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Podolski feiert seinen Treffer zum 1:0

Podolski feiert seinen Treffer zum 1:0
(Foto: Reuters)

Mittwoch, 08. September 2010

Ewiges Talent oder Weltstar?: Poldi muss seinen van Gaal finden

Christian Bartlau

Die starke Leistung des viel gescholtenen Podolski gegen Aserbaidschan wirft die Frage auf, warum ihm trotz seiner hervorragenden Anlagen Klasse und Konstanz eines Schweinsteiger fehlen. Die Antwort ist einfach.
Zwischen DFB-Lust ...

Zwischen DFB-Lust ...
(Foto: REUTERS)

Die Spielzeit im Kölner Rhein-Energie-Stadion hat die 90 Minuten schon längst überschritten, die deutschen Spieler haben mit ihrer Pflichtaufgabe gegen Aserbaidschan schon abgeschlossen, als sich Lukas Podolski zu einer letzten energischen Aktion entschließt. Gegen drei Verteidiger setzt sich der Kölner durch, passt zielgenau in den Strafraum, wo der Ball über Cacau bei Miroslav Klose landet, der mühelos zum Endstand von 6:1 einschieben kann.

Nein, an diesem Abend stand wirklich nicht der Spieler auf dem Platz, den eine große Boulevardzeitung noch nach dem Spiel gegen Belgien von "Prinz Poldi" in "Problem Poldi" umtaufen wollte. Podolski ging entschlossen in die Zweikämpfe, riss mit langen Laufwegen Lücken, und bewies neben seiner Abschlussstärke auch Spielübersicht. Dementsprechend zufrieden zeigte sich auch der Bundestrainer: "Wie Lukas mit unglaublicher Schnelligkeit in die Tiefe sprintet, ein Tor selbst macht und andere vorbereitet über die linke Seite – das ist schon gefährlich." Joachim Löw weiß genau, wie wichtig Podolski für das deutsche Spiel ist, auch wenn es die Kritiker des Kölners nicht wahr haben wollen.

Vorurteile und unfaire Vergleiche

Die dürfte die Leistung gegen Aserbaidschan, wenn überhaupt, nur bis zum nächsten misslungenen Auftritt verstummen lassen. Sie sehen nur ihr Bild von Podolski als Schönwetterspieler und Spezialisten für Fußballzwerge bestätigt – ein Vorurteil, das sich seit einem Ausraster von Podolskis ehemaligem Arbeitgeber Uli Hoeneß ("Das Problem ist, wenn man gegen Liechtenstein zwei Tore macht, wird man hochgejubelt") hartnäckig hält. Dieses Label wird aber einem Spieler, der es im Alter von 25 Jahren schon auf 20 Spiele und 8 Tore bei Welt- und Europameisterschaften bringt, nicht annähernd gerecht.

... und FC-Frust: Findet Podolski seinen van Gaal, kann er diesen Teufelskreis durchbrechen.

... und FC-Frust: Findet Podolski seinen van Gaal, kann er diesen Teufelskreis durchbrechen.
(Foto: picture alliance / dpa)

Sicher, Lukas Podolski hat trotz seiner Erfolge bislang nicht die Karriere hingelegt, die sich Fußball-Deutschland von einem Wunderkind erwartet, das den 1. FC Köln in der Saison 2004/2005 mit 24 Toren in 30 Spielen fast im Alleingang zum Aufstieg in die erste Liga schoss. Deswegen trifft der Vorwurf, nicht genug aus seinem Talent gemacht zu haben, den Kölner nicht zu Unrecht. Der Vergleich zu Bastian Schweinsteiger, der in der letzten Saison zu einer Führungsfigur und bei der Weltmeisterschaft in Südafrika zum Weltstar gereift ist, ist schnell bei der Hand. Aber nur wenn man diesen Vergleich oberflächlich zieht, wird man ihn zuungunsten Podolskis auslegen.

Was in diesem Zusammenhang gern vergessen wird, ist der Fakt, dass es einen Geniestreich Louis van Gaals brauchte, um aus einem verheißungsvollen Talent den Schweinsteiger zu machen, der er heute ist. Er erkannte die wahren Fähigkeiten des Münchners und versetzte ihn in die defensive Mittelfeldzentrale, die im modernen Fußball so eminent wichtig ist.

Die Position ist das Problem

Lukas Podolski hatte dieses Glück bislang nicht. Joachim Löw findet zwar die richtige Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche, um Topleistungen aus dem 25-Jährigen herauszukitzeln. Die passende Position bietet er Podolski allerdings nicht. Zu oft muss der defensiv limitierte Instinktfußballer einen klassischen Mittelfeldspieler geben und ist mit dieser Aufgabe schlicht überfordert. Gegen Aserbaidschan war das kein Problem, da die Osteuropäer keine nennenswerten Offensivaktionen starteten. Außerdem stellte Löw Podolski den Ruhepol Philipp Lahm zur Seite. Gegen starke Gegner ist selbst Lahm allerdings mit der Zusatzarbeit überfordert, man denke nur an das EM-Halbfinale 2008 gegen die Türkei.

Löw wird sich also von Spiel zu Spiel entscheiden müssen, was er für seine Spielausrichtung dringender braucht: einen sprintstarken und schussgewaltigen Offensivmann, der in der Defensive seine Schwächen hat, oder einen systemtreuen Spieler wie Toni Kroos, der dafür weniger Torgefahr ausstrahlt.

Soldo findet keine Lösung

Auch in Podolskis Verein liegt die Problemlage ähnlich. FC-Trainer Zvonimir Soldo, der nach nun 36 Erstliga-Spielen immer noch keine klare taktische Ausrichtung gefunden hat, hat es bislang nicht vermocht, seinen Star gewinnbringend einzusetzen. Oft alleingelassen und gefangen im meist defensiven FC-Korsett, macht Podolski dabei nicht selten einen unglücklichen und unmotivierten Eindruck. Vom faulen Prinz Poldi ist dann die Rede, und abgehalfterte Experten wie Udo Lattek schütten kübelweise Hohn über dem Stürmer aus ("Woran merkt man in Köln, dass Donnerstag ist? Lukas Podolski kommt das erste Mal zum Training.").

Und nicht nur die FC-Fans dürften sich dann wünschen, dass endlich ein Louis van Gaal erscheine, um das Versprechen einzulösen, das Lukas Podolski noch immer ist.

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Kommentare
Fetschen schreibt:
08.09.2010 15:15

Ich finde auch, dass man Lukas noch eine Chance geben sollte. Wenn es diese Saison aber wieder so schlecht läuft, wäre es Zeit zu handeln - sowohl ein Vereinswechsel als auch ein Mentalitätswandel wären dringend vonnöten.


B. Köbke schreibt:
08.09.2010 16:38

Ein sehr guter Artikel von Herrn Bartlau über Podolski. Nur schade, dass man beim 1. FC Köln das Problem nicht erkennt. Da wird ein Spieler für 10 Mio. Euro geholt und nicht annähernd effektiv eingesetzt. Ich kann mir ja nicht einen Mercedes 500 kaufen, um dann damit Bauschutt zu transportieren. Es ist dem Trainer, dem Management und nicht zuletzt auch Präsident Overath den Vorwurf zu machen, hier nicht zu reagieren und die Dinge einfach laufen zu lassen. Der Trainer scheint vollkommen überfordert zu sein, einen Lukas Podolski effektiv einzusetzen und 100ig in die Mannschaft zu integrieren. Wie lange will man in Köln noch warten? Einen Tosic hat man ziehen lassen und lieber ein Haufen unbekannter und unfertiger Spieler dazugekauftbis auf Lanig. Dies muss man Manager Meier ankreiden. Seit er da ist, hat sich in Köln doch nicht wirklich etwas bewegt. Der FC steht schon seit über 10 Jahren am Abgrund. Die Zeiten müssen sich ändern, sprich: Ein Trainer mit den Qualitäten eines van Gaal oder Magath muss her, sowie ein erfolgreiches Management. Dann klappts auch mit Lukas Podolski und dem 1. FC Köln.


krisjahn schreibt:
08.09.2010 19:32

Ein wunderbarer Artikel. Besser hätte man es nicht treffen können. Alle Kritik an Podolski ist einfach unberechtigt. Was soll er auch machen? Aus einem Top-Zweitliga-Club alleine einen Meisterschaftsanwärter machen? Und Uns-Udo hat sich mit seiner dämlichen Sonntags-Runde zur größten Bratwurst des Universums entwickelt! Wurde auch mal Zeit, das auszusprechen!!!


Dipl.-Ing. Ary Younessi schreibt:
09.09.2010 06:33

Genau richtig, und zwar in jedem Satz und Wort, ohne zu übertreiben! Unter Heynkes hat man gesehen, wozu Lukas P. in der Lage ist. Ich bin zwar einer der größten FC Anhänger, kann aber Lukass Manager nicht verstehen, ihm zum FC zu raten. Er hätte zu Manchester City oder einem anderen großen Verein mit größerem Lobby gehen sollen. Sein Management hat oft die falsche Entscheidung getroffen. Ich befürchte, dass Löw dem Druck aus dem Süden auf langer Sicht nicht stand halten wird. Löw hat LP mehrfach zum Wechsel geraten. Er sollte dieser Empfehlung folgen. Soldo mag zwar ein guter Trainer sein ohne Frage, aber ein Sieger Typ à la Magath, Daum und Mourinho ist er nicht. Der FC braucht einen Macher Team-Manager mit Siegeswillen und nicht einen guten Trainer und das braucht Lukas auch!!! Guter Artikel, denn es wird immer nur schlechte Stimmung gegen LP gemacht, und zwar bewusst und überwiegend aus der Süd-Presse Bild, Sport1 - Bayern Lobby, um Vorteile für Bayern-Spieler zu verschaffen Ahnlich: K-Frage, Lahm-Ballack. Wird Zeit, gegen zu steuern! Endlich mal einer, der das Richtige wagt und sagt. Ich habe lange auf solche Artikel gewartet. Bitte mehr davon. Sehr gut, Danke!


HolgerPaul schreibt:
09.09.2010 09:10

sehe ich ähnlich. ich habe mit Köln nicht viel am Hut, somit kenne ich die dortigfe Situation nicht genau. Ich hätte Luftsprünge gemacht, wenn Lukas bei meinem Verein Schalke spielen würde. Ich halte ihn noch immer für einen der weltbesten auf der linken Außenbahn, aber er muss eben so spielen dürfen wie es ihm Spass macht und vor allen da wo es ihm Spass macht. Mit defensiven Aufgaben raubt man ihm die Lust und das geht auf Dauer nicht gut. Er braucht schon den passenden Trainer und vor allem das passende System in seiner Mannschaft, und das ist leider im Moment nur das im Nationalteam....


C. Meier schreibt:
09.09.2010 09:41

Das Problem mit Podolski besteht m.E. darin, dass er sich aufgrund seiner Mentalität nur bei einem Verein wie dem 1. FC Köln wohl fühlen kann. Als eher einfach gestrickter Typ muss er bei einem Kult-Verein mit familiärem Umfeld spielen. Bei internationalen Top-Clubs wie dem FC Bayern oder Real Madrid muss so jemand einfach untergehen. Der große Rummel ist einfach nicht seine Welt. Die kleineren Vereine sind allerdings in der Regel nicht in der Lage, sich weitere Spieler zu leisten, die Talente wie ihn richtig in Szene setzen könnten. Er muss also darauf hoffen, dass jemand wie Herr Hopp seine Liebe für den FC entdeckt und die große Brieftasche aufmacht. Die andere Alternative, ein Mentalitätswechsel von Podolski und ein Reifungsprozess, wie ihn z.B. sein Nationalmannschaftskumpel Schweinsteiger durchlaufen hat, ist von ihm sicherlich in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Podolski steht sich hierbei einfach selbst am meisten im Weg.


C. Blumig schreibt:
09.09.2010 12:17

Guter, sachlicher Artikel. Allerdings ist in der Nationalelf die Position NICHT das Problem, sondern für Podolski genau die richtige, auch wenn ein gewisses Mass an Defensivarbeit dazugehört. Abgesehen vom Mittelstürmer geht es heute nicht mehr, dass ein Spieler gar nicht nach hinten arbeitet. Die WM hat das bei Messi und Argentinien sehr deutlich aufgezeigt. Problematisch ist abgesehen von der mittleren Klasse des FC Köln, dass er diese Rolle im Verein nicht spielen kann und damit keine Routine im Stellungsspiel und der Dosierung zwischen Offensiv- und Defensivarbeit entwickeln kann - was dann speziell bei starken Gegnern zu schwächeren Leistungen führen kann. Ich glaube aber auch, dass Podolski sich nicht kontinuierlich hinterfragt, um an seinen Schwächen zu arbeiten. Damit ist er natürlich nicht faul oder ein schlechter Profi, aber er bleibt ein Stück hinter seinen Fähigkeiten zurück - denn vom Potential her könnte sicher mit Spielern wie C. Ronaldo mithalten wobei ich nicht meine, dass er Ronaldo Charakter annehmen sollte ...


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