landete am Außennetz (39.). Kurz vor der Pause verpasste Gündogan das eigentlich verdiente 0:1. Wieder stand Heitinga im Weg.

Auch nach Wiederbeginn erlebten die Zuschauer ein Geduldsspiel mit Vorteilen für die deutsche Mannschaft. Der finale Pass in die Spitze kam allerdings viel zu selten an. In der 55. Minute versuchte Holtby Reus in Szene zu setzen, der im letzten Moment abgeblockt wurde. Wenig später flog ein Hummels-Kopfball am niederländischen Tor vorbei. In der Schlussphase einer am Ende wenig ansehnlichen Partie kam Lukas Podolski zu seinem 106. Einsatz im DFB-Trikot, für zündende Ideen konnte aber auch der Wahl-Engländer nicht sorgen.

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Quelle: n-tv.de

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