Mittwoch, 01. September 2010
Verschuldete Schalker kaufen ein: Magath geht aufs Ganze
Leonard Goebel
Schalke ist hochverschuldet - und sehr zahlungskräftig zugleich. Fast 27 Millionen Euro haben die Schalker vor dem Ablauf der Transferperiode in die Hand genommen, um drei Spieler zu kaufen. Trainer, Manager und Vorstand Felix Magath geht ein großes Risiko ein. Warum nur?Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, dass Felix Magath in sämtlichen deutschen Medien verkündete, Schalke stehe finanziell noch schlechter da, als er gedacht hätte. Für teure Transfers habe man kein Geld, eventuell müsse man sogar kurzfristig Spieler verkaufen. Konsequent wie Magath nun einmal ist, setzte er in der vergangenen Saison vor allem auf die Jugend. Spieler aus der Schalker Nachwuchsabteilung rückten in den Profikader auf, weitere Talente wurden für wenig Geld von unterklassigen Clubs verpflichtet.
Und dem Trainer und Manager in Personalunion schien alles zu gelingen: erst die Versöhnung mit den Fans und am Ende der Saison die direkte Champions-League-Qualifikation. Magath, der für seine Erfolge mit Stuttgart, Bayern und Wolfsburg bereits dreimal zum Trainer des Jahres gewählt worden war, hatte nun endgültig die Stufe des ewigen Quälix überschritten und wurde zu so etwas wie dem deutschen José Mourinho - eben einem Coach, der einfach mit jeder Mannschaft Erfolg hat. Nur, dass Magath dabei sogar mit wenig Geld auskam und so die drohende Pleite verhinderte.
Auch zu Beginn dieser Saison war wieder von Schalker Sparplänen zu hören: Die Gehälter sollten gedrückt und zu teure Spieler verkauft werden. Bis vor ein paar Tagen hätte man sogar behaupten können, Magath habe auch dieses Ziel erreicht. Der gut bezahlte Kevin Kuranyi ging nach Moskau, an den Verkäufen von Heiko Westermann und Rafinha verdienten die Schalker zusammen rund 16,5 Millionen Euro. Die Zugänge, darunter Kyriakos Papadopoulos, Dergio Escudero und Ciprian Deac, waren verhältnismäßig günstig. Topstar Raul und Christoph Metzelder kamen ablösefrei.
Drei teure Transfers in letzter Minute
Jan-Klaas Huntelaar geht mit cirka 14 Millionen Euro als teuerster Transfer in die Schalker Vereinsgeschichte ein.
Doch seitdem schlug Magath noch dreimal auf dem Transfermarkt zu und verpflichtete kurz vor Ende der Transferperiode Klaas-Jan Huntelaar vom AC Mailand, Jose Manuel Jurado von Atletico Madrid und Nicolas Plestan vom OSC Lille. Innerhalb weniger Stunden gab er damit insgesamt geschätzte 27 Millionen Euro aus - reine Ablösesumme. Rechnet man alle Transfers zusammen, bleibt somit ein Minus von etwa 20 Millionen Euro - nicht gerade wenig für einen Club, der erst vor wenigen Wochen seine Fans dazu aufgerufen hat, dem Verein durch den Kauf von Anleihen mit 10 Millionen unter die Arme zu greifen.
Und auch die Gehälter dürften auf Schalke nach den neuesten Einkäufen nun nicht mehr deutlich unter denen der letzten Saison liegen. Zumindest Jurado scheint mit seinem Vertrag außerordentlich zufrieden zu sein: "Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen", sagte der offensive Mittelfeldspieler, der sich gleich bis 2014 an die Königsblauen gebunden hat. Und auch Huntelaar, der vor seinem Wechsel zu Milan für Real Madrid auflief, ist kein Geringverdiener.
Das Risiko, das Magath eingeht, ist hoch. Allein finanziell ist der Verein nun beinahe schon zur Wiederholung des Vorjahreserfolgs verdammt, selbst ein Europa-League-Platz könnte die Ausgaben der klammen Schalker kaum decken. Hinzukommt, dass auch die Fans in Gelsenkirchen zunehmend skeptisch auf die Allmacht ihres anfangs so gefeierten Magath blicken. Vor allem die Absetzung des Fanbeauftragten Rolf Rojek passte ihnen nicht. Wenn die sportlichen Ergebnisse so weitergehen, könnte Magath ziemlich schnell eine Situation ereilen, die er lange nicht mehr erlebt hat: unter Druck und in der Kritik zu stehen.
Wozu das Ganze?
Mehr und mehr stellt sich die Frage, wozu dieser ganze Aufwand nötig war. Immerhin haben die Schalker in ihrer Bundesliga-Geschichte nie eine bessere Platzierung erreicht als in der letzten Saison. Und auch im Pokal kam die junge Magath-Elf ins Halbfinale und scheiterte erst am späteren Double-Gewinner. Nach so einem Jahr hätte Magath sich eigentlich in aller Ruhe nach einem Ersatz für Kuranyi und zwei oder drei weiteren interessanten Spielern umschauen können. Es wäre ein für Fußballtrainerverhältnisse entspannter Sommer geworden. Stattdessen baute der 57-Jährige den kompletten Kader um. 15 Spieler kamen hinzu, 14 verließen den Verein. Nach den ersten beiden Partien zweifeln nicht nur Laien daran, ob die neue Formation tatsächlich deutlich besser ist als die alte. Auch Magath selbst war sich offenbar nicht ganz sicher, die Last-Minute-Transfers sind ein handfester Beleg dafür.
Jurado soll das Schalker Spiel kreativer machen. Er ist der zweitteuerste Spieler der Vereinsgeschichte.
Magaths Problem ist, dass Fans und Experten nach den spektakulären Transfers eine Steigerung der letzten Saison erwarten - oder zumindest keine Verschlechterung. Angesichts der großen Konkurrenz in der Bundesliga wird das allerdings schwierig. Nur in der Champions League könnte sich Magath noch einmal selbst übertreffen. Aber Schalke wird es - wie alle deutschen Mannschaften - schwer haben, sich nach der Gruppenphase zu behaupten.
Bleiben die Schalker sportlich hinter den Erwartungen zurück, leidet darunter nicht nur der Trainer Felix Magath. Vor allem als Manager und Vorstandsmitglied spielt er mit seinem Ruf, wenn sich die riskanten Investitionen nicht auszahlen. Es wird eine der großen Fragen dieser Saison sein, ob Magath es schafft, noch einmal alle Kritiker zu überzeugen. Felix den Weisen, müsste man ihn dann wohl nennen. Wenn die Rechnung nicht aufgeht, bleibt ihm immerhin noch der Name Quälix.
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Magath geht hohes Risiko? Ja, was soll er denn sonst machen! schließlich hat der den Schalkern die Meisterschaft versprochen. Deswegen haben sie ihn geholt.
solange der metzelder dahinten rumturnt, wird das nix ! der spielt ja, als hätte er noch vertrag beim bvb !!!
Ändert bitte mal die Bildunterschrift Rieskiert viel: Felix Magath.!! So ein Rechtschreibfehler darf nicht passieren.
@kraftzwerg: Danke! Schon geschehen.
Es wäre mal schön wenn die DFL die Bilanz von S05 kontrollieren würde, vielleicht ergibt sich ja die Chance dem Verein die Lizenz zu entziehen. Aber sowas passiert ja nur immer bei den kleinen Vereinen wie z.B. St. Pauli
wann wurde dieser artikel geschrieben ? scheinbar vor der cl-quali oder warum wurden die 10 mio miese nicht mit den sicheren 15 mio einnahmen aus der cl-quali verrechnet ? billige polemik = ganz schlechter journalismus
Wozu das Ganze- alleine dieser Satz beschreibt die sportliche Unwissenheit des Schreiberlings. Das sich der S04 nicht in einer Freizeitliga aufhält, dürfte auch der Sportredaktion bekannt sein. Hier geht es einiges mehr. Konkurrenzfähigkeit ist Pflicht für CL-Teilnehmer, um an die Geldtöpfe zu kommen, oder was denkt der Schreiberling, warum der FCB so ein Festgeldkonto über Jahre hinweg aufgebaut hat? Ich verhehle nicht, dass dies natürlich mit einem gewissen Risiko verbunden ist, aber durchaus ein Weg aus der Krise sein kann!!
Horst Heldt verdient 3 Mio zusätzlich pro Jahr. Hi hi hi
Man darf aber wohl schon mal nachfragen, wohin sich Felix samt seiner offenkundigen Allmachtsphantasien da zu wirtschaften gedenkt, falls das Ganze nicht funktioniert. Wer bei Pleite04 ein paar Jahre zurückdenken mag und sich vermutlich feixend an das damalige Schicksal und Beinahe-Aus des so verhassten Nachbarn Lüdenscheid Nord erinnern kann, muss augenblicklich den warnenden Zeigefinger heben. Denn Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Allen anderen könnte es ja eigentlich egal sein. Aber auch nur, wenn bei den Lizenzvergaben nicht einmal mehr mit zweierlei Maß gemessen würde...
@grünweiß: Die ca. 15 Mio. wären es gewesen wenn Werder sich nicht Qualifiziert hätte. Dann wären die CL-Gelder ca. 30Mio durch die zwei Teilnehmer geteilt worden, so müssen sie durch 3 geteilt werden und es sind nur 10 Mio. einnahmen. Schalke hat bei den Qualispielen deshalb auch eher Genua die Daumen gedrückt.
In jeder Mannschaft gibt es Spieler, die Top-Leistungen abliefern könnten, dieses jedoch aus bestimmten Gründen z. Bsp. wegen Mentalitätsunterschiede zu Trainer und Mitspielern, zum Umfeld oder auch den Fans nicht beweisen können. Wenn Magath nun wie in Wolfsburg diese bestimmten im 2. und 3. Glied stehenden Spieler einsammelt, zu einer homogenen Truppe zusammenfügt, ihr etwas Zeit zum Einspielen gibt, dann kann mit etwas Geduld GROSSES dabei herauskommen. Die alten Platzhirsche wie Westermann, Rafiniha, Kurany oder Bordon stünde da nur im Weg. Bin mir ganz sicher, dass Schalke auf dem richtigen Weg ist. Die werden Meister. Früher oder Später. Mit Felix Magath in seinem dritten Trainerjahr bei S04 oder danach mit Felix Magath als Nachfolger von Tönnies im Vorstand von Schalke. Glück Auf !!!
Bei Bayern Münschen und Wolfsburg kam Magath mit wenig Geld aus???? NTV scheint das Geschehen in der Bundesliga nicht so recht zu verfolgen. Diesen Artikel kann ich somit nicht ernst nehmen... Glück Auf!
Der Felix wird nach erfolgter Mission S04 beim HSV nicht Trainer, sondern Vorstandsboss Hoffmann ablösen.
Das ist Wahnsinn was die Blauen da treiben! Die hatten wirklich den besten Kader den sie lange Zeit hatten, viele Junge hungrige Spieler! Nun wird dieses Konzept, welches ja auch erfolgreich beim FCB und BVB erfolgreich verfolgt wird, radikal über den haufen geworfen! Noch dazu wenn man mit dem Geld der Gelsenkirchner Stadtzur Rettung der Lizensunüberlegt und hastig hausieren geht um teure Söldner zu kaufen! Schade für die gute Truppe letzte Saison, die fült sich ja nun gequält in der Arsch getreten! Ganz schmaler Grad von den Blauen...verdammt schmaaal!! *Kopfschüttel*
magath ist jetzt verpflichtet mit schalke in der championsleague mindestens die gruppenphase zu überstehen, ansonsten wird es finanziell sehr eng aussehen... er genießt sehr großes vertrauen, wenn schalke scheitert ist magath weg und die schulden bleiben!!
@kaibob ich glaub, du hast was falsch verstanden. so wie ich das verstehe, geht es hier um die schalkener pleite, worauf sich auch magaths sparsamkeit bezieht und nicht um seine sparsamkeit bei anderen vereinen ;