Sport
Angeschossen und angezählt: Die Niederlande.
Angeschossen und angezählt: Die Niederlande.(Foto: imago/VI Images)
Samstag, 07. Oktober 2017

Wer zittert, wer macht's?: Nicht nur Oranje droht Aus in der WM-Quali

Von Judith Günther

Arjen Robben bangt und beschwört, Arturo Vidal fehlt und die US-Boys haben Christian Pulisic: Die Qualifikation für die Fußball-WM wird zum Nervenspiel. Zehn Teams können bereits einen Haken setzen - und natürlich Russland. Denn die haben als Gastgeber ja ohnehin ein Startrecht. Wer's gepackt hat, wer zittern muss und wen unsere Redaktion auf dem Zettel hat, der Überblick vor den Showdown-Tagen rund um die Welt:

Afrika

Wer macht's? Insgesamt fünf Startplätze sind in fünf Gruppen zu vergeben. Ausgerechnet Fußball-Nobody Burkina Faso (6) hat als derzeitiger Tabellenführer der Gruppe D gute Chancen aufs WM-Debüt - doch nach einem Manipulationsskandal muss mindestens das Spiel zwischen Senegal und Südafrika wiederholt werden. Nigeria (10) könnte sich in der "Todesgruppe" B mit Kamerun und Algerien durchsetzen, dafür müsste im vorletzten Spiel ein Sieg gegen den Überraschungs-Zweiten Sambia (7) her. Auch Tunesien (10) und Ägypten (9) sind als jeweiliger Tabellenführer relativ sicher in Russland dabei - können in ihren Gruppe aber beide noch eingeholt werden.

Nigeria hat beste Chancen, sich in der "Todesgruppe" durchzusetzen.
Nigeria hat beste Chancen, sich in der "Todesgruppe" durchzusetzen.(Foto: imago/Fotoarena)

Wer muss zittern? Die Elfenbeinküste (8), der in Gruppe C vor der vorletzten Quali-Runde Marokko (6) und Gabun (5) im Nacken sitzen. Der Sieger aus dem Duell der beiden Verfolger (21 Uhr) spielt im November dann gegen die Elfenbeinküste um den Gruppensieg. Der WM-Gastgeber von 2010, Südafrika (4), ist momentan das Schlusslicht der Tabelle - liegt jedoch nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Burkina Faso. Afrikameister Kamerun spielte eine völlig verkorkste Qualifikation und hat mit drei Punkten nicht mal mehr rechnerisch eine Chance auf die WM-Teilnahme.

Die n-tv.de-Prognose: Hier ist wirklich noch alles offen.

Asien

Wer ist durch? In der Asien-Ausscheidung haben sich neben dem Iran die Südkoreaner vorzeitig qualifiziert, außerdem sind Japan und Saudi-Arabien sicher durch. Die vier direkten Tickets der Asiatischen Fußballkonföderation (AFC) sind damit vergeben, einen möglichen fünften Platz kann sich ein Team durch eine internationale Entscheidungsbegegnung sichern.

Australien und Syrien duellieren sich im Playoff-Spiel um die Playoffs für die WM.
Australien und Syrien duellieren sich im Playoff-Spiel um die Playoffs für die WM.(Foto: dpa)

Wer muss zittern? Das Überraschungsteam aus dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Syrien. Als Gruppendritter absolvieren die Syrer, die aus Sicherheitsgründen im 8000 Kilometer entfernten Malaysia spielen, zwei direkte Duelle: die Asien-Playoffs gegen Australien. Der Sieger spielt anschließend erneut zwei Ausscheidungsspiele, diesmal gegen den Vierten des Concacaf-Kontinentalverbandes von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik. Was wie eine Aufwärmübung für Australien klingt, endete am Donnerstagabend überraschend. Nach einem 1:1 im Hinspiel darf Syrien weiter von der WM träumen. Das Rückspiel steht am kommenden Dienstag in Sydney an.

Die n-tv.de-Prognose: Dank einem überragend aufgelegten Bochumer (laut Kollege Nordmann dem einzigen) macht Australien das Rennen - erst gegen Syrien, dann in den Playoffs. Robbie Kruse schießt die Socceroos im Alleingang zur WM!

Europa

Gruppe A

Wer muss zittern? Die Laune der Niederlande (13) dürfte in etwa so schlecht sein, wie wenn sie Arjen Robben in München offenbart hätten, er müsse den Rest der Saison unter Carlo Ancelotti weiterspielen. Der Kapitän gibt dennoch den Motivator und beschwört die niederländische Wiederauferstehung. Beschwörungen reichen indes kaum aus, das vorletzte Gruppenspiel gegen Weißrussland (5) sollte am Abend durchaus gewonnen werden. Schweden (16) tritt vorher gegen Luxemburg (5) an - für beide Kontrahenten somit machbare Aufgaben. Vieles deutet also darauf hin, dass es am Dienstag im letzten Spiel zum Showdown zwischen Oranje und Schweden kommt. Dann besteht immerhin die Chance, über die Playoff-Spiele am 9. und 14. November zur WM zu kommen, denn die acht besten Gruppenzweiten ermitteln in Europa vier weitere WM-Starter.

Zweifelhaftes Vergnügen.
Zweifelhaftes Vergnügen.(Foto: imago/Moritz Müller)

Wer macht's? Frankreich (17) kann zwar noch in die Bredouille kommen, wird es aber vermutlich nicht. Zwar hat sich die Équipe Tricolore zuletzt gegen Luxemburg (5) ordentlich blamiert, hat so aber auch einiges wiedergutzumachen. Siege gegen Bulgarien (12) und Weißrussland (5) sollten drin sein und Platz eins in Gruppe A sichern.

Die n-tv.de-Prognose: Eigentlich wäre es ja schön, die Niederlande mal wieder dabei zu haben. Sonst kann man ja nächsten Sommer nicht schreiben, dass Deutschland die Niederlande aus der WM schmeißt.

Gruppe B

Genügend Bälle, um an der Schusstechnik zu feilen, stehen Cristiano Ronaldo jedenfalls zur Verfügung.
Genügend Bälle, um an der Schusstechnik zu feilen, stehen Cristiano Ronaldo jedenfalls zur Verfügung.(Foto: imago/ZUMA Press)

Wer muss zittern? Um die Teilnahme von den Favoriten niemand, um die direkte dagegen beide. Zwar hat die Schweiz (24) noch keinen Punkt abgegeben, kann aber immer noch von Portugal (21) überflügelt werden. Das Endspiel würde dann am Dienstag zwischen den beiden Teams steigen – und mit einer deutlich besseren Tordifferenz hätte Europameister Portugal folglich die besten Chancen. Ungarn (10) und Andorra (4) haben nix mehr zu melden.

Die n-tv.de-Prognose: Mit relativ spektakulär-unspektakulärem Ergebnisfußball hat sich Portugal zum EM-Titel gespielt, die Taktik dürfte auch in der WM-Quali aufgehen. Der Schweiz bleibt dann der Gang in die Playoffs.

Gruppe C

Kapitänsbinde schon wieder verloren?
Kapitänsbinde schon wieder verloren?(Foto: imago/Matthias Koch)

Wer muss zittern? Niemand, vor allem nicht die deutsche Elf, die sich in der Qualifikation mit der Maximalausbeute von 27 Punkten makellos hält und mit weltmeisterlicher Souveränität nach Russland fährt. Doch vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Aserbaidschan (Sonntag 20.45 Uhr/RTL und im Liveticker bei n-tv.de) plagt den DFB ein ernstes Problem: Thomas Müllers Arme sind so dünn, dass die Kapitänsbinde nicht passen will! Nordirland (19) kann sich übrigens auf zwei Playoff-Begegnungen freuen und ebenfalls noch zur WM fahren.

Die n-tv.de-Feststellung: Hier ist alles entschieden.

Gruppe D

Serbien fliegt .. vermutlich zur WM.
Serbien fliegt .. vermutlich zur WM.(Foto: dpa)

Wer muss zittern? Die Österreicher nicht mehr, denn schon vor dem gestrigen Spiel gegen Serbien stand fest, dass die Elf des scheidenden Nationaltrainers Marcel Koller keine Chance mehr hat. Doch der Sieg gegen Serbien macht die Gruppe nochmal spannend: Die Serben (18) führen die Tabelle zwar weiterhin an, der Vorsprung auf Verfolger Wales beträgt aber nur noch einen Punkt. Auch Irland (16) hat als Dritter noch die Chance auf den Gruppensieg.

Die n-tv.de-Prognose: Serbien hat mit Georgien im abschließenden Gruppenspiel definitiv den leichteren Gegner, Wales und Irland treten im Verfolgerduell gegeneinander an. Gareth Bale hin oder her, am Ende reicht's für die Dragons wohl nicht für den Gruppensieg.

Gruppe E

Danke, das erleichtert das Zählen.
Danke, das erleichtert das Zählen.(Foto: imago/ZUMA Press)

Wer muss zittern? Polen (22) hat einen Robert Lewandowski und muss deswegen, wenn überhaupt, minimal zittern. Trotzdem: Ein Pünktchen fehlt noch bis Russland 2018 - und das sollte am Sonntag gegen Montenegro besorgt werden. Dahinter lauern die Dänen (19), die es aus eigener Kraft nicht mehr an die Spitze schaffen können. Fun Fact: Vor dem abschließenden Gruppenspiel ist die Tordifferenz, die ja im Zweifelsfall entscheiden würde, bei Dänemark und Polen haargenau gleich.

Die n-tv.de-Prognose: Robert Lewandowski packt den nächsten Dreier aus. Arme Montenegriner. Glückliche Polen. Willkommen bei der WM.

Gruppe F

Harry Kane, der Rest ist egal.
Harry Kane, der Rest ist egal.(Foto: AP)

Wer ist durch? England hat einen Harry Kane und fährt deshalb zur Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland. Das steht fest.

Wer muss zittern? Schottland (17), Slowakei (15) und Slowenien (14), die sich einen packenden Dreikampf um Platz zwei hinter England liefern.

Die n-tv.de-Prognose: Schottland musste schon den Brexit wider Willen verkraften - da wäre die WM doch ein schöner Trostpreis. Die Playoffs werden sich die Schotten schon sichern.

Gruppe G

Pique sagt "Danke".
Pique sagt "Danke".(Foto: dpa)

Wer ist durch? Endlich mal gute Nachrichten für Spanien: Spanien. Die sichern sich den Gruppensieg und können entspannt in die abschließende Partie gegen Israel gehen.

Wer muss zittern? Eine "Grande Dame" des europäischen Fußballs, und zwar Italien (20). Vor dem unterwältigenden Unentschieden gegen Mazedonien redete man in Italien bereits von der "Apokalypse", sollte Platz zwei hinter Spanien verpasst werden. Diese Peinlichkeit bleibt der Squadra Azzura erspart - Italien ist nicht mehr von Platz zwei zu verdrängen. War ja auch ne schwere Gruppe.

Die n-tv.de-Prognose: Spaniens Kicker gehen mit gutem Beispiel voran und zeigen dem ganzen Land, dass es auch gemeinsam geht - Italien bleibt der Gang in die Playoffs. Aber: Italien darf gut und gerne zur WM fahren, wir haben da ja noch eine Rechnung offen (siehe: Niederlande).

Gruppe H

Ein Mann, ein WM-Ticket: Romelu Lukaku.
Ein Mann, ein WM-Ticket: Romelu Lukaku.(Foto: imago/Panoramic International)

Wer ist durch? Nicht ganz überraschend Belgien (22), die sich dank 100-Millionen-Stürmer Romelu Lukaku bereits im September als erstes europäisches Team zur WM schossen.

Wer muss zittern? Griechenland (13) tritt hoffnungsvoll das Duell gegen Zypern (10) an und wünscht sich, dass die Belgier trotz erfolgreicher Qualifikation keine Kräfte sparen. Verliert dort nämlich Bosnien-Herzegovina (14), hat Griechenland beste Chancen.

Die n-tv.de-Prognose: Wäre doch schade, wenn der Kollege Giannakoulis bei der WM nix zu lachen hat. Mit reiner Willensstärke (vermutlich auch mit Glück) schafft Griechenland das Unmögliche, hat ja bei der Europameisterschaft auch geklappt.

Gruppe I

Hu-rra, Island!
Hu-rra, Island!(Foto: dpa)

Wer muss zittern? In der mit Abstand spannendsten Gruppe I so ziemlich jeder - außer der Türkei, die kläglich scheitert und keine Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme hat. Woran hat's gelegen? Huhuhuh. An Island! Die blamierten die Türkei mit einem 3:0-Sieg und liegen mit 19 Punkten an der Tabellenspitze. Kroatien (17) folgt punktgleich mit der Ukraine (17) dahinter. Am Montag steigt der Verfolgergipfel, das kann Island aber herzlich egal sein, sollte das eigene Spiel gegen Kosovo gewonnen werden.

Die n-tv.de-Prognose: Genau das passiert - und wir müssen künftig in der Berichtserstattung ein "E" gegen ein "W" austauschen. Dann heißt's nämlich: Die WM-Überraschung Island.

Nord-, Mittelamerika und Karibik

Ziemlich super: Christian Pulisic.
Ziemlich super: Christian Pulisic.(Foto: AP)

Wer ist durch? Die "high road" hat allein Mexiko genommen und sich standesgemäß als Gruppenerster direkt für die WM qualifizierten. Auch Costa Rica ist sicher dabei - die abschließenden beiden Partien sind nur noch was für die Geschichtsbücher. Bleibt ein weiterer direkter Platz sowie ein Playoff-Spiel gegen Syrien oder Australien.

Wer muss zittern? Keinen Spielraum für Fehler haben die US-Boys, die knapp elf Monate nach dem Rauswurf von Jürgen Klinsmann nicht mehr ganz so kopflos durch die Concacaf-Ausscheidung taumeln. Angeführt von einem überragenden Christian Pulisic erspielten die US-Boys ein überzeugendes 4:0 gegen Panama - nun reicht ein Unentschieden gegen Trinidad und Tobago, um das direkte Ticket zu buchen. Vielleicht hatte Coach Bruce Arena ja recht, als er den  19 (!!)-Jährigen jüngst als "Superstar" bezeichnete. Memo ans Team: Allein wird es aber auch Pulisic nicht richten können.

Die n-tv.de-Prognose: Punktlandung USA, Platz drei, direkte Quali. Der FC Bayern München hat ja vorgemacht, dass man mit beherztem Einsatz sogar die klinsmann'sche Esoterik aus der Mannschaft exorzieren kann. Und dass danach in der Regel alles besser wird.

Südamerika

Souverän qualifiziert - bleibt mehr Zeit für andere Aktivitäten.
Souverän qualifiziert - bleibt mehr Zeit für andere Aktivitäten.(Foto: dpa)

Wer ist durch? Die Frage ist schnell beantwortet: Bis auf den weit einteilten Tabellenführer Brasilien (38) konnte keines der Teams das Ticket für die Fußball-Weltmeisterschaft vorzeitig lösen. Zwar spielte die Selecao zuletzt zweimal nur Unentschieden – diesen Luxus konnte sich das Team um Superstar Neymar aber locker erlauben. Südamerika hat somit noch drei direkte Tickets zu vergeben, plus ein mögliches Extraticket durch einen Sieg in einer interkontinentalen Begegnung, die die letzte - aber auch wirklich allerletzte - Möglichkeit ist, doch noch zur WM zu fahren.

Wer muss zittern? "Wie kommen wir zur WM?" rätselt nicht nur Argentiniens Branchenprimus unter den Sportblättern, die "Olé", auf der Titelseite. Die stolze Fußballnation ist nach dem 0:0 gegen Peru auf Rang sechs abgestürzt (25 Punkte) und muss wohl ernsthaft beginnen, sich mit dem Szenario auseinanderzusetzen, als Teilnehmer des letzten WM-Finales das Turnier in Russland zu verpassen. Beim "Finalissimo" am Dienstag in Ecuador ist sogar eventuell ein Sieg zu wenig. Denn ein Ausrutscher des Südamerika-Champions Chile (26) in Brasilien muss her, um sich direkt zu qualifizieren. Doch das ist gar nicht so unwahrscheinlich, schließlich verpasst Stinkstiefel Arturo Vidal das Finale wegen einer Gelbsperre. Alternativ kann Argentinien auch auf ein Remis im direkten Duell zwischen Peru (25) und Kolumbien (26) hoffen. Ansonsten drohen die Playoffs - oder sogar erstmals seit 1970 die Zuschauerrolle. Denn, das sei gesagt: Anschließend müssten noch zwei Spiele gegen den Ozeanien-Vertreter gewonnen werden.

Wer macht's?: Mindestens den Playoff-Platz hat Uruguay mit seinem Traumsturm Luis Suarez und Edinson Cavani sicher, das finale Spiel gegen den Tabellenvorletzten Bolivien ist Formsache.

Die n-tv.de-Prognose: Ein Direktticket geht an Uruguay. Die restlichen zwei Fahrkarten teilen sich Kolumbien und Chile – Argentinien rettet sich in die Playoffs und trifft dort im Entscheidungsspiel auf Neuseeland oder das Team von den Salomonen. Hoffen wir für die Albiceleste, es sind die Salomonen.

Quelle: n-tv.de

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