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Vorschusslorbeeren für Pep Guardiola gibt es genug.
Vorschusslorbeeren für Pep Guardiola gibt es genug.(Foto: REUTERS)

Riesenhype um Pep Guardiola: Müller, Lahm & Co sind genervt

Beim FC Bayern herrscht drei Tage nach Bekanntgabe des Supercoups Katerstimmung. Der Name Pep Guardiola ist ab sofort bis zum 1. Juli um 0.01 Uhr nicht von Bedeutung. Deckel drauf und Ruhe, heißt es aus München.

Drei Tage nach der spektakulären Verpflichtung des spanischen Erfolgstrainers Pep Guardiola haben die Stars von Bayern München langsam die Nase voll, darüber zu reden. "Der Name Pep Guardiola ist hier bis zum 1. Juli um 0.01 Uhr nicht von Bedeutung. Wir müssen jetzt endlich mal den Deckel darauf machen. Wir haben mit Jupp Heynckes bisher eine super Saison gespielt und werden mit ihm auch noch eine Saison spielen", stellte Nationalspieler Thomas Müller klar.

Nach dem glanzlosen 2:0 (1:0) gegen das Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth war nicht nur Müller bemüht, die Konzentration auf den Liga-Alltag zu lenken. "Seit Guardiola hier rumspukt, drehen alle durch. Wir müssen jetzt mal die Kirche im Dorf lassen und uns auf Fußball konzentrieren", betonte Präsident Uli Hoeneß. Er wolle jetzt nicht "jede Woche dastehen und etwas dazu sagen", moserte Kapitän Philipp Lahm, er wirkte dabei einigermaßen genervt.

Kein großer Umbruch

Derweil erwartet Uli Hoeneß keinen radikalen personellen Umbruch unter dem künftigen Trainer. "So, wie ich ihn verstanden habe, ist er auch der Ansicht, dass unsere Mannschaft nicht mit vielen Spielern verstärkt werden muss - er will mit unseren Spielern arbeiten, sie gefallen ihm", sagte der Präsident der "Süddeutschen Zeitung".

Auch die Installation eines "großen" eigenen Betreuerstabes habe der 42 Jahre alte Spanier "ausdrücklich ausgeschlossen". Hoeneß sprach wie zuvor schon Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge von zwei Assistenten, die Guardiola mitbringen wolle.

Die Vereinsbosse gehen auch davon aus, dass der am 1. Juli beginnende neue Chefcoach gut mit Sportvorstand Matthias Sammer harmonieren werde. "Matthias Sammer war von Anfang an ein glühender Verfechter der Option Guardiola. Da mache ich mir null Sorgen, denn wenn zwei das Gleiche wollen, funktioniert es auch", meinte Hoeneß.

Der am Saisonende ausscheidende Cheftrainer Jupp Heynckes sieht auch keine Veranlassung für eine sportliche Neuausrichtung. "Die Mannschaft spielt einen modernen, konzeptionellen, erfolgreichen Fußball. Und es ist eine Truppe, die integer ist", sagte Heynckes: "Pep Guardiola kann mit seiner Kapazität das Projekt weiterleiten."

Hitzfeld: Zeichen von Stärke

Der frühere Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld sieht die Entscheidung von Starcoach Josep Guardiola für einen Wechsel nach München als Zeichen für die Stärke der Fußball-Bundesliga. "Die Bundesliga hat mächtig aufgeholt und ist für mich wirtschaftlich und finanziell die Nummer eins in Europa", sagte Hitzfeld im Interview mit dem "Focus". Deutschlands Eliteklasse sei sehr gesund und daher attraktiv für Spieler, Trainer und Zuschauer. "Die besten Clubs in Spanien sind hoch verschuldet, die in England abhängig von russischen Oligarchen oder amerikanischen Investoren", erklärte der Schweizer Nationaltrainer.

Vom Wirbel um die Guardiola-Verpflichtung werde sich der FC Bayern aber auf dem Weg zum Meistertitel nicht aufhalten lassen, urteilte Hitzfeld. "Sogar wenn Dortmund, die für mich einzige Mannschaft, die Bayern gefährlich werden könnte, alle Spiele gewinnt, glaube ich nicht, dass die Bayern zwölf Punkte abgeben werden", sagte der 64-Jährige. Die Münchner hätten in der Hinrunde ihre Siege "sehr überzeugend" eingefahren. "Darum zweifle ich nicht daran, dass die Bayern deutscher Meister werden", meinte Hitzfeld.

Magath dämpft Euphorie

Meister-Trainer Felix Magath sieht in den verfrühten Lobeshymnen dagegen ein großes Problem. "Er wird jetzt so in den Himmel gehoben, dem kann er ja gar nicht gerecht werden", sagte der ehemalige Bayern-Trainer bei Liga total!. Guardiola sei "sehr erfahren" und habe international "auch alles erreicht". Allerdings müsse sich der Spanier am deutschen Fußball orientieren und sich anpassen. "Ich glaube nicht, dass sich der deutsche Fußball an Guardiola orientieren muss", sagte Magath.
Ligapräsident Reinhard Rauball rechnet nach dem Wechsel von Guardiola zum FC Bayern mit besseren internationalen Vermarktungschancen für die deutschen Profivereine. "Die Bundesliga wird davon in der weltweiten Wahrnehmung profitieren", sagte Rauball dem Nachrichtenmagazin "Focus". Der Chef des Bayern-Konkurrenten Borussia Dortmund betonte, dass sich der deutsche Profi-Fußball bereits in den vergangenen Jahren "sportlich und wirtschaftlich hervorragend entwickelt" habe.

Netzer verneigt sich

Auch Günter Netzer zollte den Bayern großen Respekt für den Coup. "Ich habe bis zum Schluss nicht daran geglaubt, dass das Wirklichkeit wird. So hoch siedele ich an, was den Bayern da gelungen ist", sagte Netzer dem "Hamburger Abendblatt". Die Vereinsführung könne "nicht genug dafür gelobt werden, dass sie auf diesem Weg versucht, den Verein in eine noch höhere Dimension zu führen. Das ist mit einem Trainer dieser Klasse besser möglich als mit großen Transfers", sagte der ehemalige Weltklasse-Spieler und Manager des Hamburger SV.

Quelle: n-tv.de

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