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Vierfach belastet: Josep Guardiola.
Vierfach belastet: Josep Guardiola.(Foto: imago/Bernd Müller)

So läuft der 27. Spieltag: Pep springt im Quadrat, BVB droht Klopp

Von Stefan Giannakoulis

Der FC Bayern denkt ein bisschen an Benfica, aber viel mehr an die Kölner - die dem Meister einen neuen Rasen ausrollen. In Dortmund erwarten sie die Rückkehr ihres Ex-Trainers. Und für die Gebrüder Kovac wird es in Frankfurt eng.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Josep Guardiola steckt in einem Dilemma - er muss gleich vier Dinge auf einmal bewältigen. Da wird doch nicht einer im Quadrat springen? In seiner Freizeit, und natürlich wirklich nur dort, kümmert er sich um die Kaderplanung des Manchester City FC, bei dem im Sommer anheuert. Dann muss er das dramatische 4:2 nach Verlängerung seines derzeitigen Arbeitgebers in der Champions League gegen Juventus Turin verdauen. Zwei, vielleicht sogar drei Tage brauche er, um das Geschehen zu analysieren, hatte er am sehr späten Mittwochabend gesagt. Drittens muss er sich damit auseinandersetzen, dass der FC Bayern im Viertelfinale der europäischen Königsklasse auf Benfica Lissabon trifft. Das Hinspiel steht am 5. April in München an, das Rückspiel am 13. April im Estádio da Luz. Ein Glücklos, wie viele sagen, das der von Klubchef Karl-Heinz Rummenigge geforderten Setzliste schon verdammt nahe kommt. Jedenfalls müssen die Bayern nicht - wie der VfL Wolfsburg - gegen Real Madrid ran. Und auch nicht gegen den FC Barcelona. Aber: "Lissabon ist sicherlich auch eine gefährliche Mannschaft" - sagt zumindest David Alaba über den portugiesischen Meister und Tabellenführer. Apropos Alaba: Der hat übrigens just seinen Vertrag vorzeitig um drei Jahre bis 2021 verlängert.

Und dann, viertens, ist da ja noch diese Fußball-Bundesliga. Dort steht an diesem 27. Spieltag am Samstagnachmittag in Müngersdorf die Partie beim 1. FC Köln an. Wie Guardiola ebenfalls direkt nach dem Sieg gegen Juve beteuerte: "Ab morgen denken wir sofort an Köln." Seit Donnerstag also beschäftigen sich die Bayern mit dem Effzeh. Worüber grübeln sie da wohl? Vielleicht darüber, dass sie in Köln pünktlich zur Partie gegen den durchaus spielstarken Tabellenführer einen neuen Rasen verlegt haben. "Wir machen uns schick für den FC Bayern", hatte der Klub getwittert. Der Rasen hatte keine Qualität, und ich bin sehr froh, dass er ausgetauscht wird", sagte Kölns Trainer Peter Stöger: "Und wenn es vor Bayern ist, ist es halt vor Bayern." Ansonsten sei es so: "Wir arbeiten darauf hin, eine Überraschung zu liefern. Ob das gelingt, werden wir sehen." In der der Mannschaft werde sogar "darüber gesprochen, wo man ihnen Probleme bereiten könnte. Das ist erfreulich". Sie können das mit einer gewissen Erleichterung tun, denn: Mit dem 2:0 in Hannover am Wochenende hatten die Kölner die ohnehin nur theoretische Abstiegsgefahr endgültig gebannt. "Das Gefühl, noch gewinnen zu können, tut uns gut. Die Jungs sind voller Vorfreude auf das Spiel gegen Bayern."

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Nachdem die Dortmunder in der Europaliga das Team aus Tottenham in zwei Spielen nahezu deklassiert haben, stehen nun im Viertelfinale am 7. und 14. April die Partien gegen den FC Liverpool an. Gegen den FC Liverpool? Richtig, das ist die Mannschaft, die Jürgen Klopp nach sieben erfolgreichen Jahren beim BVB mittlerweile trainiert. "Für alle Fußballfans ist das ein Traumlos, für uns ist das sportlich eine Riesenherausforderung", sagt sein Nachfolger Thomas Tuchel dazu. Und Manager Michael Zorc gab zu Protokoll: "Dass Jürgen da an der Linie steht, ist eine Besonderheit, aber wir wollen keine romantischen Abende veranstalten. Wir wollen unbedingt eine Runde weiterkommen." Dann ist das ja geklärt.

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Und in der Bundesliga, in der der BVB ziemlich einsam auf Platz zwei der Tabelle thront, geht es zum Abschluss dieses Spieltags zum FC Augsburg. Das Motto gibt Mittelfeldspieler Marco Reus vor: "Wir sind voller Selbstvertrauen und streben in jedem Spiel nach Perfektion - auch wenn das auf diesem Niveau sehr schwer ist." Tuchel sagt: "Ich freue mich, wenn Länderspielpause ist. Aber wir sind in Augsburg schon noch einmal bereit." Da ist Reus allerdings ebenso dabei wie Mats Hummels und Matthias Ginter. Bundestrainer Joachim Löw hat die drei Dortmunder eingeladen, mit ihm und der deutschen Nationalmannschaft am Karsamstag in Berlin gegen England und am Dienstag drauf, am 29. März also, in München gegen Italien zu spielen. Vorher aber gelte: "Am Sonntag in Augsburg wollen wir unsere Serie fortsetzen", wie Reus sagte. 14 Mal hat der BVB in diesem Jahr gespielt, zwölf Partien gewonnen, zweimal ein Remis eingefahren und, bitte nachrechnen, noch nicht verloren - eine nahezu perfekte Bilanz.

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Pal Dardai hat am Mittwoch seinen 40. Geburtstag gefeiert und wünscht sich, dass am Samstagnachmittag zum Spiel seiner Hertha gegen den FC Ingolstadt mindestens 40.000 Zuschauer ins Olympiastadion kommen, wie er der "BZ" erzählte. Abgesehen davon, dass wir gespannt sind, was er sich zu seinem 75. wünscht, macht er das, was er oft macht - und warnt vor dem Gegner. Er habe "größten Respekt" vor der Leistung des Aufsteigers, sagte er dem "Tagesspiegel". Und: "Dieses Team hat eine klare Handschrift und einen Stil." Auch acht Spieltage vor dem Ende der Saison mag Dardai nicht über den Europapokal sprechen, obwohl seine Berliner doch noch immer auf Platz drei der Tabelle stehen, der gar für die Champions League reichen würde. Zudem ist die Hertha seit acht Spielen im eigenen Stadion ohne Niederlage und hat in dieser Spielzeit überhaupt erst eine Heimpartie verloren.

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Das war am 31. Oktober vergangenen Jahres, mit 1:4 gegen die Mönchengladbacher Borussia. Die lauert mit drei Punkten weniger auf dem Konto hinter den Herthanern auf Platz vier – und spielt heute (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) beim FC Schalke 04, der auf Rang fünf steht. Gladbachs Trainer André Schubert umschreibt die Lage so: "Es ist ein sehr wichtiges Spiel, denn es geht um drei Punkte bei einem direkten Konkurrenten. Momentan haben wir eine gute Ausgangslage und die möchten wir behaupten." Seinem Spieler André Hahn steht heute eine Wiederkehr der besonderen Art bevor. Beim 3:1 im Hinspiel hatte ihn der Schalker Johannes Geis mit einem üblen Foul schwer verletzt. An Rache denkt Hahn aber nicht – was soll er auch sonst sagen? Die Partie heute sei ein Spiel wie jedes andere, versichert er auf der Vereinsseite. "Wir wollen gewinnen, und das steht im Vordergrund und nichts Persönliches von mir." Auch Schalkes Trainer André Breitenreiter ist froh, dass Hahn seine Verletzung überstanden hat. "Wir freuen uns, dass André wieder spielen kann." Sehr brav alle.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann hat sich im Abstiegskampf vor der Partie am Samstag beim Hamburger SV etwas überlegt: Seine Mannschaft könnte doch einfach so tun, als spiele sie im eigenen Stadion. Dort ist die TSG nämlich ungleich erfolgreicher und kommt in bisher 13 Partien auf immerhin vier Siege und fünf Remis. Auswärts hingegen haben die Hoffenheimer erst einmal gewonnen und viermal unentschieden gespielt - und sind damit in dieser Wertung das schlechteste Team der Liga. Also schlägt Nagelsmann vor: "Wir müssen auswärts auch so auftreten wie zu Hause. Dann können wir auch erfolgreich sein." Klingt nach einer guten Idee.

Trägt die Hoffnung: Claudio Pizarro.
Trägt die Hoffnung: Claudio Pizarro.(Foto: imago/nph)

Derweil wächst beim SV Werder Bremen die Hoffnung, dass ihr erfolgreichster Torschütze gegen den FSV Mainz auflaufen kann. Immerhin hat Claudio Pizarro schon wieder trainiert. "Ich habe keine Schmerzen mehr und bin bereit." Wegen einer Adduktorenzerrung hatte der Routinier beim 0:5 am vergangenen Wochenende beim FC Bayern gefehlt. Für den Bremer Trainer Viktor Skripnik keine Überraschung: "Pizarro ist 37 und hatte die englische Woche durchgespielt. Da ist eine solche Reaktion des Muskels normal." Eine englische Woche hat auch Bayer 04 Leverkusen hinter sich - und ist am Donnerstag nach einem kraftlosen Auftritt beim 0:0 gegen den FC Villarreal aus der Europaliga geflogen. Nun geht es zum VfB Stuttgart und darum, vielleicht doch noch Anschluss an die Tabellenplätze zu bekommen, die es den Leverkusenern gestatten würden, auch in der kommenden Saison international zu spielen. Das will der VfL Wolfsburg auch, steht allerdings auf Platz neun sogar noch zwei Punkte schlechter als Bayer auf Rang acht. Will heißen: Gegen den SV Darmstadt 99 muss ein Heimsieg her. Immerhin aber stehen die Wolfsburger im Achtelfinale der Champions League, zählen nominell also zu den besten acht Mannschaften des Kontinents und dürfen nun am 6. und 12. April gegen Real Madrid spielen. Cristiano Ronaldo kommt an den Mittellandkanal - wenn das kein Grund zur Freude ist.

Für welchen Trainer wird's eng?

Für die Gebrüder Kovac, Niko und Robert heißen sie. Niko ist der Chef, Robert hilft ihm. Sie sollen das retten, was die Mannschaft der Frankfurter Eintracht unter Armin Veh verbockt hat. Allein: Viel geändert hat sich nicht. Bei der Premiere am vergangenen Wochenende gab's ein sehr ernüchterndes 0:3 in Mönchengladbach. Nun steht am frühen Samstagabend das - Obacht! - Topspiel gegen Hannover 96 an. Eine Partie, die getrost als Abstiegsgipfel bezeichnet werden darf, spielt doch der Tabellendrittletzte gegen das Schlusslicht. Und was macht Niko Kovac? Er motiviert seine Spieler mit einer Geschichte aus seinem Leben: "Ich lasse meine Tochter Laura nie absichtlich beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel gewinnen. Das habe ich noch nie gemacht." Was er damit sagen will? Er will immer gewinnen. "Das ist das Balkan-Gen." Und er setzt auf einen, nun ja, Psychotrick: Auswechselspieler, Betreuer und Trainer der Eintracht werden gegen Hannover nicht wie üblich auf der linken Bank Platz nehmen - sondern auf der von der Haupttribüne aus gesehen rechten Bank. Warum denn das? "Da sind wir unseren Fans in der Kurve näher. Das ist ein Zeichen, ich erhoffe mir dadurch einen Impuls." Hm, scheint tatsächlich nicht gut zu stehen um die Frankfurter.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Abstiegsgespenst? Ich kenne nur das kleine Gespenst. Das Buch haben meine Frau und ich früher meiner Tochter vorgelesen." Frankfurts Trainer Niko Kovac macht auf lustig.

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Quelle: n-tv.de

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