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Halbfinale der Europameisterschaft:  Jerome Boateng bei der Niederlage gegen Italien in Warschau.
Halbfinale der Europameisterschaft: Jerome Boateng bei der Niederlage gegen Italien in Warschau.

Regina Schmeken fotografiert die DFB-Elf: "Momentaufnahmen für die Ewigkeit"

Von Stefan Giannakoulis

Wenn die renommierte Fotografin Regina Schmeken mit ihrer Kamera unterwegs ist, entstehen Bilder, die die Menschen beeindrucken. Länger als ein Jahr hat sie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft begleitet. Wir sehen Männer bei der Arbeit, in Schwarz-Weiß, konzentriert, verbissen, bisweilen auch erschöpft.

Diese Bilder beeindrucken. Nicht alle, nicht unbedingt die sechsjährige Erstklässlerin, die ins Gästebuch der Ausstellung schreiben ließ: "Schade nur, dass die Fotos alle grau sind." Aber den Erwachsenen gefallen die Fotos von Regina Schmeken. "Die Zeit scheint still zu stehen - und doch wirkt es, als bewegten sich die Bilder. Sehr schöne Momentaufnahmen für die Ewigkeit", lautet ein Kommentar. "Ganz tolle Impressionen. Starker Ausdruck. So hatte ich die Spieler zuvor nie gesehen", schreibt ein anderer.

Von März 2011 bis zur Europameisterschaft im Juni in Polen und der Ukraine, also über ein Jahr lang, hat die Fotografin Regina Schmeken mit ihrer Kamera Deutschlands beste Fußballer begleitet. Das Ergebnis sind 45 großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die noch bis zum 6. Januar im Lichthof des Martin-Gropius-Baus in Berlin zu sehen sind, der Eintritt ist frei. Ein Bildband mit noch mehr Fotos erschien unter dem Titel "Unter Spielern - Die Nationalmannschaft" im Verlag Hatje Cantz.

"Nicht nur das Heldenhafte und Schöne"

Regina Schmeken arbeitet seit 1986 für die "Süddeutsche Zeitung", die Bilder von der Nationalmannschaft gehören zu einem Zyklus, in dem sie auch Tänzer und Stabhochspringer beobachtet hat. "Eigentlich verstehe ich kaum etwas vom Fußballspiel", sagt sie. Und eignet sich doch die Diktion der Sportsprache an. "Ich versuche wie alle anderen, ein Tor zu machen. Also bleibe ich am Ball." Sie genießt den Luxus, anders als die Pressekollegen nicht die spielentscheidenden Szenen abpassen zu müssen. "Ich wollte nicht nur das Heldenhafte und Schöne zeigen. Das bekommt man jeden Tag in der Zeitung zu sehen."

Und so sieht der Betrachter keine typischen Szenen des Spiels, keinen Jubel, wenig Aktion, oft ist der Ball gar nicht im Bild. Oder auch mal nur der Ball. Im Grunde geht es nicht einmal um Fußball. Die Fotos zeigen Männer bei der Arbeit, konzentriert, verbissen, bisweilen auch erschöpft. Der Rasen ist dunkel, fast schwarz. Wie in der Szene aus dem EM-Spiel gegen die Niederlande im ukrainischen Charkow. Manuel Neuer steht im deutschen Tor, vor ihm seine Kollegen und die Akteure des Gegners, die wirken wie Theaterschauspieler auf einer Bühne - was dann doch wieder etwas Heldenhaftes hat, inszeniert und stilisiert.

Und wenn Mittelfeldspieler Sami Khedira im gegnerischen Strafraum liegt und das Regenwasser in seiner Hand betrachtet, dann ist es egal, dass die Momentaufnahme aus dem Freundschaftsspiel gegen Israel im Mai dieses Jahres stammt. Deswegen sind die Bilder im Gropius-Bau auch nicht beschriftet, erst eine Legende am Ausgang der Ausstellung verrät, wer auf den Fotos zu sehen ist. Auch im Bildband ist das so. Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, hatte der Fotografin das Projekt vorgeschlagen. Er sagt: "Das Ungewöhnliche ist für mich die eigentümliche Stille, die von den Bildern ausgeht." Fast intime Momente sind das für ihn, "Augenblicke, in denen die Spieler ganz bei sich zu sein scheinen". Da stört es ihn auch nicht, dass alle Bilder grau sind.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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