Verschuldete Schalker kaufen ein

Magath geht aufs Ganze

imageLeonard Goebel
01.09.2010 | 17:34 Uhr
Schalke ist hochverschuldet - und sehr zahlungskräftig zugleich. Fast 27 Millionen Euro haben die Schalker vor dem Ablauf der Transferperiode in die Hand genommen, um drei Spieler zu kaufen. Trainer, Manager und Vorstand Felix Magath geht ein großes Risiko ein. Warum nur?
magath
Riskiert viel: Felix Magath. (Foto: picture alliance / dpa)

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, dass Felix Magath in sämtlichen deutschen Medien verkündete, Schalke stehe finanziell noch schlechter da, als er gedacht hätte. Für teure Transfers habe man kein Geld, eventuell müsse man sogar kurzfristig Spieler verkaufen. Konsequent wie Magath nun einmal ist, setzte er in der vergangenen Saison vor allem auf die Jugend. Spieler aus der Schalker Nachwuchsabteilung rückten in den Profikader auf, weitere Talente wurden für wenig Geld von unterklassigen Clubs verpflichtet.

Und dem Trainer und Manager in Personalunion schien alles zu gelingen: erst die Versöhnung mit den Fans und am Ende der Saison die direkte Champions-League-Qualifikation. Magath, der für seine Erfolge mit Stuttgart, Bayern und Wolfsburg bereits dreimal zum Trainer des Jahres gewählt worden war, hatte nun endgültig die Stufe des ewigen Quälix überschritten und wurde zu so etwas wie dem deutschen José Mourinho - eben einem Coach, der einfach mit jeder Mannschaft Erfolg hat. Nur, dass Magath dabei sogar mit wenig Geld auskam und so die drohende Pleite verhinderte.

Auch zu Beginn dieser Saison war wieder von Schalker Sparplänen zu hören: Die Gehälter sollten gedrückt und zu teure Spieler verkauft werden. Bis vor ein paar Tagen hätte man sogar behaupten können, Magath habe auch dieses Ziel erreicht. Der gut bezahlte Kevin Kuranyi ging nach Moskau, an den Verkäufen von Heiko Westermann und Rafinha verdienten die Schalker zusammen rund 16,5 Millionen Euro. Die Zugänge, darunter Kyriakos Papadopoulos, Dergio Escudero und Ciprian Deac, waren verhältnismäßig günstig. Topstar Raul und Christoph Metzelder kamen ablösefrei.

Drei teure Transfers in letzter Minute

Doch seitdem schlug Magath noch dreimal auf dem Transfermarkt zu und verpflichtete kurz vor Ende der Transferperiode Klaas-Jan Huntelaar vom AC Mailand, Jose Manuel Jurado von Atletico Madrid und Nicolas Plestan vom OSC Lille. Innerhalb weniger Stunden gab er damit insgesamt geschätzte 27 Millionen Euro aus - reine Ablösesumme. Rechnet man alle Transfers zusammen, bleibt somit ein Minus von etwa 20 Millionen Euro - nicht gerade wenig für einen Club, der erst vor wenigen Wochen seine Fans dazu aufgerufen hat, dem Verein durch den Kauf von Anleihen mit 10 Millionen unter die Arme zu greifen.

Weitere News

Und auch die Gehälter dürften auf Schalke nach den neuesten Einkäufen nun nicht mehr deutlich unter denen der letzten Saison liegen. Zumindest Jurado scheint mit seinem Vertrag außerordentlich zufrieden zu sein: "Dieses Angebot konnte ich nicht ablehnen", sagte der offensive Mittelfeldspieler, der sich gleich bis 2014 an die Königsblauen gebunden hat. Und auch Huntelaar, der vor seinem Wechsel zu Milan für Real Madrid auflief, ist kein Geringverdiener.

Das Risiko, das Magath eingeht, ist hoch. Allein finanziell ist der Verein nun beinahe schon zur Wiederholung des Vorjahreserfolgs verdammt, selbst ein Europa-League-Platz könnte die Ausgaben der klammen Schalker kaum decken. Hinzukommt, dass auch die Fans in Gelsenkirchen zunehmend skeptisch auf die Allmacht ihres anfangs so gefeierten Magath blicken. Vor allem die Absetzung des Fanbeauftragten Rolf Rojek passte ihnen nicht. Wenn die sportlichen Ergebnisse so weitergehen, könnte Magath ziemlich schnell eine Situation ereilen, die er lange nicht mehr erlebt hat: unter Druck und in der Kritik zu stehen.

Wozu das Ganze?

Mehr und mehr stellt sich die Frage, wozu dieser ganze Aufwand nötig war. Immerhin haben die Schalker in ihrer Bundesliga-Geschichte nie eine bessere Platzierung erreicht als in der letzten Saison. Und auch im Pokal kam die junge Magath-Elf ins Halbfinale und scheiterte erst am späteren Double-Gewinner. Nach so einem Jahr hätte Magath sich eigentlich in aller Ruhe nach einem Ersatz für Kuranyi und zwei oder drei weiteren interessanten Spielern umschauen können. Es wäre ein für Fußballtrainerverhältnisse entspannter Sommer geworden. Stattdessen baute der 57-Jährige den kompletten Kader um. 15 Spieler kamen hinzu, 14 verließen den Verein. Nach den ersten beiden Partien zweifeln nicht nur Laien daran, ob die neue Formation tatsächlich deutlich besser ist als die alte. Auch Magath selbst war sich offenbar nicht ganz sicher, die Last-Minute-Transfers sind ein handfester Beleg dafür.

Magaths Problem ist, dass Fans und Experten nach den spektakulären Transfers eine Steigerung der letzten Saison erwarten - oder zumindest keine Verschlechterung. Angesichts der großen Konkurrenz in der Bundesliga wird das allerdings schwierig. Nur in der Champions League könnte sich Magath noch einmal selbst übertreffen. Aber Schalke wird es - wie alle deutschen Mannschaften - schwer haben, sich nach der Gruppenphase zu behaupten.

Bleiben die Schalker sportlich hinter den Erwartungen zurück, leidet darunter nicht nur der Trainer Felix Magath. Vor allem als Manager und Vorstandsmitglied spielt er mit seinem Ruf, wenn sich die riskanten Investitionen nicht auszahlen. Es wird eine der großen Fragen dieser Saison sein, ob Magath es schafft, noch einmal alle Kritiker zu überzeugen. Felix den Weisen, müsste man ihn dann wohl nennen. Wenn die Rechnung nicht aufgeht, bleibt ihm immerhin noch der Name Quälix.