
Felix Magath hat seine umstrittene Einkaufspolitik verteidigt und die hohen Ausgaben von insgesamt rund 35 Millionen Euro für neue Spieler gerechtfertigt. "Wir haben die sportliche Qualität erhöht und zugleich Gehaltskosten reduziert", sagte der Trainer und Manager des FC Schalke 04 im "Kicker"-Interview. Wenn man Investitionen für die 14 Neuzugänge und die Einnahmen und Gehaltseinsparungen durch die 15 abgegebenen Profis gegeneinander aufrechne, stehe unter dem Strich eine gute Transferbilanz. "Wir haben ziemlich genau die zehn Millionen Euro investiert, die der Aufsichtsrat am Anfang genehmigen wollte".
Kurz vor dem Transferende hatte Magath am Dienstag mit dem Stürmer Klaas-Jan Huntelaar vom AC Mailand, dem Spanier José Manuel Jurado von Atlético Madrid und dem ablösefreien französischen Abwehrspieler Nicolas Plestan vom OSC Lille noch ein hochkarätiges Trio verpflichtet. Huntelaar und Jurado kosteten zusammen etwa 27 Millionen Euro. Die Gehaltskosten seien aber um etwa 10 Millionen Euro reduziert worden, sagte Magath. Dies erkläre sich vor allem durch die Abgabe von diversen Spielern, "die nicht zu den Top-Verdienern zählten, aber immer noch sehr gut verdienten". Durch die Verkäufe von Heiko Westermann und Rafinha waren außerdem mehr als 15 Millionen Euro in die Kasse geflossen.
Nerlinger wirft Magath Aktionismus vor
Trotz des Fehlstarts in der Bundesliga mit zwei Niederlagen und der Abgabe von Leistungsträgern wie Westermann, Rafinha, Marcelo Bordon oder Kevin Kuranyi sieht der 57-Jährige das Team des Vizemeisters langfristig besser aufgestellt als zuvor. "Wenn wir die richtige Mischung finden, haben wir gute Chancen, in der Champions League die Gruppenphase zu überstehen und in der Liga an der Spitze mitzuspielen." Dass Raúl und speziell Christoph Metzelder die Erwartungen bisher nicht erfüllten, bereitet Magath keine großen Sorgen. Metzelder sei zwar noch nicht stabil genug, er werde aber eine Verstärkung sein, sobald er seine Verunsicherung abgelegt habe. "Und Raúl bleibt mit seiner Qualität ein Fixpunkt unserer Offensive." Mit dem personellen Umbruch habe man die Basis gelegt, besser und erfolgreicher Fußball zu spielen. An seinem Ziel, bis 2013 Deutscher Meister zu werden, hält Magath deshalb fest. "Daher treffe ich alle Entscheidungen perspektivisch." Von Planlosigkeit oder Hektik bei der Kadergestaltung könne keine Rede sein.

Das sieht Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger anders. "Was Schalke macht, ist für mich nie dagewesener Transferaktionismus", sagte er im Interview mit der vereinseigenen Homepage. Und auch viele Experten und Fans sehen Magaths Radikalumbau kritisch. Vor allem angesichts des Schalker Schuldenbergs von 250 Millionen Euro sorgen Magaths Verpflichtungen für Kopfschütteln. "Die Transfers sind viel zu teuer", sagte Klaus Beutler, Vorsitzender des Schalke Fanklubs Gerlingen 98, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Außerdem bezweifelt er, dass Magath sein Ziel erreicht habe, die Gehälter zu senken. "Aber wer mit Gewalt Meister werden will, gibt eben viel aus."


