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Ehemaliger Schiedsrichter-Chef: Manfred Amerell ist tot

Er stand im Zentrum des Schiedsrichterskandals vor anderthalb Jahren. Damals wirft ihm ein Kollege sexuelle Belästigung vor und ruiniert damit sein Privatleben. Der DFB-Präsident tritt nach. Nun stirbt Manfred Amerell in München. Die Umstände sind noch unklar.

Manfred Amerell ist gestorben. Der ehemalige Schiedsrichter und Schiedsrichtersprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) starb im Alter von 65 Jahren in seiner Wohnung in München. Über die Todesursache gibt es noch keine genauen Informationen. Amerell hinterlässt seine Ehefrau und zwei erwachsene Töchter.

"Wir haben unter dieser Adresse heute Nachmittag eine tote Person aufgefunden. Ermittlungen zur Todesursache dauern noch an", sagte ein Polizeisprecher der "Bild"-Zeitung. Laut der Zeitung und des Sport-Nachrichtensenders Sky Sport News HD sei der Briefschlitz in Amerells Wohnung überfüllt gewesen, die Polizei musste die Wohnungstür aufbrechen. Andere Quellen bestätigen die Meldung.

Amerell hatte sein Schiedsrichterdebüt 1984 in der 2. Bundesliga gegeben, zwei Jahre später leitete der gelernte Hotelier seine erste Begegnung in der Fußball-Bundesliga. Insgesamt pfiff Amerell 66 Begegnungen in der höchsten deutschen Klasse. Ein Höhepunkt seiner Karriere war das Pokalfinale 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiss Essen. Vor seiner Schiedsrichtertätigkeit war Amerell Geschäftsführer bei 1860 München, beim FC Augsburg  und beim Karlsruher SC.

Manfred Amerell wurde im Jahr 2010 bekannt, als der 28 Jahre jüngere Schiedsrichter Michael Kempter ihm sexuelle Belästigung vorwarf. Beide lieferten sich in Medien-Interviews und vor Gericht eine wochenlange Schlammschlacht.

Die Kernfrage, ob die intimen Kontakte zwischen Amerell und Kempter einvernehmlich waren, konnte das Gericht nicht abschließend klären. Allerdings schlossen beide Seiten einen Vergleich: Kempter nahm seine Aussagen zurück, nach denen er Amerell klar signalisiert hätte, keine sexuellen Kontakte zu wollen. Im Gegenzug ließ Amerell eine Schadensersatzklage gegen Kempter fallen. Amerell hatte 150.000 Euro verlangt, weil er durch Kempters öffentliche Vorwürfe seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah.

Der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger ließ sich in die Angelegenheit hineinziehen, indem er sich von Beginn an hinter das vermeintliche Opfer Kempter gestellt und die angebliche Nötigung durch Amerell mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche verglichen hatte. Dies wurde ihm später gerichtlich untersagt. Der Fall Amerell/Kempter war Auslöser eines großen Schiedsrichter-Skandals, in dessen Rahmen viele weitere Ermittlungen, etwa wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung durch Schiedsrichter, ausgelöst wurden.

Amerell sah sein Privatleben durch den Prozess zerstört. Im Rückblick sagte er: "Meine Lebensqualität geht gegen null. Und das ist bis zum Tod nicht mehr zu korrigieren". Noch im April dieses Jahres bekräftigte er: "Seit dem 1. Februar 2010 lebe ich nicht mehr, ich existiere nur noch."

Quelle: n-tv.de

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