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Konnte mit einem Lächeln vom Platz gehen: Bundestrainer Löw
Konnte mit einem Lächeln vom Platz gehen: Bundestrainer Löw(Foto: picture alliance / dpa)

Schwups - alles wieder gut: Löws Eleven verabreichen sich EM-Aufheller

Von Stefan Giannakoulis, München

Das mit dem Sieg gegen Italien ist schon prima - auch wenn ein Testspiel ein Testspiel bleibt. Der Bundestrainer kann nun in Ruhe in Richtung Europameisterschaft denken. Nur einer ist gänzlich bedient.

Nun ist es so: Auch, wenn die deutschen Fußballer ein Testspiel gewinnen, bleibt es ein Testspiel. Dennoch darf sich die DFB-Elf rühmen, mit dem 4:1 (2:0) gegen Italien an diesem Dienstagabend in München dafür gesorgt zu haben, dass die Stimmung nun um einiges besser ist, als sie es noch nach dem 2:3 gegen England am Karsamstag in Berlin war. Der Europameisterschaft, die für das Team des Bundestrainers am 12. Juni mit der Partie in Lille gegen die Ukraine beginnt, kann sie nun frohgemut entgegenblicken. Und, was fast noch wichtiger ist: Das Publikum kann es nach dieser blitzsauberen Leistung auch.

Deutschland - Italien 4:1 (2:0)

Tore: 1:0 Kroos (24.), 2:0 Götze (45.), 3:0 Hector (59.), 4:0 Özil (75., Elfmeter), 4:1 El Shaarawy (83.)

Deutschland: ter Stegen - Mustafi, Hummels, Rüdiger - Özil, Rudy, Hector (ab 85. Ginter), Kroos (ab 90. Kramer) - Müller (ab 69. Can), Götze (ab 61. Reus), Draxler (ab 85. Volland)

Italien: Buffon - Darmian, Bonucci (ab 61. Ranocchia), Acerbi - Giaccherini (ab 69. El Shaarawy), Motta (ab 68. Parolo), Florenzi (ab 61. De Silvestri), Montolivo - Bernardeschi, Zaza (ab 78. Antonelli), Insigne (ab 68. Okaka)

Schiedsrichter: Oliver Drachta (Österreich) - Zuschauer: 62.653

Joachim Löw formulierte das nach der Partie so: "Ich habe gespürt, dass die Mannschaft in der Lage war, die Konzentration hochzuhalten" - im Gegensatz zur Niederlage gegen England. "Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht." Wie sehr eine Testspielniederlage vor einem Turnier aufs Gemüt schlagen kann, hatte Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann im März 2006 vor der Weltmeisterschaft in Deutschland erfahren müssen. Damals ging es ebenfalls gegen Italien - nur verlor die Mannschaft seinerzeit mit 1:4. Die Partie ging als das Fiasko von Florenz in die Geschichte ein, übereifrige und zu Recht vergessene Abgeordnete der CDU, FDP und SPD wollten Klinsmann gar vor den Sportausschuss des Deutschen Bundestages zitieren, auf dass er sich und das Debakel erkläre.

Das Schicksal, mit solch einer absurden Forderung konfrontiert zu werden, wäre Löw so oder so erspart geblieben, ist er doch der Weltmeistertrainer. Und er gibt, wie er in der vergangenen Woche kundtat, wenig bis nichts darauf, was andere sagen. An Florenz habe er, der damals als Klinsmanns Assistent auf der Bank saß, sowieso nicht gedacht. "Das hatte ich fast schon vergessen. Wir haben damals auch die richtigen Lehren aus diesem Spiel gezogen. Von daher will ich da keine Vergleiche ziehen." Aber auch er weiß, wie gut dieses 4:1 gegen eine italienische Mannschaft tut, die gegen die DFB-Elf nie zur Entfaltung kam.

Kollege Conte ist bedient

Schließlich will er am 17. Mai seinen vorläufigen Kader benennen - und bis dahin und dem Trainingslager im Tessin steht kein weiteres Länderspiel mehr an. Quälend lange und mutmaßlich auch wegen fehlender neuer Erkenntnisse redundante Diskussionen bleiben Löw und seiner Auswahl nun erspart. Zumal es dem Bundestrainer in der nicht ganz ausverkauften Arena zu Fröttmaning gelungen war, mit einer in Teilen unkonventionellen Aufstellung einen Gegner deutlich auf Distanz zu halten, gegen den deutsche Mannschaften sich traditionell schwer tun - und seit über 20 Jahren nicht mehr gewonnen hatten. So beorderte er Shkodran Mustafi als zentralen Mann in die Dreierabwehrkette, stellte ihm Mats Hummels links und Antonio Rüdiger rechts an die Seite. Im Verteidigungsfall rückten Jonas Hector und Sebastian Rudy aus dem Mittelfeld nach hinten, so dass eine fünfgliedrige Kette entstand. Und davor sorgte Toni Kroos mit, auch das überraschte, Mesut Özil als Doppelsechs für den gepflegten Spielaufbau.

Das alles funktionierte wie geplant - sehr zur Zufriedenheit des Bundestrainers, der konstatierte: "Ein Risiko - klar. Aber wenn nicht in einem solchen Spiel, wann dann?" Sein italienischer Kollege Antonio Conte jedenfalls war hinterher einigermaßen bedient: "Es macht keinen Spaß, auf diese Art zu verlieren. Wir wollten eigentlich besser werden, um zu sehen, wie groß die Distanz noch ist, die uns von Deutschland trennt." Und die war dann an diesem Abend doch groß. Das sah auch Conte so: "Deutschland ist Weltmeister - und wir haben verdient verloren." Aber: "Ich kann keinem der Jungs etwas vorwerfen, sie haben alles gegeben. Deswegen werde ich jetzt auch niemanden in die Pfanne hauen." Und Löw? Wollte zum Schluss dann doch noch einmal darauf hinweisen, dass ein Testspielsieg ein Testspielsieg ist - und nicht mehr. Allerdings: "Es war schon wichtig, dass die Mannschaft nun das Gefühl hat, dass sie Italien schlagen kann." Womit wir schon wieder bei der EM sind. In Frankreich ist ein möglicher Gegner im Viertelfinale, richtig, Italien. Aber die Stimmung - die ist gut.

Quelle: n-tv.de

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