Sonntag, 06. September 2009
Portugal vor dem WM-K.o.: Ronaldo am Pranger
Kurz vor dem K.o. in der WM- Qualifikation vertraut Portugal nicht mehr allein den Künsten von Weltfußballer Cristiano Ronaldo. In dem erzkatholischen Land hofft man nun auf himmlische Hilfe."Wir sind mit eineinhalb Beinen draußen...jetzt hilft nur noch Beten", meinte die Sportzeitung "O Jogo" nach dem enttäuschenden 1:1 in Dänemark. In der Gruppe 1 fiel die Selecção mit zehn Zählern auf Platz vier hinter den Dänen (17), Ungarn (13) und Schweden (12) zurück. Platz eins ist abgeschrieben. Und im Kampf um Relegations-Rang zwei ist der WM-Vierte von 2006 auf fremde Hilfe angewiesen, denn gegen Konkurrent Schweden tritt man nicht an. Die Begegnung am Mittwoch in Ungarn wird zum Schicksalspiel schlechthin. "So lange es mathematisch drin ist, geben wir nicht auf", beteuerte Coach Carlos Queiroz halbherzig.
Im Zuge der Malaise bekommt auch die Love-Story zwischen Ronaldo und seinen Landsleuten erste Risse. "Der beste der Welt hat erneut nicht überzeugt ... dabei hatte ihn Portugal so bitter nötig", schrieb "O Jogo". "Publico" ging härter ins Gericht: "Ronaldo war abwesend". "Man erwartet von ihm viel mehr", klagte "Correio da Manha". Die von einigen kritisierte Überheblichkeit des Real-Madrid- Zugangs fällt immer mehr Portugiesen auf. Auch "Publico", das schon vor dem Spiel in Anspielung auf das schlechte Wetter in Kopenhagen ironisch bemerkt hatte: "Ob Ronaldos Frisur dem Regen standhält?". In Ronaldos Kopf lebe ein "Riesen-Ego". In Kopenhagen legte sich Ronaldo mit den dänischen Fans an und wurde mehrfach ausgebuht.
Der Superstar, der vor dem Spiel noch getönt hatte, Portugal werde 2010 in Südafrika auf jeden Fall dabei sein, ist kleinlaut geworden: "Wir sind traurig, weil wir wissen, dass wir besser sind. Die Qualifikation hängt nicht mehr von uns ab, aber wir glauben noch daran". Auch Spielmacher Deco räumt ein. "Wir haben im Abschluss versagt und das teuer bezahlt". Die deutlich überlegenen Gäste hatten nach dem Treffer von Nicklas Bendtner (43.) in Kopenhagen erst in der 86. Minute den Ausgleich erzielt - ausgerechnet durch den jüngst eingebürgerten Brasilianer Liedson, den viele nicht im Team haben wollten. "Mein Tor war nicht genug", meinte der 31-Jährige traurig. Das befürchtet auch das Sportblatt "Record": "Nach dem Festival vergebener Chancen ist die WM in weite Ferne gerückt".
Emilio Rappold, dpa
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